Zur Identität von Wachstums-, Regenerations- und Gedankenkraft

Inwiefern lässt sich die Identität von Wachstums- und Gedankenkraft feststellen?

Welche Rückschlüsse ergeben sich daraus für Pädagogik und Medizin?

Wer damit beginnt, den inneren Zusammenhang der Wachstums- und Regenerationskräfte des Organismus mit den entsprechenden Vorgängen in seinem Gedankenleben zu studieren, wird dieser Entsprechung auf Schritt und Tritt begegnen (vgl. Wesensglieder: Die Metamorphose der Wesensglieder in leibfreies Denken, Fühlen Und Wollen).

1. Verdauung – körperlich und gedanklich

Auf der Seite der Verdauung haben wir die Fähigkeit, die Nahrungsmittel zu zerstören und z.B. das Eiweiß bis zu den einzelnen Aminosäuren hin zu hydrolisieren bzw. aufzulösen. Dieses Gemisch aus Aminosäuren geht dann ins Blut und wird im gesamten Organismus für den Aufbau des körpereigenen Eiweiß verwendet.

Auf der anderen Seite haben wir im Bereich unserer Denktätigkeit die bis ins einzelne gehende analytisch-zergliedernde Aktivität. Und entsprechend der Aufbautätigkeit im Organismus die Fähigkeit, Dinge zusammenschauen zu können und synthetisch zu denken.

2. Immunsystem – körperlich und gedanklich

Alles Fremde wird dank der körpereigenen Abwehr ausgeschlossen und abgestoßen; hin und wieder sind auch allergische Reaktionen zu beobachten.

Dasselbe ergibt sich für unser Gedankenleben. Viele Gedanken weisen wir von vornherein ab und sagen, das interessiert mich nicht, damit setze ich mich überhaupt nicht auseinander. Auf andere Gedanken oder Äußerungen von Menschen reagieren wir allergisch mit bestimmten Gegengedanken und Gegenargumenten – hier wird ein „gedankliches Immunsystem“ wirksam.

3. Dogmatismus – körperlich und gedanklich

Wieder ein anderes Beispiel ist das dogmatische Denken. Eine Lebensansicht wird als dogmatisch bezeichnet, wenn jemand dabei Werte vertritt, die er selbst nicht ganz verstanden hat. Jeder Gedanke, der sich nicht selbstverständlich mit dem übrigen Denken in Beziehung bringen lässt, sondern ein in sich abgeschlossenes Eigenleben führt, entspricht auf der körperlichen Seite Ablagerungen und Steinbildungen. Es handelt sich dabei um Strukturen, die nicht in das Leben des gesamten Organismus integriert sind.

4. Heilung – körperlich und gedanklich

Jeder kennt das im wahrsten Sinne des Wortes Erlösende, wenn man plötzlich von einem Menschen verstanden wird, der einen bisher nicht verstehen konnte.

Auf körperlicher Ebene findet Heilung statt, wenn es gelingt, einen isolierten Prozess wieder in den Funktionszusammenhang des Organismus einzugliedern (vgl. Krankheit: Krankheit, Heilung und die Frage nach dem Sinn).

So betrachtet erweisen sich das körperliche Leben und das Gedankenleben als zwei Erfahrungsfelder, die es in ihren Entsprechungen zu erforschen gilt:

  1. Im leiblichen Substanzgeschehen wirken die Naturgesetze und gedanklichen Möglichkeiten gleichsam im „Bruttozustand“.
  2. Dieselben Gesetze wirken, im menschlichen Denken, losgelöst von der Arbeit an der Substanz, rein geistig erfahrbar, sozusagen im „Nettozustand“ (vgl. Gesundheit: Gesundheit und Denken).

Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart**