Fünf Ursachen für Krankheit und fünf Wege zur Heilung

Fünf Ursachen für Krankheit

Schon Paracelsus hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm . Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden (Opus paramirum und De quinte entibus) (vgl. Krankheit: Fünf Tore für Krankheit und Heilung). Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:

1. Physischer Standpunkt

Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: „Das ist doch klar: Der Patient ist durch das Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“

2. Ätherischer Standpunkt

„Eines wundert mich“, sagt der Zweite, „wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“

3. Astralischer Standpunkt

Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: „Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten (vgl. Gesundheit: Emotionale Gesundheit). Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Lebens. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“

4. Standpunkt Ich-Organisation

Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: „Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“

5. Standpunkt Schicksal

Der fünfte Arzt sagt: „Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“

Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: „De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.

Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin

1. Auf der physischen Ebene:

Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.

2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene:

Prozessorientiert wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.

3. Auf der astralen Ebene:

Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich (vgl. Kunsttherapie: Kunst als Weg zur Ergreifung des Ich ). Da könne sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.

4. Auf der Ich-Ebene:

Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung (vgl. Selbsterkenntnis und Selbsterziehung: Selbsterkenntnis und Selbsterziehung) – „Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?“1 – oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.

5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung:

Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden und gesundenden Lebensführung (vgl. Gesundheit: Das Kohärenzgefühl als Grundlage seelischer Gesundheit). Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.

Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010

  1. Rudolf Steiner, Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? GA 10.