Verbindung mit den Hierarchien auf Erden und im Nachtodlichen

Welche geistigen Wesen begleiten die Verstorbenen in welchen Bereichen?

Welche unterschiedlichen Bereiche durchquert die Seele im Nachtodlichen?

Wovon hängt ab, ob die Seele in den jeweiligen Bereichen wach und bewusst dabei ist?

Es empfangen Angeloi, Archangeloi, Archai (3. Hierarchie)
im Ätherweben
das Schicksalsnetz des Menschen.
Es verwesen in Exusiai, Dynamis, Kyriotetes (2. Hierarchie)
im Astralempfinden des Kosmos
die gerechten Folgen des Erdenlebens des Menschen.
Es auferstehen in Thronen, Cherubim, Seraphim (1. Hierarchie)
als deren Tatenwesen
die gerechten Ausgestaltungen des Erdenlebens des Menschen.1

In der Geheimwissenschaft2 ist von all den oben genannten Wesen die Rede, welche auch die verstorbenen Menschenseelen in Empfang nehmen und uns auf vielfältige Weise in der Rückschau auf das vergangene Leben und bei der Vorschau auf das kommende begleiten (vgl. Nachtodliches und vorgeburtliches Leben: Verbindung mit den Hierarchien auf Erden und im Nachtodlichen).

1. Wirken der Engeln, Erzengeln und Archai (3. Hierarchie)

Mit den Engeln, Erzengeln und Archai arbeiten wir unseren Lebensrückblick aus und bereiten mit ihnen beim Wiederherabstieg zum nächsten Erbenleben unsere neue Biografie vor. Diese Zusammenarbeit mit den höheren Hierarchien verläuft für die meisten Menschen noch unbewusst. Um in dieser Sphäre auch nach dem Tod bewusst und wach bleiben zu können, sind bestimmte Vorbereitungen nötig, über die Rudolf Steiner auch spricht: Sehr tröstlich ist, dass alle Menschen, die sich auf der Erde in irgendeiner Form ernsthaft mit Spiritualität beschäftigen, dort wach bleiben können. Denn die sogenannten Seelengeister, die Engel (geistige Führung des einzelnen Menschen), die Erzengel (Volks-, Gruppen- und Familiengeister) und die Archai (Zeitgeister) sind mit unserem Denken, Fühlen und Wollen verbunden (vgl. Engel: Engel und das Wirken von Gedanken Worten und Taten):

  • die Engel mit unserem Denken,
  • die Erzengel mit unserem Fühlen
  • und die Archai mit unserem Wollen bzw. unseren Handlungen.

Alle Gedanken, Gefühle und Handlungsimpulse, mit denen wir uns tief verbunden und identifiziert haben, nehmen wir in das nachtodliche Leben mit. So kann die dritte Hierarchie aus dem Ertrag eines Erdenlebens heraus mit uns gemeinsam die Konzeption des nächsten Erdenlebens vorbereiten (vgl. Nachtodliches und vorgeburtliches Leben: Zwischen Tod und neuer Geburt).

2. Wirken der Exusiai, Dynamis und Kyriotetes (2. Hierarchie)

Die zweite Hierarchie ist eng mit unserem rhythmischen System verbunden. In der Geheimwissenschaft heißt es zudem, dass wir unseren Ätherleib, unseren Astralleib und unsere Ich-Organisation der zweiten Hierarchie verdanken:

  • die Ich-Organisation den Geistern der Form, den Exusiai,
  • den Astralleib den Geistern der Bewegung, den Dynamis,
  • den Ätherleib den Geistern der Weisheit, den Kyriotetes.

3. Wirken der Throne, Cherubim und Seraphim (1. Hierarchie)

Die erste Hierarchie schließlich hängt mit unserem Stoffwechsel-Gliedmaßen-System zusammen. Den physischen Leib verdanken wir den Thronen, der untersten Instanz der ersten Hierarchie.

Cherubim und Gewissensstimme

Die Frage, was wir den Cherubim und den Serafim verdanken, hat Rudolf Steiner im Zusammenhang der ersten Klasse der Hochschule beantwortet und dort das wunderbare Geheimnis enthüllt, dass ein Mensch den Cherubim seine Gewissensstimme verdankt (vgl. Konfliktfähigkeit: Die Gewissensstimme).

