Stadien der menschlichen Entwicklung in Jugend und Alter

Welche großen Entwicklungsabschnitte gibt es im menschlichen Leben?

Nach der Geburt steht zunächst die Entwicklung des Nervensystems im Vordergrund. Dann folgen die Organe der rhythmischen Funktionsordnung und schließlich die volle Ausreifung von Skelett und Stoffwechselorganen (vgl. Denken: Entwicklung der Organsysteme und Denken).

Evolution im 1. Jahrsiebt:

Die Grundreifung der Sinnesfunktionen und etwa 90% der Kapazitäten des Zentralnervensystems erreichen schon in den ersten 9 Lebensjahren die volle Funktionstüchtigkeit:
Das Ohr ist mit etwa vier Jahren voll funktionstüchtig.
Das Auge braucht acht Jahre, bis es in allen Feinheiten ausgereift ist: in Bezug auf die Perspektive, das Farbensehen, auf feinsten Abstufungen der Wahrnehmung und die Verknüpfung mit den anderen Sinnen. Das ist ein langer Reifungsprozess.

Evolution im 2. Jahrsiebt

Bis zur Pubertät reifen die rhythmischen Funktionssysteme, insbesondere von Herz und Kreislauf. Bei einem Zwölfjährigen haben wir noch ein Kinder-EKG, einen schnelleren Herzrhythmus und eine schnelleren Atmung, als es der Erwachsene hat. Die Ausreifung der Frequenzabstimmung zwischen Atem- und Herzrhythmus sind im Alter von 15./16. Lebensjahren abgeschlossen, dann hat sich die ruhigere, langsame Atmung des Erwachsenen entwickelt. Es dauert also länger, bis diese Organe „erwachsen“ sind.

Evolution im 3. Jahrsiebt:

Skelett und Stoffwechsel brauchen am längsten, bis sie vollkommen ausgereift sind und die Stabilisierung der Stoffwechselvorgänge und des Hormonhaushaltes erreicht wird. Vom spirituellen Gesichtspunkt her würden wir sagen: bis der Mensch „vollständig inkarniert“ ist. Das dauert im Durchschnitt zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Jahren. Die Reifung des Skelettsystems zur Erwachsenenform dauert bis zum 20., 23. Lebensjahr.

Dass die menschliche Entwicklung sich nicht linear vollzieht, sondern spiegelbildlich an der biologischen Lebensmitte (ca. 35 Jahre), zeigt die folgende Auflistung. Rudolf Steiner sagt: Die Involutionsphasen spiegeln die Inkarnations- oder Evolutionsphasen.1

Involutionsphasen in Jahrzehnten

  1. Zwischen 40 und 50 mit dem Klimakterium tritt bei der Frau die Menopause ein. Die Involution der Stoffwechselprozesse beginnt. Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und Stoffwechselstörungen wie Diabetes Typ 2 haben laut Statistik ihre höchste Inzidenz (Zeitpunkt des Eintretens) in diesem Alter. Gelenkverschleiß zeigt sich, Rückenprobleme werden spürbar; Gallen- und Nierensteine.

  2. Zwischen 50 und 60 treten in einem großen Schub die typischen pulmonalen und cardio-vaskulären Erkrankungen auf wie Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, bei Disposition der erste Infarkt. Später oder früher wäre es schon nicht mehr so typisch. Das betrifft auch die Chronifizierung von Lungenerkrankungen, die hier einsetzt. All diese Erkrankungen haben in diesem Alter statistisch gesehen eine erste große Inzidenzphase. Wir sprechen dabei von Exkarnationsproblemen. Der Mensch kommt im Hinblick auf seine Vitalität, seine Seelenverfassung und seinen ganzen biografischen Entwurf in eine Krise. Er muss körperliche Einbußen hinnehmen. Und – was man ja bei chronischen Krankheiten immer erlebt – er spürt hautnah die Vergänglichkeit und Endlichkeit seines Lebens.

  3. Zwischen 60 und 70 hingegen zeigen sich gehäuft Degenerationserscheinungen an den Sinnesorganen und dem Zentralnervensystem. Gott sei Dank sind die Gehirn- und Sinnesleistungen die letzten Funktionen, die schrittweise nachlassen.

Daraus lässt sich ersehen, dass die Art und Weise, wie die Entwicklung durch Kindheit und Jugend sich vollzogen hat, bestimmend ist für den Schweregrad der Ausprägung chronischer Erkrankungen und Verschleißerscheinungen im Alter. So gesehen ist primäre Prävention und Krankheitsvorbeugung in allererster Linie eine Erziehungsfrage (vgl. Erziehung: Entwicklungsphasen und Pädagogik). Denn je harmonischer die Reifung in Kindheit und Jugend – umso weniger Krankheitsneigungen treten in der Zeit der „Exkarnation“ auf.

Vgl. 1. Kapitel, „Gesundheit durch Erziehung“ , Persephone, Kongressband

  1. Rudolf Steiner, Wege und Ziele des geistigen Menschen, GA 125.