Die Fünf-Minuten-Meditation

Was können wir als Erwachsene tun, um uns im Alltag Kraftquellen zu erschließen?

Das Mindeste, was Sie in dieser Hinsicht tun können, ist, sich jeden Tag fünf Minuten aus dem Alltagsleben herauszuziehen. In diesen fünf Minuten können Sie sich im wahrsten Sinne des Wortes erholen, d.h. sich wieder heranholen zu sich selbst.

Wie kann das gehen?

Finden Sie heraus, wer Sie wirklich sind, indem Sie sich in diesen fünf Minuten fragen, was denn für Sie im gegenwärtigen Lebensabschnitt das Wesentlichste ist. Sie können sich aber auch an einen Moment in ihrem Leben erinnern, von dem Sie sich seinerzeit gesagt haben: Das will ich nie mehr vergessen! Oder wo sie sich vornahmen: So würde ich gerne werden. Es kann auch ein Lied, eine kleine Melodie sein, die Sie sich ins Bewusstsein rufen und leise vor sich hin summen oder singen bzw. ein Gedicht, ein Sinnspruch, den sie schätzen. Wichtig ist nur, dass Sie in diesem Moment alle Konzentration darauf lenken – gedanklich, gefühlsmäßig und intentional. Haben Sie einen Text, den Sie besonders mögen, so können Sie ihn in diesen Minuten zunächst lesen, nach einigen Tagen wissen Sie ihn vielleicht auswendig, pflegen ihn noch eine Weile, und wenn Sie ihn verinnerlicht haben, nehmen Sie etwas anderes, das für Sie „stimmt“.

Rudolf Steiner hat für solche Meditationszeiten Sprüche und Wortmeditationen formuliert, wie z.B. die nachstehende, die altes Weisheitsgut aufgreift:

In den reinen Strahlen des Lichtes
Erglänzt die Gottheit der Welt.
In der reinen Liebe zu allen Wesen
Erstrahlt die Göttlichkeit meiner Seele.
Ich ruhe in der Gottheit der Welt.
Ich werde mich selbst finden in der Gottheit der Welt. 1

Wenn Sie Worte und Gedanken wie diese mitdenken und die Ruhe und Kraft, die sie anregen, in der Seele wirken lassen, gehen Sie danach erfrischt und gestärkt wieder an die Arbeit. Wer in seinem Tagesablauf keine Zeit erübrigen kann, sollte sich zumindest diese fünf Minuten nehmen. Aber auch hier gilt „einmal ist keinmal“. Es sollte nach Möglichkeit täglich geschehen.

Wer in seinem Tagesablauf überhaupt keine Zeit erübrigen kann, sollte sich zumindest diese fünf Minuten nehmen. Aber auch hier gilt „einmal ist kein Mal". Es muss regelmäßig zu einer bestimmten Zeit geschehen, um wirksame Veränderungen hervorrufen zu können.

Schafft man es, diese fünf Minuten dreimal am Tag einzurichten, hat das eine enorm zentrierende und stabilisierende Wirkung.

Vgl. Heilkraft der Rhythmen, in: Meditation in der Anthroposophischen Medizin, 1. Kap., Berlin 2016

  1. Rudolf Steiner, Seelenübungen, GA 267.