Wenn wir unser Gewissen befragen, sagt es uns immer ganz genau, wie und was wir aus unseren Fehlern lernen können – vorausgesetzt, wir wollen es wirklich wissen. Dann erfahren wir, wie wir etwas, das wir gerne besser machen würden, oder lieber anders getan hätten, in Zukunft anders machen können. Denn die Cherubim sind die Geister der Harmonie, die immer bemüht sind Schicksal auszugleichen und zu harmonisieren. Ein Mensch, der sein Schicksal harmonisieren will und immer besser lernen möchte, mit sich selbst und der Welt in Einklang zu leben, kann eine Kultur des Gewissens pflegen oder, wie Rudolf Steiner sagt, „Wort-Gewissenhaftigkeit“ entwickeln: Das bedeutet, dass man sich für jedes Wort, das man denkt und sagt, verantwortlich zu fühlen beginnt. Denn alles, was man tut, hat eine Wirkung. Und wie in der Medizin auch gibt es erwünschte und unerwünschte Wirkungen. Manchmal sind es schlicht unerwünschte Wirkungen. Das in rechter Weise bemerken zu können, sprich: gewissensfähig zu sein, ist wie ein Geschenk des Himmels, ist eine unmittelbare Botschaft aus dem Reich der Cherubim.

Seraphim und Schicksal als „Mantel aus Liebe“

Von den Seraphim sagt Rudolf Steiner, sie schenken etwas, was man heute neu begreifen lernen muss, um überhaupt mit dem Leben zurechtzukommen: dass jedes Schicksal letztlich ein Weg ist, mit den Geistern der Liebe, mit den Seraphim, in Beziehung zu kommen. Er sagte einmal zu jungen Leuten, dass sie mit den Seraphim in Beziehung kommen können, wenn sie üben, ihr Schicksal so zu betrachten, als wäre es ein Mantel, gewoben aus Liebe.

In dem Zyklus „Die Offenbarungen des Karma“3, führt Rudolf Steiner das in Einzelheiten aus. Wen interessiert, inwiefern Wiederverkörperung und Schicksal die Ur-Grundlegung der Medizin bilden, findet hier reiche Anregung. In diesem Zyklus wird aber auch in einer Weise an die Ursachen von Krankheit und Gesundheit gerührt, wie man das nur selten in solch dichter Form von Rudolf Steiner beschrieben findet (vgl. Krankheit: Der esoterische Krankheitsbegriff). Er sagt dort, jede noch so kleine Seelenregung, von der einfachsten Beziehungsgestaltung bis hin zu tiefsten, innigsten Menschenverhältnissen, aber auch bis hin zu abgrundtiefem Hass, jede Seelenregung, sei ein Keim, der sich weiter ausgestaltet und ein Verhältnis bildet, von dem man rückblickend einmal erkennen könne: Die Saat der Liebe ist aufgegangen.

Das erklingt auch in den Mysteriendramen Rudolf Steiners, wo der Jude Simon in seiner mittelalterlichen Inkarnation unendlich viel Hass und Rassendiskriminierung ausgesetzt ist und sich schwer verletzt in die Burg der Ritter flüchtet, die ihm Schutz und Hilfe gewähren. Dort empfängt er die Botschaft der eingeweihten Ritter: „Ich kann in allem Hass, der dich verfolgt, die Saaten künftiger Liebe nur erkennen.“4 Das ist natürlich nicht einfach zu verstehen. Es verstehen zu lernen ist aber nötig, wenn man mit dem Übermaß an Hass und Grausamkeit heute zurechtkommen will. Diese Auswüchse lassen sich nur in einer menschlichen Weise verarbeiten, wenn man ein Konzept von Entwicklung hat, das die große Perspektive aufzeigt und das alles, was sich im Schicksals gestaltet, von den Seraphim, den Geistern der Liebe, beschützt und getragen weiß (vgl. Menschheitsentwicklung: Der göttliche Weltenplan). Sie können nicht verhindern, dass sich auf der Erde erst einmal Hass und Antipathie entfalten, aber sie können sich mit all denen verbinden, die aus diesen Ausgeburten des Hasses lernen wollen, die richtigen Konsequenzen zu ziehen und die dadurch dem Geschick der Menschheit eine konstruktive Wendung geben (vgl. Apokalypse: Die Apokalypse als Entfaltungsgeschichte).

Vgl. Vortrag „Vom Zusammenwirken der Erzengel Michael und Raphael“ an der JK 2016

  1. Rudolf Steiner, Gebet an die Engelshierarchien. Aus: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, GA 237, 4. Juli 1924.
  2. Rudolf Steiner, Geheimwissenschaft im Umriss, GA 13.
  3. Rudolf Steiner, Die Offenbarungen des Karma. GA 120, Dornach 1992.
  4. Rudolf Steiner, Vier Mysteriendramen. 1910-13, GA 14.