Impulse der Sternenwege auf die Pflanzen

Inwiefern hängen Pflanzenwelt und Kosmos zusammen?

Welche kosmischen Grundgesten des Wachstums gibt es?

Durch die Anthroposophie bekommen die Sternenwege eine ganz bestimmte Bedeutung. Dadurch wird aus diesem Wissen Weisheit. Die Venus gestaltet z.B. ihre fünf Umläufe oder Schleifen so, dass sie mit der Vollendung jedes Venusjahres einen Punkt des Pentagramms berührt. Das war für die Astronomen aller Zeiten ein Wunder. Sie fragten sich:

Wieso macht die Venus diese Form?

Wieso macht der Merkur das Hexagramm?

Und warum kreisen diese beiden Planeten als Abend- und Morgensterne immer so dicht um die Sonne wie Trabanten? (Oder wie Ministranten?)

Die anderen Planeten, Mars, Jupiter, Saturn, sind weit entfernt, bewegen sich im sogenannten außersolaren Raum. Das System Erde-Sonne mit Merkur und Venus ist ein kleiner, in sich geschlossener wunderschöner Raum. Mars, Jupiter und Saturn erinnern schon an Fixsterne, weil sie sich so weit draußen befinden.

Rudolf Steiner skizzierte ein Pflanzenbild, in das er auch die Planeten einzeichnete. Darin kann man drei verschiedene Ebenen oder Elemente erkennen:

  • Zum einen haben wir die Wurzeln, die sich absondern und abschließen, die wie vom Kosmos aus in die Erde hineinwachsen, indem sie mithilfe der Mondenkräfte in der Wurzel die Geste des Mondes nachmachen.
  • Ein weiteres Element ist die Erdoberfläche.
  • Dann haben wir die Sonne, an der sich jede Spross-Bildung nach oben hin orientiert. Nun befinden sich aber Merkur und Venus sehr nahe bei der Sonne. Der Merkur geht, wie vorhin dargestellt, sehr rasch um die Sonne und wird für ein paar Tage mal rechts und mal links sichtbar.

Die Wuchsdynamik einer Pflanze ergibt sich aus ihrem Bestreben, das makrokosmische Bewegungssystem der Planeten in ihrem kleinen mikrokosmischen Organismus zu imitieren.

• Auswirkung des Merkurimpulses auf Pflanzen

Es liegt nahe, dass der Merkurimpuls sich auf das dem Stängel nahe Blatt auswirkt. Den Beweis oder die Evidenz für diese Korrespondenz kann man am schönsten an den Tulpen und Narzissen ablesen. Die Tulpen haben ja keine echten Blüten: Bei den Tulpen färben sich die Kelchblätter und werden zur Blüte, allerdings zu einer unreifen Blüte. Diese elementaren, unreifen Blütenformen sind dem Blatt noch ganz nahe verwandt. In ihnen finden wir den Aufbau des Hexagramms exakt wieder: 2 x 3 Blütenblätter - drei innere und drei äußere. Der Merkurimpuls ist also ein Blatt- und Blütenimpuls an der Grenze zwischen Blatt und Blüte.

Bei der Iris ist es so, dass drei Blütenblätter sich nach unten neigen und drei nach oben. Das sind die exaktesten Merkur-Blüten. Der Botaniker Wolfgang Schad hat herausgefunden, dass in Israel, im Heiligen Land, die größte Artenvielfalt der Iris zu finden ist. Es gibt einen berühmten Satz aus der mittelalterlichen Alchemie: „Christus verus mercurius est.“ Christus ist der wahre Merkur. Es hat mich sehr berührt, dass die Merkurblume Iris gerade in Seinem Land die größte Artenvielfalt aufweist.

• Auswirkung des Venusimpulses auf Pflanzen

Der Impuls der Venus dagegen wirkt sich im nicht mehr so zentral gelegenen Blattbereich aus. Die Venus selbst bewegt sich nicht so nah an der Sonne (deren Impulse sich primär auf den Stamm oder Stängel auswirken), deswegen hat sie mit dem Archetyp der reifen Blüte zu tun, mit der Fünf.

