Notwendigkeit von Selbsterkenntnis

Wie hängen Freiheit und Selbsterkenntnis zusammen?

Es gibt zwei Kernkompetenzen zur Bewältigung von Schwellenerfahrungen: „Selbsterkenntnis“ und „Mitverantwortung für alles, was geschieht“ (vgl. Mysterien und Initiation: Christliche Mysterien – Kultur der Verantwortung und Mitgestaltung). Wenn man nicht bereit ist, den strikten Willens zur Selbsterkenntnis und zur Selbstverantwortung aufzubringen, trägt man aktiv zur weiteren Traumatisierung der Gesellschaft bei. Diese Andeutung möge genügen, dass wir uns selbst folgende Fragen stellen:

Wie steht es um meinen Willen zur Selbsterkenntnis?

Wie steht es um meinen energischen Willen zur Mitverantwortung?

Wie steht es um mein Schwellenbewusstsein?

Wie steht es um meine Entwicklung vom verletzten Menschsein zum heilenden, mich und andere verwandelnden Kulturstrom?

Allen zur Verfügung stehendes Wissen

Rudolf Steiner stellt uns Eingeweihten-Wissen zur Verfügung (vgl. Mysterien und Initiation: Christliche Mysterien – Kultur der Verantwortung und Mitgestaltung). Bevor das Internet erfunden wurde, schuf Rudolf Steiner bereits ein spirituelles Internet: allgemeines Wissen über die geistige Welt. Es steht uns zur Verfügung, ohne dass wir es zureichend verstehen (müssen). Dasselbe gilt für das gesamte heute übers Internet zugänglich gewordene esoterische Wissen – die Anthroposophie bildet da keine Ausnahme. Das zu begreifen ist wichtig. Denn zur Bewusstseinsseele gehört, dass der Mensch sich ein klares Bewusstsein erwirbt von dem, was er schon weiß. Jeder sollte sich fragen:

Wo liegt die Grenze meines persönlichen Verstehens?

Der oft gehörte Vorwurf an Anthroposophen, sie wären nicht authentisch, ist reine Projektion! So etwas kann man sich nur selbst vorwerfen. Hinter diesem Vorwurf steht der Ärger, dass die andern nicht dem eigenen Wunschbild entsprechen. Man hätte sonst von ihnen lernen können, was einem selbst fehlt. Also geht man auf sie los.

Wir müssen uns klarmachen, dass die Anthroposophie gar nicht automatisch authentisch machen darf: Sonst ließe sie uns nicht frei. Stellt euch vor, alles würde uns so dargebracht, dass wir es nur anzunehmen und nachzuahmen brauchen. Freiheit bedeutet vielmehr, dass alle Wissensfülle da ist wie in einem Selbstbedienungsladen – dass man sich aber selbst „bedienen“ muss (vgl. Bewusstseins(seelenzeitalter: Bewusstseinsseelenzeitalter - die neue Art zu denken).

Wenn alles gut geht, kommen wir irgendwann selbstgewollt auf unserem Weg zu Selbsterkenntnis und übernehmen Mitverantwortung.

Vgl. Vortrag „Trauma als Schwellenerfahrung“, Dornach 2011