Parameter der Wesensglieder-Diagnostik

In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß", das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:

1. Physischer Leib

Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand" des betreffenden Menschen (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Begabungen des physischen Leibes).

2. Ätherleib

Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit, sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Begabungen des Ätherleibes).

3. Astralleib

Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität" und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Begabungen des Astralleibes).

4. Ich-Organisation

Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Begabungen der Ich-Organisation).

Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik

Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.

Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.

Wesensglied und
Naturgesetzlichkeit
Selbsterleben und
kreative Handhabbarkeit
Morphologie
Physiologie
Physische Symptomatik
Ich-Organisation
Wärmeorganismus
Thermodynamischer
Gesetzeszusammen
hang
Selbstbewusste
Gedankentätigkeit
Intentionalität Initiative
Dicht- und Sprachkunst
Integrationsprozesse
Gesamtgestalt
Individuelle Wärme-verteilung
„Ausstrahlung"
Astralleib
Luftorganismus
Aerodynamischer
Gesetzeszusammen
hang
Bewusstsein,
Gefühl, Impulsivität
Bewegung Musik und
Gesang
Atmung
Katabole Stoffwechsel-vorgänge
Heterostase
Differenzierung
Proportionen
Muskeltonus
(Anspannung und Lösung)
Lufthaushalt
Ätherleib
Wasserorganismus
Hydrodynamischer
Gesetzeszusammen
hang
Auftrieb
Schwerelosigkeit
Zeitprozesse
plastisches Gestalten
Anabole Stoffwechsel-
vorgänge
Synthese
Homöostase
Proliferation
Turgor
Wasserhaushalt
Inkarnat
Hautdurchblutung
Physischer Leib
Feste Organisation
Gravitation
Gesetzeszusammen
hänge der Festkörper-
physik und Mechanik
Egoität
Schwerpunkt erleben
architektonisches Gestalten
Ablagerungsprozesse
Strukturierungsprozesse
Formzusammenhalt
Dichte
Gewicht
Laborparameter

Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder

Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012**