• Auswirkung des Marsimpulses auf Pflanzen

Es gibt ein Blütenorgan, das nicht in der Blüte bleibt, sondern wegfliegt – der Pollen. Das schafft er mithilfe von Wind und Insekten. Das entspricht der Geste des Mars: ganz hinauszugehen (aus dem innersolaren Raum), ganz woandershin. Der Mars braucht zwei Jahre, um die Erde zu umkreisen. Er macht nur alle zwei Jahre eine Schleife, immer dann, wenn er der Erde am nächsten ist. Im Jahr darauf bewegt er sich weit in den außersolaren Raum hinein, nähert sich dem Jupiter, weit weg von Sonne und Erde. Wenn er sich der Erde wieder nähert, kommt er ihr so nahe, dass er in den Raum zwischen Venus und Merkur eintritt, dort „mitmischt“ und seine Schleife macht, um im nächsten Jahr wieder weit hinaus zu gehen aus diesem System.

Die Geste des Verstäubens, des Weit-Hinausgehens, wird von den so genannten zweijährigen Pflanzen nachgemacht. Sie bilden im ersten Jahr eine Rosette aus Blättern ganz nahe bei der Erde, bilden auch eine starke Wurzel. Erst im zweiten Jahr wachsen sie 2-3 m hoch und bilden einen Spross und Blüten wie ein kleiner Baum. So ahmen sie den Mars-Rhythmus nach.

• Auswirkung des Jupiterimpulses auf Pflanzen

Jupiter braucht 12 Jahre, um einmal durch den ganzen Tierkreis und damit einmal um die Erde herum zu wandern. Deswegen kann er die Reifeprozesse eines ganzen Jahres begleiten und zusammenfassen und kann das Sonnenlicht und das, was die Pflanzen in einem ganzen Jahr erleben, von einem Punkt aus wiederspiegeln.

Wir dürfen eines nicht vergessen: Die Planeten selbst können nicht leuchten. Bei dem Licht, das sie auf die Erde aussenden, handelt es sich um reflektiertes Sonnenlicht. Aber alle werfen das Licht anders zurück. In Bezug auf Jupiter handelt es sich um die Qualität des Zusammenfassens und der Übersicht, aber auch des Reifen-Lassens, des Geduld-Habens. Deswegen wurde Jupiter immer auch Weisheit und Geduld, die für alle Reifungsprozesse nötig sind, zugesprochen.

Wenn man ein konkretes Pflanzen-Beispiel dafür sucht, hilft es sich zu fragen:

Welche Reifungsprozesse einer Pflanze sind mit einem Jahr abgeschlossen?

Welche Bäume wechseln ihre Blätter jedes Jahr?

Allen Reifungsprozessen, die ein Jahr dauern, liegt der Jupiterprozess zugrunde: Die Reifung der Früchte hängt demnach mit Jupiter zusammen. Bei Bäumen, die ihre Blätter behalten, ist der Jupitereinfluss nicht so stark, da überwiegt der Saturnprozess.

• Auswirkung des Saturnimpulses auf Pflanzen

Der Saturn braucht ca. 30 Jahre, um die Erde zu umrunden. Das ist eine ganze Generation. Er steht für die Qualität der Dauer.

Was an den Pflanzen, auch an den Bäumen, hat Dauer?

In welchem Stadium bleibt ihre Form erhalten, bleibt stabil – die Pflanze stirbt nicht, wächst auch nicht, überdauert einfach?

Das Dauerhafteste an einer Pflanze sind die Samen. Pflanzen ahmen mit der Samenbildung den Saturnprozess nach. Manche Samen können, wenn sie nicht mit Wasser in Berührung kommen, Jahrhunderte halten.

Diese Ausführungen zeigen: Die Qualitäten, die man den Planeten zugesprochen hat, kann man alle auch anhand der Phänomene in der Natur wahrnehmen. Wir stehen vor der Aufgabe, sie an den Pflanzen zu entdecken.

Vgl. Ausführungen vom IPMT in Santiago di Chile 2010