Entstehung der Corona-Pandemie COVID 19

Wie kam es zu der Pandemie?

Die später als Pandemie klassifizierte COVID 19-Infektion nahm in der zentral-chinesischen Metropole Wuhan ihren Anfang und verbreitete sich von dort aus rasant über den ganzen Erdball. Man geht davon aus, dass dieses neuartige Coronavirus bereits November 2019 auf einem Wildtiermarkt von seinem bisherigen Wirt – mutmaßlich einer Fledermaus - erstmals auf einen Menschen übersprang. Doch erst am letzten Dezembertag werden der WHO 27 Fälle einer Lungenentzündung unbekannter Ursache gemeldet. Am 1. Januar 2020 schließen die Behörden daraufhin den Huanan-Markt. Bis die Stadt am 23. Januar schließlich abgeriegelt wird, verlassen täglich noch 30.000 Reisende in alle Welt den Verkehrsknotenpunkt Wuhan. Zeitgleich veranlasst Taiwan Reisende aus der Region bei ihrer Ankunft auf Symptome für COVID 19 hin zu überprüfen. Das demokratische Land gilt seither als Vorbild in der Virus-Bekämpfung. Taiwan hatte noch vor China die WHO über das neuartige Infektionsgeschehen informiert, ohne dass die Seuchenschutzbehörde darauf reagierte. Am 7. Januar 2020 wurde das diesem sich rasant verbreitenden Infektionsgeschehen zugrundeliegende Corona-Virus als SARS-CoV-2 identifiziert.

Am 9. Januar verstirbt offiziell der erste Patient an der mit SARS-CoV-2-assoziierten Lungenentzündung. Die Experten sind jetzt alarmiert, denn auch die letzten Corona-Epidemien – SARS, MERS – waren als gefährlich eingestuft worden aufgrund der zu erwartenden hohen Todesraten. Bereits am 12. Januar entwickelt die Charité Berlin um Prof. Christian Drosten eine PCR-Testmethode, am nächsten Tag wird in Thailand der erste Ansteckungsfall außerhalb Chinas entdeckt, zwei Tage später in Japan und Südkorea. Am 30. Januar ruft die WHO den „Notfall für die öffentliche Gesundheit von internationalem Ausmaß“ (PHEIC) aus.

Corona-Maßnahmen und ihre Folgen

Die neue anfangs hauptsächlich als Lungenkrankheit eingestufte Coronavirus-Infektion bekommt von der WHO schließlich den Namen COVID-19. Die Medien berichten Tag für Tag unisono über die inzwischen weltweit präsente Pandemie: über ihre Ausbreitungswege, über Möglichkeiten der Testung, über die Maßnahmen seitens der Regierungen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen, und immer mehr auch über mögliche Therapiemöglichkeiten, bis hin zu einer Impfung, aber auch über die enormen ökonomischen und sozialen Konsequenzen.

Tatsache ist: Der fast weltweite Lockdown verändert unser aller Leben und Bewusstsein schlagartig. Die Wirtschaft verzeichnet massive Einbußen, das gesamte kulturelle Leben kommt zum Erliegen, Universitäten, Schulen und Kindergartenbetriebe werden geschlossen, Sozialkontakte müssen dramatisch reduziert werden oder sind sogar komplett untersagt. Die gewohnten persönlichen und sozialen Freiheitsrechte unserer demokratischen Systeme werden im Namen von Notstandsregelungen schrittweise außer Kraft gesetzt.

Angst ist allgegenwärtig. Was früher ein normaler Schnupfen, Husten oder eine im Anzug begriffene Grippe war, löst jetzt vielfach Panik aus und überfordert die Ambulanzen der Kliniken und die Telefonleitungen der Arztpraxen. Schreckensbilder, ausgehend von Italien, gefolgt von weiteren Ländern, in denen zunehmend Notstand herrscht, prägen sich über die TV-Nachrichten und das Internet ins Bewusstsein ein. Manch einer sieht sich ebenfalls schon auf dem Weg ins Grab oder stellt sich vor, wie es wäre, zu ersticken.

