Bedeutung der Jahresfeste

Jedem Jahresfest1 liegen bestimmte Ideale zugrunde, denen man durch das Feiern sichtbaren Ausdruck verleihen kann. Da Kinder zunächst ganz und gar darauf angewiesen sind, das Geistige in sinnlich-sichtbarer Form zu erleben, und sie sich selbst ja auch leiblich-religiös – also sinnlich-sichtbar-religiös – verhalten, ist es wichtig, auf das Äußere großen Wert zu legen (vgl. Religion: Das leiblich-religiöse Verhalten des Kindes):

  • Ein ganz besonders sauber, schön und festlich gedeckter Tisch,

  • eine Ecke im Zimmer, die jahreszeitlich geschmückt wird,

  • oder als Familie gemeinsam bestimmte Naturerfahrungen zu machen – all das gehört zur Gestaltung der Jahresfeste.

Wer den Aufbau des christlichen Kultus kennt – Verkündigung (Evangelienlesung) – Opferung – Wandlung – Kommunion –, kann unschwer erkennen, dass diese Qualitäten jeweils einem der christlichen Jahresfeste seine Bedeutung gibt:

  1. Zur Adventszeit gehört die Verkündigung der Ankunft der Christuswesenheit auf der Erde, und Weihnachten bringt die frohe Botschaft seiner Geburt.
  2. An Ostern vollzieht sich das Mysterium der Hingabe und der Opferung des Christus für die Menschheit.

  3. Johanni ist das Fest der Gewissenserforschung, der Läuterung und Reinigung, woran der beliebte Brauch des Sonnwendfeuers erinnert: Durch das Verbrennen des Niedrigen kann das Höhere im lodernden Feuer als etwas in Wärme und Licht Verwandeltes sichtbar werden.

  4. Das Michaelsfest hingegen ist nicht nur ein Erntedankfest oder ein Fest des Mutes, weil hier der Drachenbesieger gefeiert wird, sondern es ist das hohe Fest der Gotteserkenntnis. Michaels Blick schaut nicht den Drachen an, den er unter seine Füße zwingt, sondern die Christuswesenheit, der er dient. Sein Name bedeutet aus dem Hebräischen übersetzt: Wer ist wie Gott? (mi-ha-el, wobei mi das Fragewort ist und el die Abkürzung für Elohim/Gott). Diese Frage richtet sich an den Menschen. Schon im Alten Testament wird dieser Erzengel in besonderer Weise verehrt. Auch in der Apokalypse des Johannes tritt er an zentraler Stelle in Erscheinung. Michael will der Führer sein zur wahren Gotteserkenntnis und damit zur geistigen Kommunion.

Vgl. „Welchen Auftrag hat die Religion in Erziehung und Heilkunst?“ aus „Die Heilkraft der Religion“, Stuttgart 1997**

  1. Brigitte Barz, Das Feiern der Jahresfeste mit Kindern, 6. Aufl. Stuttgart 1996.