Christusbewusstsein entwickeln lernen

Was ist unter Christusbewusstsein zu verstehen?

Wie können wir diese Art von Bewusstsein entwickeln?

Es würde sich schon viel an unserem Selbst- und Weltverständnis ändern, wenn wir anfingen darüber nachzudenken, woher im Einzelnen der Inhalt unseres wöchentlichen großen Einkaufskorbes kommt.

Aus welchen Weltgegenden kommen die verschiedenen Nahrungsmittel, die wir im Laufe einer Woche durch uns bzw. den Leib hindurchgehen lassen?

Wer war daran beteiligt, dass sie zu uns gelangen konnten?

Wenn wir ein Bewusstsein in Bezug auf solche Zusammenhänge zu entwickeln versuchen, ahnen wir, über welche Wachheit Jesus verfügte, der in jedem Augenblick bewusst verfolgen konnte, welche Weltgesetze an Bau und Erhaltung seines physischen Leibes – des Tempels seines Leibes – beteiligt waren und welche Weltenrhythmen und Sternengesetze in seinen Organfunktionen wirkten (vgl. Christus heute: Jesus-Christus und der Tempel des Leibes). Auch nahm er wahr, wie in jedem Augenblick die Himmelsverhältnisse und die Erdenverhältnisse im Menschen zusammenspielen. Er erlebte mit vollem Bewusstsein, bestimmte Sternkonstellationen, deren Bedeutung wir als Horoskope zu erklären versuchen. Im Tempel seines Leibes waren äußerlich und innerlich, physisch und geistig Weltall, Erde und Mensch vereinigt.

An allem interessiert

Wenn wir ein Bewusstsein entwickeln, dem nichts entgeht und das an allem interessiert ist, was unter den Menschen und in der Welt geschieht, werden wir besser verstehen, warum die besondere Hinwendung des Jesus denjenigen galt, die „nicht selig" waren: Die Verachteten, die Kranken, die Armen, eben all diejenigen, die Hilfe brauchten. Gerade sie wollte er ansprechen und ihnen ihre Beziehung zu ihm aufzeigen. Zu Levi, dem späteren Jünger Matthäus, den er als Zöllner sitzen sah und auffordert, ihm zu folgen, sagte er: „Die Gesunden bedürfen keines Arztes, wohl aber die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um die Gerechten, sondern um die Verirrten zur Sinnesänderung zu rufen."1

Wer in dieser Weise beginnt, über den „Tempel des Leibes" nachzudenken, empfindet eine zunehmende Dankbarkeit für alles, womit er verbunden ist und wodurch er als Mensch zu dem geworden ist, der er heute ist. Christian Morgenstern hat aus einem solchen Bewusstsein heraus sein Gedicht „Die Fußwaschung" geschrieben:

Die Fußwaschung

Ich danke dir, du stummer Stein,
Und neige mich zu dir hernieder:
Ich schulde dir mein Pflanzensein.
Ich danke euch, ihr Grund und Flor
Und bücke mich zu euch hernieder:
Ihr halft zum Tiere mir empor.
Ich danke euch, Stein, Kraut und Tier
Und beuge mich zu euch hernieder:
Ihr halft mir alle drei zu mir.
Wir danken dir, du Menschenkind
Und lassen fromm uns vor dir nieder.
Weil dadurch, dass du bist, wir sind.
Es dankt aus aller Gottheit Ein-
Und aller Gottheit Vielfalt wieder.
In Dank verschlingt sich alles Sein.

Vgl. „Integration - Aufgabe der Kirche heute“ aus „Die Heilkraft der Religion“, Stuttgart 1997**

  1. Neues Testament, Markus 2, 17.