Obwohl wir Menschen unser Leben lang bereits mit einer Vielzahl an Corona-Viren zu tun hatten, löst SARS-CoV-2 zum Teil bisher nicht bekannte Krankheitszustände aus, die die Gesundheitssysteme der Welt in ihren Grundfesten erschüttern. Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich weltweit noch keine zufriedenstellenden Antworten auf die vielen uns bewegenden Fragen im Hinblick auf einen angemessenen Umgang mit COVID 19 zu finden. Dennoch ist es für uns eminent wichtig, sich gerade jetzt, wo viele die Möglichkeiten des Internet nutzen, über ebendiese Fragen auszutauschen, um das Beste aus dieser Krise machen zu können. Sie betrifft jeden einzelnen von uns in sehr unterschiedlicher Weise. Die Auslegungen darüber, wie diese Pandemie zu verstehen ist, wie lange sie wohl dauern wird und welche gesamtgesellschaftlichen Folgen sie für uns haben wird, spalten die Menschheit weltweit in unterschiedliche Lager, die Gefahr laufen einander regelrecht zu bekriegen. Jeder einzelne steht angesichts dieser oft gewalttätige Ausmaße annehmenden Entwicklung vor der Herausforderung, einen eigenen Standpunkt zu finden, ohne die anderen zu verurteilen oder gar zu verteufeln wie es zunehmend geschieht. Nur gemeinsam werden wir Menschen Lösungen finden können, die uns in eine friedliche Zukunft blicken lassen.

Mut und Menschlichkeit

Als förderndes Mitglied von Médecins sans frontières MSF/Ärzte ohne Grenzen verfolge ich seit langem die enormen Anstrengungen von MSF, wie sie die Lage vor Ort in den unterprivilegierten Ländern recherchieren und wo immer möglich organisatorisch beraten und auch direkt zu helfen versuchen. Denn dort gibt es Hunderttausende, die mit chronischen Krankheiten ringen, wie HIV, Hepatitis, oder Tuberkulose. Diese Menschen sind daher besonders anfällig für das neue Virus, ganz zu schweigen von den geflüchteten Bevölkerungsteilen, die in vielen Teilen der Welt auf so engen Raum in Camps zusammenleben müssen, dass von Abstandsregeln und häufigem Händewaschen keine Rede kann. Entsprechend groß ist die Sorge bei denen, die sich mitverantwortlich für diese Menschen fühlen.

Ich nenne deshalb MSF bewusst als Beispiel für die vielen großen und kleinen Initiativen, die sich vor Ort ein Bild der Lage verschaffen, aller Sorge sich selbst auch in Gefahr zu bringen zum Trotz. Dass engagierte Menschen ohne Angst um ihre eigene Gesundheit und mit viel Empathie das organisatorisch Mögliche und praktisch Realisierbare tun, um zu helfen, verdient unsere Unterstützung, Dankbarkeit und unseren tiefen Respekt.

Ein Buch über das Engagement von MSF erschien vor wenigen Jahren unter dem Titel „Mut und Menschlichkeit“1. Medizin will der ganzen Menschheit dienen – sie „gehört“ allen, steht in Wirklichkeit aber längst nicht allen zur Verfügung. Auch das ist durch die Corona-Krise stärker in unser aller Bewusstsein gekommen.

Ich sehe es als meine Verantwortung, mit meinen Ausführungen einen Beitrag zu leisten, um Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu finden. Auch dass die Zivilgesellschaft zunehmend aktiv wird, wo Regierungsverantwortliche keinen Handlungsbedarf sehen, empfinde ich als eine erfreuliche, ja notwendige Entwicklung. Denn wir sitzen alle im selben Boot und jeder kann und muss auf seine Art mit seinen Möglichkeiten beitragen zu einer „Corona-Wende“.

Vgl. Michaela Glöckler, „Fragen und Überlegungen zur Corona-Krise aus medizinischer Sicht“, in: „Corona – eine Krise und ihre Bewältigung, Verständnishilfen und medizinisch-therapeutische Anregungen aus der Anthroposophie“, ISBN 9 783751 917919

Georg Soldner, Markus Sommer, „Ökologie und Pandemie. Was lernen wir an COVID-19?“ Rundbrief Medizinisches Seminar Bad Boll am 7. November 2020

  1. Tankred Stöbe, Mut und Menschlichkeit. Als Arzt weltweit in Grenzsituationen, Frankfurt M. 2019.