Onkologisches Krankheitsbild und sein geistiges Gegenbild

Welche geistige Signatur bildet sich körperlich in der Entstehung onkologischer Krankheitsbilder ab?

Krebs ist eine Zeitkrankheit. Viele Menschen sind davon betroffen, ja sogar „gesegnet“ damit, weil sie durch die Krankheit auf unbewusstem Weg etwas für ihre späteren Leben lernen dürfen, was ihnen über das Bewusstsein nicht möglich war. Denn auch über diese Krankheit werden geistige Qualitäten erworben – allerdings auf unbewusstem Wege: Ich-Organisation, Astralleib und Ätherleib des Betroffenen bringen diese Krankheit hervor. Er selbst ist es also – allerdings unter der Führung des Herrn des Schicksals. Im nächsten Leben stehen ihm die dadurch errungenen Fähigkeiten als Disposition zur Verfügung: Jetzt ist es für ihn viel leichter, sich diese anzueignen.

Wie beginnt Krebs?

Irgendeine Zelle fängt an, etwas weniger spezialisiert zu sein, als sie war. Sie geht aus ihrer Differenziertheit in einem Organgebiet zurück in Richtung ihrer embryonalen Herkunft, wo sie kaum spezialisiert und dafür omnipotenter war. Normalerweise erkennt das Immunsystem solche Zellen und tötet sie ab. Wenn aber die Immunkompetenz nachlässt oder eine bestimmte Krankheitsdisposition für eine Krebsart sich bereits durchgesetzt hat, beginnt der Krebs lokal zu wachsen. Er durchbricht die Basalmembran und fängt an, infiltrierend zu gedeihen. Dann erfolgt die Metastasierung. Einzelne Zellen siedeln sich ab, beginnen im Organismus zu wandern. Parallel dazu verändert sich der Gesundheitszustand des betroffenen Menschen insgesamt. Krebs ist eine Allgemeinerkrankung. Der Appetit, das Lebensgefühl, das Schlaf/Wach-Verhalten und die Rhythmen von Herz und Atmung ändern sich. Die Temperaturkurve wird in der Regel flach, manchmal sogar starr, ohne Morgen/Abend-Differenz. Lässt man all dies auf sich wirken und fragt nach der Eigenart eines solchen Prozesses, so erlebt man ihn als „willkürlich“. Die Körperfunktionen laufen aus dem Ruder. Es bilden sich durch die Metastasierung irgendwo Ansätze zu neuen Organbildungen, völlig willkürlich. Ordnung, Kontrolle, Integrationsfähigkeit schwinden und weichen der Entdifferenzierung, der Schrankenlosigkeit, „der Willkür“.1

Die Symptome der Krebserkrankung zeigen zusammengefasst also folgende Gesten:

  1. Geste: Eine Zelle beginnt sich der immunologischen Kontrolle zu entziehen und ungehemmt zu vermehren – Geschwulst.
  2. Geste: Die Zellen so gebildeten brechen aus der normalen Organfunktion aus.
  3. Geste: Sie werden zu Satelliten, die den Körper durchwandern und neue Organe zu bilden beginnen – Metastasen.
  4. Geste: Die ganze Konstitution wird komplett verändert, Rhythmen, Schlaf, Appetit.

Die Signatur des Krankheitsverlaufs macht es deutlich: Die Krebserkrankung bildet phy-sisch-physiologisch den auf geistiger Ebene so gesunden „Freiheitsimpuls“ ab. Spirituell gesehen ist der Krebs eine Erkrankung, bei der sich der Freiheitsimpuls seelisch und geistig nicht in der Weise darleben kann, wie es im Schicksal des betreffenden Menschen liegt. Damit passt der bisher noch nicht aufzuhaltende Siegeszug dieser Krankheit in unsere Zeit, wo jeder Mensch im Grunde vor der Entwicklungsaufgabe steht, seine Identität als Mensch zu erfassen und seine Freiheit gebrauchen zu lernen.1 Im Krankheitsverlauf erlebt und vollzieht er also unbewusst, was er eigentlich bewusst lernen möchte.

Vielen Krebspatienten wird enorm geholfen, wenn sie das zu begreifen beginnen. Das Interessante ist, dass die Psycho-Onkologie zunehmend mit dem Autonomie-Konzept arbeitet. Man kann vom anthroposophischen Gesichtspunkt aus zutiefst verstehen, dass es nicht anders sein kann. Wir wissen das nicht nur aus empirischen Studien und Dokumentationen, sondern aufgrund tiefer Einsichten in das Wesen dieser Krankheit.

Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015

  1. Siehe auch Michaela Glöckler, Gibt es eine Prävention der Krebserkrankung?, Der Merkurstab 62:416-420, 2009.