Die fünf Inspirationsquellen der Anthroposophie – Aspekte zum Werk Albert Steffens1

Sigismund von Gleich2 fand in seinem Buch „Die Inspirationsquellen der Anthroposophie“3 wunderbare Begriffe für die fünf zentralen Impulse der Anthroposophie: den Karma-Impuls, den Gralsimpuls, den Sophia-Impuls, den Michaelsimpuls und den Christusimpuls. Er untermauerte sie durch Äußerungen Rudolf Steiners und führte aus, inwiefern diese fünf Impulse das Wesen von Rudolf Steiners Werk (vgl. Freie Hochschule für Geisteswissenschaft: Rudolf Steiners Lebensthema) ausmachen: das Hereinrufen des umfassenden, reinen, vollmenschlichen Wesenspotentials in die Erden- und Weltenentwicklung.

Wenn man Albert Steffens umfangreiches Werk im Hinblick auf die genannten Impulse durchgeht und auf seine zentralen Themen und Motive achtet, findet man sie dort wieder:

  • Man erkennt, wie sehr der Karma-Impuls sein Anliegen ist: Der Mensch wird als Selbstgestalter seines Schicksals gesehen. Damit befassen sich seine Schicksalsdramen, in denen einzelne Persönlichkeiten – wie Woodrow Wilson und seine Frau oder Alexander der Große z.B. in „Alexanders Wandlung“4 oder Mani in „Die Manichäer“5 im Mittelpunkt stehen. So zeigt er das Wirken der Karma-Mächte.
  • Man merkt aber auch seine Nähe zum Gral, zum Gralsimpuls, der das Symbol für die Zusammenarbeit zwischen den Lebenden und den Verstorbenen ist.
  • Der Sophia-Impuls drückt sich vor allem in seiner Malerei, in der unendlich liebevollen und weisheitsvollen Gestaltung seiner Bilder aus.
  • In vielen seiner Gedichte und Prosawerke zeigt sich der Michaelsimpuls – er wird auch ganz direkt angesprochen.
  • Und immer geht es um die Suche nach dem Christus und nach Möglichkeiten, wie seine Wesenheit wirksam werden kann. Steffen versucht diesem Christusimpuls in seinen Werken durch Worte und Geschehnisse Ausdruck zu verleihen.

Heilende Impulse aus dem Wort

Albert Steffen war nicht nur ein inniger Schüler der Anthroposophie und Rudolf Steiners, sondern ist auch selbst schöpferisch geworden aus den fünf zentralen Inspirationsquellen der Anthroposophie heraus (vgl. Anthroposophische Medizin: Fünf Quellen für Kränkung und Heilung).

Als Dichter hatte er einen ganz besonderen Bezug zum Mysterium des Wortes. Und auch durch seine persönliche Biografie, durch eigenes Leid bis in seine Familie hinein, ist er mit den Mysterien von Krankheit und Heilung konfrontiert worden. Es war sein innerster Impuls, über den möglichst behutsamen und bewussten Umgang mit dem Wort zu heilen, das Wort, ob nun künstlerisch-dramatisch, dichterisch oder als Prosa gestaltet, so zu verwenden, dass bei dem, der sich damit beschäftigt und es auf sich wirken lässt, Heilendes in Gang gebracht wird.

Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010

  1. Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (wikipedia).
  2. Sigismund von Gleich, Pseudonym "Hans Heinrich Frei" (*Ludwigsburg/ Württ. 29. Sept. 1896 † 1. Nov. 1953 Zeist/ Prov. Utrecht) war ein früher Anthroposoph und einer der Mitbegründer der Christengemeinschaft (AnthroWiki).
  3. Sigismund v. Gleich, Die Inspirationsquellen der Anthroposophie, Stuttgart 1981.
  4. Alexanders Wandlung, Drama von Albert Steffen, Dornach 1953.
  5. Albert Steffen, Der Auszug aus Ägypten; Die Manichäer, Berlin 1916.