Arzneimittel-Substanzgruppen und Wesensglieder

Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?

Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?

  • Physischer Leib und Natur

Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt(vgl. Wesensglieder: Grundlegendes zum Thema Wesensglieder).

  • Ätherleib und Natur

Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.

  • Astralleib und Natur

Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.

  • Rein menschliche Ich-Organisation

Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.

Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“ (vgl. Wesensglieder: Veranlagung und Struktur der Wesensglieder).1

Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder

  • Substanzen und Wesensglieder

Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:

  • Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.

  • Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,

  • pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib

  • und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.

  • Potenzierungsstufen und Wesensglieder

Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:

  • D1 – D4: Anregung des physischen Organismus und seines Kräftezusammenhangs
  • D5 – D8: Anregung des ätherischen Organismus und seines Kräftezusammenhangs
  • D10 – D15: Anregung des astralischen Organismus und seines Kräftezusammenhangs
  • D20 – D60: Anregung der Ich-Organisation und ihres Kräftezusammenhangs
  • Potenzierungsstufen und dreigliedriger Organismus

In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:

  • D1 – D6: Anregung des Stoffwechsel-Systems
  • D6 – D18: Anregung des rhythmischen Systems
  • D18 – D30: Anregung des Nerven-Sinnessystems

Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden (vgl. Anthroposophische Medizin: Heilende Verbindung von Mensch und Natur).2 In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.3

Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015

  1. Rudolf Steiner, Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, 2003 und ders. Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft. In: Lucifer-Gnosis. GA 34. Dornach 1987, 309-344
  2. International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ¬Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.
  3. M. Glöckler, B. Emde, Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation, Stuttgart 2009 und ders.: Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation, Stuttgart 2012.