Fragen zum Thema Aggressivität

Wie ist das Verhältnis zwischen Angst und Aggression?

In jedem Menschen gibt es eine klare Grenze, ab der er auf ein Geschehen entweder mit Zurückhaltung reagiert, bis hin zum totalen Rückzug, der in der Angst kulminiert. Oder man reagiert mit ‚Nachvornegehen‘, mit der ‚Flucht nach vorne‘, die sich bis zur Aggression, zum Angriff steigern kann. Gesteigerte Angst kann auch in blinde Aggression umschlagen (vgl. Angst: Die Botschaft der Angst).

Wie ist einem vierjährigen fremden Kind zu begegnen, das dem eigenen Zweijährigen aggressiv gegenübertritt und es schlägt?

Bei zwei Geschwistern wiederum ist das Zweijährige dem Vierjährigen gegenüber aggressiv. Wie soll man hier reagieren?

Bei dem vierjährigen Kind, welches das zweijährige kratzt, würde ich mit der Mutter sprechen. Wenn das nichts nützt, würde ich die Begegnungen nur im Beisein der Erwachsenen stattfinden lassen.

Die eigenen Zwei- und Vierjährigen, die sich streiten, sollten erleben, dass der Erwachsene nur eingreift, wenn es wirklich gefährlich wird. Denn wenn Kinder sich daran gewöhnen, dass immer jemand kommt, wenn sie sich streiten, bildet sich die problematische Gewohnheit heraus, dass die Kleinen die Großen jederzeit herbeizitieren können. Toleriert man jedoch ein gewisses Ausmaß an Streit und lässt die Kinder gewisse Dinge unter sich abmachen und taucht vielmehr dann auf bei ihnen, wenn sie schön spielen, werden andere Akzente gesetzt.

In einer Spielgruppe, bei der auch die Mütter anwesend sind, wird das eigene Kind wiederholt von einem aggressiven Kind geschlagen, dessen Mutter reagiert aber nicht – was tun?

Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Aggression, die auf Ihr eigenes Kind ausgeübt wird, die Toleranz-Grenzen überschreitet und über ein normales Ausmaß an Puffen oder Schlägen hinausgeht, wenn Ihr Kind alson wirklich malträtiert wird, darf das nicht geduldet werden.

Es kommt jedoch noch etwas anderes in Betracht für diese Aggressivität, die ja eine Äußerung des Kindes ist: Die aggressive Handlung eines Kindes ist oft die einzige Möglichkeit, dem Erwachsenen – gerade in dem Alter zwischen zwei und vier Jahren – etwas zu sagen, auf das dieser von sich aus nicht käme: Manche Kinder sind in einer Spielgruppe überfordert. Ein Zweijähriger z.B. wäre lieber bei seinen Eltern zu Hause und würde gerne in aller Ruhe mit der Mutter irgendetwas im Haushalt erleben. Dieses Bedürfnis kann er nicht anders zum Ausdruck bringen, als in der Spielgruppe andere Kinder zu kratzen und zu beißen. Unter Umständen wäre die Antwort auf diese Aggression, das Kind aus der Gruppe herauszunehmen oder die Führung zu übernehmen und etwas Sinnvolles mit den Kindern zu machen.

Das ältere, stärkere Kind nimmt dem jüngeren Geschwisterkind das Spielzeug weg und bringt es auch in Gefahr, indem es z.B. die Tür zuschlägt, wenn das kleinere aus dem Zimmer gehen will. Was liegt hier vor?

In dem Fall kann Eifersucht dahinterstecken, weil die Tochter zwei Jahre lang Einzelkind war, bis das Geschwisterchen kam. Plötzlich hatte sie ihre besondere Rolle verloren. Jetzt könnte es hilfreich sein zu fragen:

Woran hat meine Vierjährige besondere Freude?

Wie schaffe ich es, ihr wenigstens einmal am Tag für kurze Zeit meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen?

Vgl. Fragen zu dem Kapitel „Aggression und Aggressivität im Kindesalter“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart**