Konsequenzen von Handlungen und Lebensgewohnheiten für den weiteren Verlauf des Schicksals

An dieser Stelle seien in einer Art tabellarischen Übersicht einige der wesentlichen Forschungsergebnisse Rudolf Steiners zu Schicksalsfragen wiedergegeben, die sich im praktischen Umgang mit Lebensfragen und Krisen (vgl. Krise als Chance: Umgang mit Lebenskrisen ) als wegweisend erwiesen haben. Rudolf Steiner hat empfohlen, man möge doch seine Forschungsergebnisse an den Erfahrungen des täglichen Lebens überprüfen. Wer dies tut, erlebt das Aufweckende und Erhellende, das von diesen Forschungsergebnissen ausgeht. Auch als reine Arbeitshypothesen genommen, ermöglichen sie neue Fragen und Einsichten und können dazu beitragen, neues Schicksalsvertrauen zu erlangen.

Die von Rudolf Steiner erforschten Gesetzmäßigkeiten des Schicksals (Karma) – wie sie hier zusammengestellt sind – wurden bewusst nicht in eine bestimmte Ordnung gebracht. Jeder Schicksalszusammenhang möge für sich genommen und bedacht werden. Dabei wird sicher vieles erst einmal Frage sein oder Erstaunen hervorrufen. Anderes wird – je nach den bisherigen Lebenserfahrungen des Lesers – auch unmittelbar einleuchtend erscheinen oder ihn als Frage weiterbegleiten. Wer sich selbst aktiv mit den Grundlagen der Karmaforschung Rudolf Steiners auseinandersetzen möchte, dem sei zum Einstieg das Kapitel „Reinkarnation und Karma“ aus der Theosophie sowie der Vortragsband „Offenbarungen des Karma“ empfohlen. 1

Schicksalsereignis Folgen für die gegenwärtige Biographie oder für ein späteres Erdenleben
Eintreten eines gewaltsamen Todes Dadurch erfährt das Ich-Bewusstsein im Leben nach dem Tod eine bedeutende Stärkung, und das nachtodliche Leben kann viel bewusster erlebt werden, als dies ohne den Schmerz des gewaltsamen Todes möglich gewesen wäre.
Früher Tod Überschuss an Kraft und Lebensmotivation im nächsten Leben.
Tod im hohen Alter Man übergibt der Erde einen physischen Leib, der sehr viel Arbeit des Ich aufgenommen hat. Die so verwandelte Substanz des Leibes hat für den Erdorganismus dieselbe Wirkung wie Hefe im Brotteig.
Neid, auch maskierter Neid, der sich im Hang zu kritisieren zeigt Im späteren Leben seelische Schwäche, Unselbstständigkeit und die Neigung, sich immer häufiger Rat bei anderen zu suchen; konstitutionelle Schwäche im nächsten Leben.
Neigung zur Lügenhaftigkeit bewirkt im späteren Leben, dass man anderen Menschen nicht mehr unmittelbar in die Augen schauen kann. Man hat es schwer, zu seiner Umgebung in ein gutes Verhältnis zu kommen. Man leidet darunter, nicht verstanden zu werden. (Beobachtet man an Kindern dieses Phänomen, ist es sehr wichtig, zu ihnen ganz besonders wahrhaftig zu sein und sich um ein ganz unmittelbares, offenes Verhältnis zu bemühen. Dadurch kann dieses mitgebrachte Hemmnis unter Umständen schon in der Kindheit verwandelt werden und muss nicht mit ins weitere Leben genommen werden.) Disposition, dass die Organfunktionen nicht gut aufeinander abgestimmt sind.
Wohlwollen Im nächsten Leben Geschicklichkeit. Man fühlt sich gesund, strahlt Seelenwärme aus, es gelingt alles leichter und besser.
Zufriedenheit Wunden heilen gut. Der Betreffende hat es leicht, das Gleichmaß des Lebens zu finden. Er übt eine harmonisierende Wirkung auf seine Umgebung aus.
Wer im Vorschulalter aus freiem Antrieb heraus sinnvolle Tätigkeiten nachahmen durfte und nicht unter dem Zwang von Verhaltensmaßregeln stehen musste, kann sich bis ins späte Alter leichter gesund und frisch halten und wird immer wieder die innere Kraft haben, etwas Neues zu beginnen.
Wird man im Vorschulalter daran gehindert, seinen inneren Bedürfnissen im Tun und Nachahmen zu folgen, so läuft die Seele im Laufe des Lebens Gefahr zu verarmen – altersbedingte körperliche Gebrechen treten eher in den Vordergrund.
Wer im Schulalter vor der Pubertät zu Persönlichkeiten als zu geliebten Autoritäten aufschauen durfte, wer Andacht vor den Wundern der Natur empfunden hat, wer beten lernen durfte in ehrfürchtiger Stimmung, strahlt im späteren Leben eine selbstverständliche Autorität aus und kann durch seine bloße Anwesenheit hilfreich, ja segnend, in der Gemeinschaft wirken. Er ist dazu veranlagt, ein persönliches Verhältnis zur Wahrheit zu bekommen.
Schicksalsschläge in der ersten Lebenshälfte bewirken oft in der zweiten Lebenshälfte, dass man viel tüchtiger, regsamer und bewusster im Leben steht, als es ohne den Schicksalsschlag der Fall gewesen wäre.
Handeln aus Liebe bewirkt, dass im nächsten Leben viel Freude und Wärme auf einen zukommen. Es gibt dem Leben Schwingen. Im übernächsten Leben hat es zur Folge dass man Mensch und Welt leichter verstehen kann. Man hat einen freien und offenen Sinn für die Welt.
Gelingt es, die im Astralleib aus früheren Leben mitgebrachten karmischen Sympathien und Antipathien zu trennen von dem, was wir in diesem Leben von Mensch zu Mensch wahrnehmen und unmittelbar erleben, dann wird es leicht, sich mit den Menschen um uns in ein positives Verhältnis zu setzen. Denn oft trüben nur die aus vergangenen Leben mitgebrachten Sympathien und Antipathien als Vorurteile unseren Blick für die Vorzüge und Fähigkeiten der anderen.
Handeln nur aus Pflicht bewirkt im folgenden Leben eine gewisse Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber. Man leidet auch an der Gleichgültigkeit anderer Menschen. Im übernächsten Leben – wenn an dieser Gleichgültigkeit nicht gearbeitet wurde – ist die Folge Orientierungslosigkeit und der quälende Zustand, nichts Rechtes mit sich anfangen zu können.
Handeln aus Hass oder aus Kritik, die dem Hass entspringt – auch wenn dies oft nicht bemerkt wird, da man die Kritik für berechtigt hält 2 –, führt im nächsten Leben zu der Schwierigkeit, am Leben lernen zu können, und zu von außen verursachter Unlust. Man erlebt sich als leidend und neigt dazu, von allem schmerzlich berührt zu werden und das Positive an den Dingen und Vorgängen nicht zu bemerken. Im übernächsten Leben Neigung zu geistiger Stumpfheit gegenüber der Welt, zu törichtem Wesen.
Interesse für die Sinneswelt veranlagt für das folgende Leben ein reiches Seelenleben, für das übernächste Leben einen gesunden Körperbau.
Im Erleben von Krankheit und damit verbundenem Schmerz entsteht der Antrieb, das in früheren Leben Versäumte nachzuholen, auch wenn dies in diesem Leben nicht mehr möglich ist. Man nimmt es als starken Impuls mit in das nächste Leben. Dort erscheint es dann als Fähigkeit, das Versäumte nachzuholen, das heißt unter Umständen als Begabung, dies zu lernen.
Freude an der Malerei Sympathischer Gesichtsausdruck.
Kein Interesse an den Himmelsvorgängen, insbesondere an den Sternen Bindegewebsschwäche, schlaffer Körperbau.
Kein Interesse für Musik Asthma, Neigung zu Lungenkrankheiten.
Von Egoismus geprägte Freundschaft Zerbrechen der Freundschaft, oft schon in diesem Leben.
Früher Verlust einer Freundschaft Wille zur Vertiefung dieser Beziehung für das nächste Leben.
Die Art, wie wir in einem Leben denken, fühlen und wollen bestimmt im folgenden Leben unser äußeres Schicksal, das, was an Gedanken, Beziehungsgefügen und Handlungen auf uns zukommt.
JugendfreundschaftenIm nächsten Leben Begegnung im späteren Lebensalter, unter Umständen tiefe Freundschaft in der zweiten Lebenshälfte oder im Alter.
Fähigkeiten, Talente, Behinderungen und Begabungen des einen Erdenlebens tragen wir im nächsten Leben in unsere physisch-ätherische Organisation herein, und sie bewirken da unser inneres Schicksal bzw. unsere Krankheits- und Gesundheitsdispositionen.
Positive Lebenserfahrungen fördern unsere Arbeit an der Welt und für sie.
Schlimme Erlebnisse und Erfahrungen in diesem Leben fördern die Arbeit an uns selbst, werfen uns gleichsam auf uns selbst zurück, konfrontieren uns mit uns selbst.
Wahre Gedanken über einen Menschen stärken dessen Lebenskräfte, fördern und beleben ihn.
Mangel an Liebe schädigt den Astralleib des anderen.
Wer die Gesetzmäßigkeiten des Schicksals in sein Denken und Fühlen aufnimmt und sich bemüht, danach zu leben, gewinnt Kraft und Sicherheit für das jetzige Leben.
Wer seine Vergangenheit zu tragen bereit ist, hat die Hände frei für die Zukunft. Er verliert keine Zeit und Kraft mehr damit, über Sinn und Unsinn des Vergangenen zu grübeln.
Interesse und Verständnis für andere Menschen Neigung zu gesundem Seelenleben im nächsten Leben.
Interesse für die Schöpfung, die Kunst, die Vorgänge der Welt Neigung zu gesundem Körperbau im nächsten Leben.
Egoistischer Erwerbssinn Disposition zu Infektionskrankheiten im nächsten Leben.
Wer viel allein und für sich hat sein müssen und gezwungen war, sich im kleinsten Kreis zu bewegen und wenig Interesse für andere zu entwickeln, veranlagt die Tendenz, im nächsten Leben ein Melancholiker zu werden.
Wer viel erlebt hat, weit herumgekommen ist, sich mit Menschen verbinden konnte, mit dem auch hart umgegangen wurde und der dies ertragen hat, bekommt die Disposition zum cholerischen Temperament.
Ein angenehmes leichtes Leben, in dem viel gesehen und angeschaut wurde, disponiert zum phlegmatischen bzw. sanguinischen Temperament.
Lebenserfahrungen führen in diesem, aber oft auch erst im nächsten Leben, zu wirklichem Wissen.
Gewohnheitsmäßiges egoistisches Handeln disponiert im nächsten Leben zu frühem Altern.
Liebevolles mitfühlendes Handeln lässt im nächsten Leben lange jung und frisch bleiben.
Durchleiden körperlicher Krankheiten führt zu physischer Schönheit im nächsten Leben.
Durchmachen von Infektionskrankheiten Leben in überwiegend schöner Umgebung im nächsten Erdenleben.

Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 9. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004**

  1. Zum menschlichen Schicksal, wie es sich durch wiederholte Erdenleben hindurch entwickelt, siehe folgende Werke und Vorträge Rudolf Steiners:
    • Theosophie. GA 9, Dornach 1987.
    • Die Offenbarungen des Karma. GA 120, Dornach 1992.
    • Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge. 6 Bände. GA 235 - 240, Dornach, Bd. I, 1994; Bd. II, 1988; Bd. III, -1991; Bd. IV, 199I, Bd. V, 1985; Bd. VI, 1992.
    • Vortrag am 24. Oktober 1916, in: Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten. GA 168, Dornach 1995.
    • Vortrag am 11. Dezember 1910, in: Wege und Ziele des geistigen Menschen. Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft. GA 125, Dornach 1992.
  2. Rudolf Steiner bemerkte zu diesen Zusammenhängen, man möge einmal darauf achten, wie viel mehr im Leben gehasst als geliebt wird, wie viel leichter man sich über Negatives als über Positives unterhält.