Differenzierter Umgang mit Natur, Mitmensch und Technik

Wie erlernen Kinder einen differenzierten, ressourcenschonenden Umgang mit Natur und Technik?

Wie kann man Routine künstlerisch in einen lebendigen Prozess verwandeln?

Was macht der Umgang mit der Technik mit uns?

Ringende Erwachsene als Vorbild

Einen ressourcenorientierten Umgang mit Energie und Technik zu erlernen ist keine Selbstverständlichkeit – im Gegenteil: Über Jahrzehnte wurden und werden Ressourcen um des zivilisatorischen Fortschritts und des ökonomischen Wachstums willen gnadenlos verschwendet. Das ist – leider immer noch! – die bestimmende Grundhaltung der Welt, in der unsere Kinder heute aufwachsen.

Wie also sollen sie lernen können, dass mit Ressourcen verantwortlich umgegangen werden muss?

Und dass der Einsatz technischer Möglichkeiten nur da geschehen sollte, wo er tatsächlich gebraucht wird und unter Berücksichtigung des Gemeinwohls sinnvoll ist?

Die Sensibilisierung für diese Themen muss in der frühen Kindheit stattfinden, vor allem durch das verantwortungsbewusste Verhalten Erwachsener im Umfeld des Kindes (vgl. Medienpädagogik: Medienpädagogik und Erziehung zur Freiheit), zuhause und in der jeweiligen Betreuungseinrichtung, die um einen authentischen Umgang mit diesen brennenden Fragen ringen, Fragen, die nicht nur die Umwelt, sondern auch das gesamte Wirtschaftssystem und das soziale Miteinander betreffen. Das ist das eine.

Technik und Natur im Vergleich

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Themas hängt mit dem gravierenden Unterschied zwischen der lebendigen Natur und der „toten“ Technik zusammen:

• Technische Qualität und angemessener Umgang mit Technik

Zur Technik gehören Perfektion und Optimierung – das betrifft nicht nur den Aufbau technischer Geräte, sondern auch die Bedienung. Treten Probleme auf, müssen sie analysiert und beseitigt werden. Defekte werden repariert, unbrauchbar gewordene oder alte Modelle verschrottet.

• Lebendige Qualität und angemessener Umgang mit Lebendigem

Die Natur ist niemals perfekt, niemals fertig. Alles Lebendige unterliegt dem Zyklus von Werden und Vergehen und braucht Pflege. Es muss zudem immer in Zusammenhang mit seiner Umgebung gesehen werden (vgl. Sinne(spflege): Lebenssinn Schönheit und Stimmigkeit). Dazu ist ein Wissen über die Rhythmen nötig, die das Leben beeinflussen und tragen (vgl. Lebensrhythmen: Vom Umgang mit Lebensrhythmen gestern und heute), sowie ein Blick für Ungleichgewichte und Störfaktoren im lebendigen Geschehen. Anders als bei der Technik sind Störungen und Fehler nicht einfach zu beseitigen, sondern eine Aufforderung genauer hinzuschauen: in sich selbst, in die Welt. Denn wer etwas gesund pflegen bzw. erhalten will, muss das Gesunde kennen und wissen, dass Entwicklung in der Zeit verläuft. Das heißt auch: Menschliches Zusammenleben erfordert die Fähigkeit, auch Fehler und Fehlverhalten anzunehmen, selbst wenn diese nicht „rasch behebbar“ sind, sondern man mit ihnen erst einmal leben lernen muss.

Soziale Kompetenz erwerben

Es gibt aber noch weitere besorgniserregende Aspekte übermäßigen Umgangs mit Medien – ganz abgesehen von den Inhalten, die man dabei konsumiert: Beschäftigen sich Kinder und Erwachsene über viele Stunden des Tages sehr intensiv mit ihrem Computer, Tablet oder Smartphone, entwickeln sie oft ein distanziertes Verhalten zur Umwelt – mit der Folge, dass ihnen ein interessierter, warmherziger, toleranter Umgang mit anderen Menschen auf der sogenannten Beziehungsebene immer weniger gelingt (vgl. Medienpädagogik: Negative Folgen einer zu frühen Gewöhnung an digitale Medien).

Bestürzend ist in diesem Zusammenhang auch, dass diese Menschen den genannten Medien gegenüber die Qualitäten aufbringen, die sie in der Begegnung miteinander oft vermissen lassen: volle Aufmerksamkeit, Interesse für die Reaktionen, Fragen, Nöte und Sorgen des anderen. Je mehr seelischer Umgang mit diesen Geräten gepflegt wird, die so reagieren, wie man es erwartet, bzw. die man nach einigen Korrekturen dahin bringt, den Erwartungen zu entsprechen, desto unfähiger und unwilliger werden die Betreffenden, sich mit der Unvollkommenheit der Natur und ihrer Mitmenschen auseinanderzusetzen. Denn diese reagieren nicht immer erwartungsgemäß, sondern aus ihren eigenen Lebens- und Entwicklungsbedingungen heraus. Im Sozialen kommt es darauf an, dass wir lernen,

  • sozial kompetent zu werden,
  • miteinander zurechtzukommen,
  • Toleranz zu entwickeln gegenüber den Eigenarten des anderen,
  • uns seelisch zu verändern und weiterzuentwickeln.

Dafür braucht es warme soziale Zusammenhänge (vgl. Medienpädagogik: Goldene Regel für den Umgang mit Technik und Medien), lebendige Übungsfelder, in denen die unter Menschen und allem Lebendigen gegenüber erforderliche Offenheit für Lernprozesse, für Neues und Unerwartetes, als Qualitäten erlebt werden, die das Leben erst wirklich lebenswert machen.

Vgl. „Ich im Netz. Was geschieht mit uns im Internet?“, Amthor Verlag, Heidenheim 2015