Entwicklung und Lernen

Orientiert sich die Pädagogik an den altersentsprechenden Entwicklungsschritten (vgl. Erziehung: Stadien der menschlichen Entwicklung) und stimmt die Lerninhalte darauf ab,

  • so wird man in der Kindergartenzeit das Denken nicht mit Urteilen und Argumenten belasten, sondern vielmehr die Kinder nachahmend im gemeinsamen Alltag mitleben lassen und ihm die Möglichkeit geben, körperliche Geschicklichkeit zu erwerben und seine Sinne gut auszubilden.

  • In der Grundschulzeit hingegen wird man alles daran setzen, das ästhetische Urteilsvermögen, insbesondere durch künstlerisch gestalteten Unterricht, zu pflegen.

  • Erst nach der Pubertät im Oberstufenunterricht wird das eigenständige kritische Denken gefördert.

Identität von Wachstums- und Gedankenkräften

Wer über längere Zeit mit dem Konzept der Identität von Wachstums- und Gedankenkräften (vgl. Doppelnatur des Ätherischen: Denktätigkeit und Lebenstätigkeit im Kontext von Krankheit und Gesundheit) arbeitet, für den werden eine Fülle von Tatsachen verständlich, die für das menschliche Leben Bedeutung haben. Es wird verständlich, warum beispielsweise in der Pubertät, wo noch einmal ein deutlicher Wachstumsschub erfolgt, ein sogenannter „Leistungsknick“ zu verzeichnen ist: Wenn der Körper überwiegend mit Wachstum beschäftigt ist, kann er zur selben Zeit nicht geistige Hochleistungen vollbringen.

Das gilt auch für Zeiten von Krankheit, insbesondere, wenn sie mit Fieber verbunden ist. Hier sollte alles getan werden, um den Wachstums- und Regenerationskräften die volle Ruhe für ihre Arbeit am Leib des Kindes zu geben. Es wird auch verständlich, warum in der zweiten Lebenshälfte, wenn ein Mensch gesund alt wird, das geistige Wachstum weitergehen kann, obgleich der Körper in seine natürliche Involutionsphase, das heißt in den Altersabbau aller Organe, eintritt: Die nachlassende Regenerationskraft des Körpers führt zu einer Stärkung der Gedankenkraft, vorausgesetzt, dass der Mensch gelernt hat, diese aus dem Leib freiwerdenden Gedankenkräfte schöpferisch zu verwenden (vgl. Entwicklung: Alterungsprozess in Bezug zur Entwicklung in Kindheit und Jugend). Das ist allerdings eine Frage der Erziehung.

Wer von Jugend auf gewöhnt ist, in altersgerechter Beanspruchung seiner geistigen Möglichkeiten tätig zu sein, für den wird sich die geistige Entwicklung wie selbstverständlich fortsetzen durch das ganze Leben hindurch. Bleiben jedoch diese Wachstumskräfte im halbbewussten Bereich zwischen Leib und bewusstem Gedankenleben gleichsam stecken, weil sie nicht in das bewusste Gedankenleben integriert werden, so können auch sie eines Tages zu Krankheitstendenzen, insbesondere zu krankhaften Wachstumswucherungen führen.

Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart