Engelhierarchien und Schöpfungsprozess

Rudolf Steiner zeigt, wie der Schöpfungsprozess vom Spirituellen her aussieht, was wir den Hierarchien und der Heiligen Trinität alles verdanken:

  • Das Denken verdanken wir den Engeln (vgl. Denken: Denken als Brücke zwischen der Sinneswelt und der Welt des Geistigen)
  • Das Fühlen, und mit ihm auch unsere Ausdrucks- und Sprachfähigkeit, verdanken wir den Erzengeln, die an anderer Stelle auch „Sprachgeister“ genannt werden.
  • Den Archai, den „Zeitgeistern“, verdanken wir unser Wollen, damit wir in der Zeit etwas schaffen können für die weitere Entwicklung unserer selbst und der Welt.
  • Den Exusai, den „Geistern der Form“, verdanken wir, dass wir uns selbst als Eigenwesen erleben, als „Ich“, das sich zu allem in Beziehungen setzen und geistig urteilen kann.
  • Den Dynamis, den „Geistern der Bewegung“, verdanken wir, dass wir uns überhaupt bewegen und verwandeln können.
  • Den Kyriotetes, den „Geistern der Weisheit“, verdanken wir unsere Fähigkeit, weisheitsvolle Zusammenhänge zu erleben. Die Anthroposophie, die „Weisheit vom Menschen“, ist ein Geschenk dieser Kyriotetes.
  • Den Thronen, den „Geistern des Willens“, verdanken wir den Willen, Mensch zu werden: Ausdruck davon ist die Lernbegierde, der Lerntrieb, der Entwicklungswille.
  • Den Cherubim, den „Geistern der Harmonie“, verdanken wir unser Gewissen, das bestrebt ist, alles Problematische wiederum ins Gleichgewicht zu bringen, Frieden zu stiften – auch wenn dies manchmal erst in einem nächsten Leben möglich ist (vgl. Konfliktfähigkeit: Die Gewissensstimme).
  • Den Seraphim, den „Geistern der Liebe“, verdanken wir, dass die ganze Schöpfung mit Liebe durchdrungen ist und dass wir ein persönliches Schicksal haben, das uns nie verlässt – das uns umgibt als Möglichkeit, aus allem, was uns zustößt, zu lernen, immer das das Beste daraus zu machen und nie zu verzagen. Diese höchste Hierarchie steht unmittelbar vor dem Angesicht Gottes (vgl. Schicksal und Karma: Schicksalserleben – persönlich, beruflich-sozial und zeitgeschichtlich).

Nun noch einen Blick auf die Heilige Trinität, den Vater, den Sohn, den Geist:

  1. Im Vatergöttlichen gründet alles, was der Schöpfung und unserer Existenz im Weltzusammenhang zugrunde liegt. Der Vatergott will, dass wir uns freuen (vgl. Freude: Die Fähigkeit sich zu freuen). Die Tugend, die das Gehenlernen und die Bewegungsentwicklung fördert, ist Freude, Bewegungsfreude.
  2. Dem Sohnesprinzip entspringt die Möglichkeit der Weiterentwicklung der Welt. Der Sohn will, dass wir beim Sprechen ehrlich, freilassend und liebevoll zueinander sind. Aber entscheidend ist das Bemühen um Wahrhaftigkeit, denn ohne Wahrheit sind Freiheit und Liebe nicht viel wert (vgl. Beziehung: Wahrheit als Wirklichkeit in der Beziehung).
  3. Dem Geistprinzip verdanken wir die Möglichkeit, die eigene Entwicklung individuell und selbständig in die Hand zu nehmen. Im Denken sind wir geistig zu Hause: Es trägt uns aus dem Vorgeburtlichen durch das Erdenleben in das Nachtodliche. Es ist die unzerstörbare ätherische Welt, in die wir vertrauen dürfen (vgl. Die ersten drei Jahre: Gehen - Sprechen – Denken: Denken - Selbstbewusstsein - Geisterkenntnis ). Wir erleben unseren Willen im Denken als das Wesenhafte, das unsere geistige Existenz begründet und das fähig ist, uns selbst und anderen zu helfen und uns zu heilen.

Vgl.„Die Würde des kleinen Kindes – Was erhält das kleine Kind gesund?“, Persephone 2012, Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V. in Deutschland**