Lebensvorgänge und kosmische Rhythmen

Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Lebensvorgängen und dem Kosmos?

Und wie hängen Leben und Denken zusammen?

Um die Lebensvorgänge verstehen zu können, muss man einen Gesichtspunkt einnehmen, der über das einzelne Menschenleben weit hinausreicht und alle Interaktionen als Teil dieses Lebens begreift. In der anthroposophischen Menschenkunde sprechen wir vom System der Lebenskräfte, der Selbstregulation, der Vitalität, vom ätherischen Organismus, der uns lebensfähig macht (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Begabungen des Ätherleibes). Dieser Lebenskräfteorganismus ist ein sich selbst regulierendes, in sich rückgekoppeltes, ständig in Bewegung befindliches, um Gleichgewicht ringendes, zirkulierendes wunderbares System.

Rudolf Steiner hat dieses Leben genau erforscht. Als der Chemiker, Rudolf Hauschka, der Begründer der Wala, ihn fragte, was denn Leben sei, antwortete er, Hauschka möge die Rhythmen studieren, denn Rhythmus trägt Leben.

Leben braucht einen Umraum

In der heutigen Biologie weiß man bereits, dass man alle Lebensvorgänge auf bestimmte Rhythmen zurückführen kann. Alles oszilliert und folgt bestimmten Rhythmen. Eine innere Uhr reguliert nicht nur den individuellen Organismus, sondern synchronisiert auch die individuellen Lebewesen untereinander, auch Dank Sonne, Mond und Sternen. Alle Lebensvorgänge sind abgestimmt auf den planetarischen und solaren Umraum, verlaufen synchron damit (vgl. Lebensrhythmen: Das platonische Weltenjahr). Diese wunderbaren Biorhythmen zeigen, dass das Leben einen Umkreis braucht, dass Leben überhaupt nicht möglich wäre ohne einen Umraum, der aufgrund von geordneten Rhythmen, aber auch durch den ständigen Austausch rhythmischer Art in Ernährung und Atmung in Bewegung gehalten wird. Er verbindet das individuelle Menschenleben mit dem Leben aller Menschen auf unserem Planeten, hält aber auch die Beziehung mit dem Leben unseres ganzen Kosmos aufrecht (vgl. Natur und Kosmos: Grundlegendes zu den formgebenden Kräften).

Nicht nur das biologische Leben jedes einzelnen Menschen ist so weit gespannt. Denken Sie daran, wie gerne wir uns in die Sonne legen. Als Folge entwickelt sich mithilfe eines komplizierten Stoffwechsels zwischen Leber, Niere, Haut und Knochen das Vitamin D und stabilisiert unsere Knochen. Die Sonne, die das alles veranlasst, ist 150 Millionen Kilometer entfernt. Und von ihr ist unser Knochenbau abhängig. So wie auch der grüne Pflanzenfarbstoff, das Chlorophyll, und all unsere Nahrung. Die Weitung des Bewusstseins bis in diese Dimensionen ist ganz entscheidend, wenn man überhaupt anfangen will, die Lebensdimension zu begreifen.

Stimmendes in Körperleben und Gedankenleben

Es gibt aber auch noch einen anderen Aspekt, den Rudolf Steiner erforschte und der wie ein Schlüssel ist für ein spirituelles Begreifen der menschlichen Natur in Gesundheit und Krankheit: Rudolf Steiner stellte fest, dass dieselben komplexen Wirkmöglichkeiten, die das biologische Leben bestimmen, diese Kohärenz aller Rhythmen und aller Vorgänge, die miteinander vernetzt sind, sodass sie alle zusammenstimmen, dass dieselben unglaublich intelligent aufeinander bezogenen Verhaltensweisen, sich auch in unserem Denken wiederfinden lassen. Wir gehen z.B. zum Arzt, weil „irgendetwas nicht stimmt“ – das Gefühl krank zu sein, setzen wir gleich mit dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Diesen Begriff des „Stimmens“ benutzen wir meist nur im Bereich des Denkens:

Stimmt die Lösung meiner Rechnung?

Stimmt, was ich errechnet habe oder stimmt es nicht?

Stimmt, was du gesagt hast?

Ist es wirklich wahr?

Diesen Ausdruck des „Stimmens“ benutzen wir aber auch, um unseren Lebenszustand zu beschreiben. Diesen Zusammenhang zwischen Denken und Leben, den wir aus der Erfahrung gut kennen, hat Rudolf Steiner genau durchschaut. Er stellte fest, dass unserem Gedankenleben und unserem Körperleben dieselben ätherischen Kräfte zugrunde liegen (vgl. Doppelnatur des Ätherischen: Körperleben und Gedankenleben – das Ewige im Menschen). Sein spirituell-somatisches Paradigma lautet: Der Mensch denkt mit denselben Kräften, mit denen der Körper lebt, wächst, sich heilt, sich reguliert.

  • Unser Körperleben verläuft vollkommen unbewusst. Wir freuen uns unseres Lebens, aber wir wissen im Grunde nichts von diesen komplizierten Vorgängen – außer wenn wir krank werden und merken, dass irgendetwas nicht mehr stimmt.
  • Wenn wir das Leben als ein kosmisch-irdisches Geschehen auffassen, das denselben Rhythmen folgt und dieselben Energien braucht wie der Kosmos, können wir begreifen, dass auch in unserem Denken dieselbe Weisheit wirkt, die lebensspendend und –erhaltend in unserem Körper und im Kosmos waltet – aber auf bewusste Art und Weise.

Rudolf Steiner forderte uns Ärzte nun auf, alle Lebensvorgänge und die ganze Entwicklung unter diesem Aspekt anzuschauen.

Vgl. Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“ gehalten in Filderstadt am 19.2.2010