Seelische Gesundheit erringen

Wie kann man sich als Biografiearbeiter, Psychologe, Psychotherapeut und Arzt in das Gebiet des Seelischen einarbeiten?

Welche Gesichtspunkte aus der anthroposophischen Menschenkunde sind dabei hilfreich?

Menschen, die sich für Seelenkunde interessieren, empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte1 , aber auch des Studium von „Grundlegendes…“2 begleitet von der Lektüre der Karmavorträge. Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.

Ergebnisse aus der Karma-Forschung

Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortet Rudolf Steiner in „Die Offenbarungen des Karma“3 und in der „Akasha-Chronik“4 sinngemäß: Die Ursache für seelische Erkrankungen lägen in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben (vgl. Schicksal und Karma: Schicksalsereignisse und ihre Folgen im nächsten Erdenleben).

Dabei ist gar nicht gesagt, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun, sondern ist einfach ein Fakt: Ein Mensch, der kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – oder wenigstens für einen Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben die Orientierung, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird. Er ist nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der ein gesundes Seelenleben gebiert, wenn die Wesensgliederkräfte im darauffolgenden Erdenleben frei werden (vgl. Wesensglieder: Die Metamorphose der Wesensglieder in leibfreies Denken, Fühlen Und Wollen):

  • Denken ist metamorphosierte leibfrei gewordene Wachstumskraft.
  • Fühlen ist metamorphosierte leibfrei gewordene Astralität (Astralleib).
  • Wollen ist leibfrei gewordene im Seelischen zur Verfügung stehende Integrationskompetenz (Ich-Organisation).

Ursachen und Folgen von seelischer Einschränkung

Es hängt von der Qualität der Organe und der leiblichen Prozesse ab, ob sich das, was als seelische Kompetenz geboren wird, frei handhaben lässt oder ob es einen bestürmt, attackiert und bezwingt. Es kann sein, dass das, was als Ich-Kompetenz hereinleuchten und sich dem Erdeninstrument des Leibes mitteilen möchte, sich nicht richtig am Leib spiegeln und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die Leib-Seelenkonfiguration es nicht oder nur oder eingeschränkt zulässt. Denn die Qualität des Seelischen hängt von der Art bzw. der Qualität der Leibbildung ab (vgl. Gefühle und Fühlen: Anregung der Gefühle durch Sinnesschulung).

Möglicherweise leidet man unter der karmischen Folge, dass man über die Seelenkräfte nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen, dass man sich wie in sich selbst gefangen erlebt. Diesem großen Schmerz folgt im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man infolgedessen für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann. Das bedeutet: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit an den gesunden Seelenkräften des nächsten Lebens. Das ist also nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse am Menschen und am Sozialen ist zugleich die Vorbereitung für besonders gesunde und starke Seelen im nächsten Leben.

Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anth-roposophische Psychiatrie, Dornach 2012

  1. Rudolf Steiner, Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft, GA 34.
  2. Rudolf Steiner, Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst, GA 27.
  3. Rudolf Steiner, Die Offenbarungen des Karma, GA 120.
  4. Rudolf Steiner, Aus der Akasha-Chronik, GA 11.