Besinnung auf den Grundimpuls der Anthroposophie

Was war der ursprüngliche Impuls der Anthroposophie?

Woran zeigt sich, dass er neu ergriffen werden muss?

Was muss damit einhergehen?

Wir müssen uns als Gemeinschaft der Anthroposophischen Gesellschaft neu besinnen auf unseren ureigensten Impuls: eine Kultur zu schaffen, die aus der Trage- und Entschlusskraft und dem Übe-Willen vieler einzelner menschlicher Ich-Wesen hervorgeht. Rudolf Steiner bemerkt in seinem Buch zur Selbstschulung „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“1, dass die darin genannten Übungen entweder zum Guten oder zu nichts führen (vgl. Anthroposophie: Die sieben Bedingungen des Anthroposophischen Schulungsweges). Das zu wissen, scheint mir sehr wichtig.

Verantwortung für das eigene Schicksal übernehmen

Was ein Mensch tut und je getan hat in Gedanken, in Worten und in jeder noch so kleinen Handlung, kann er nicht von sich weisen (vgl. Anthroposophie: Die sieben Bedingungen des Anthroposophischen Schulungsweges). Es geht mit ihm als sein Schicksal. In diesem Bereich sind Inneres und Äußeres eins, auch wenn man sich in einem späteren Erdenleben, wenn einen die manchmal eigenartigen Konsequenzen von früheren Taten treffen , dagegen verwehrt und sagt: „Das gehört nicht zu mir, das spalte ich ab; meine Umwelt ist schuld an meinen Problemen.“ Diese Notwendigkeit, die ursächliche Verantwortung für das eigene Schicksal (auch der Gesellschaft) im eigenen Wesen suchen zu lernen, war ein weiterer Grund für die Themenwahl (vgl. Schicksal und Karma: Macht im Schicksalszusammenhang).

Noch ein Grund war, dass die Kunst selbst als ganz bedeutungsvoller Zweig anthroposophischer Arbeit neu ergriffen werden muss. Die Kunstszene der heutigen Welt, in der wir leben, braucht den Einschlag einer Ich-geführten Spiritualität (vgl. Kunsttherapie: Kunst als Weg zur Ergreifung des Ich ). Diese Gründe zusammengenommen weisen auf ein großes Vorhaben. Andererseits weisen sie aber auch auf etwas Stilles, Bescheidenes: auf die Stille, die beim Üben entsteht.

Vgl. Vortrag „Wege zum Herzdenken durch meditatives und künstlerisches Üben“ an der Jahresversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft 2007

  1. Rudolf Steiner, Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?, GA 10.