Konstruktiver Umgang mit dem Scheitern von Beziehungen

Warum scheitern heutzutage so viele Beziehungen?

Wie können die Betroffenen konstruktiv damit umgehen?

Es gibt heute Schulklassen, in denen nur ein Drittel der Kinder aus einer Familie kommt, in der Vater und Mutter noch zusammen leben. Die Zeiten sind vorbei, in denen eine Ehe aufgrund eines einmal in der Kirche gegebenen Versprechens oder aufgrund gesellschaftlicher Normen und Verpflichtungen aufrechterhalten werden kann. Über das Zusammenbleiben entscheidet heute, ob die Partner in der Lage sind, ihre persönliche Entwicklung (ihre Selbstverwirklichung) auch vor dem Hintergrund der familiären Bindung zu realisieren. Ohne eine starke Motivation und klare Gesichtspunkte zur Selbsterziehung wird es immer schwerer, mit anderen Menschen und ihren Bedürfnissen zurechtzukommen. Enttäuschte Erwartungen, hohe Ansprüche, Missverständnisse, unerfüllte Sehnsüchte, Wunschträume, deren Realisierungsmöglichkeiten man nicht klar durchdacht hat, Neid- und Eifersuchtssituationen und nicht zuletzt Meinungsverschiedenheiten über Kindererziehung und Lebensgestaltung – all diese Themen wirken wie Sprengstoff in der Beziehung, wenn sie nicht als fruchtbare Felder der Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Partner angesehen werden können (vgl. Krise als Chance: Sieben Schritte aus der Krise).

Wenn eine Beziehung in Gefahr ist, ist es sehr hilfreich, wenn die Beteiligten sich nach zwei Richtungen hin befragen:

  • ob dieser Bruch nötig ist, damit beide in ihrer Entwicklung weiterkommen,

  • ob der Bruch vermeidbar ist, wenn einer oder beide bereit sind, ihre Einstellung dahingehend zu verändern, dass sie an sich etwas ändern, so dass sich dadurch neue Entwicklungsperspektiven ergeben, die eine Fortsetzung der Beziehung als sinnvoll erscheinen lassen.

Bisweilen hat einer der beiden Partner die Notwendigkeit zur Selbsterziehung entdeckt oder besitzt durch andere Hilfe die Kraft, eine Beziehung auch dann fortzusetzen, wenn bereits vieles dafür spricht, sie abzubrechen. Oft jedoch sind die Umstände so unerträglich geworden sind, dass es zum Wohle beider Partner und insbesondere zum Wohl des Kindes besser ist, die Trennung zu vollziehen. Für ein Kind ist es wesentlich gesünder, in einer harmonischen Mutter-Kind-Beziehung aufzuwachsen, als täglich die zermürbenden Spannungen oder die immer wieder auftretende eisige oder resignierte Stimmung zu erleben, die mit einer zerrütteten Ehe einhergeht.

Lernen aus dem Scheitern von Beziehungen

Viele Freundschaften, Partnerschaften und Ehen zerbrechen an dem Mangel an Freiheit in der Beziehung. Um der Freiheit willen ist man geneigt, Bindungen aufzugeben, um sich erst einmal selbst zu finden, oder auch – meist unbewusst – um der Freiheit des anderen willen, der zu stark in Abhängigkeit geraten ist. Viele Menschen lernen erst in der Isolierung und Vereinzelung, wie man beziehungs- und bindungsfähig wird. Menschen, die sich nach einer ersten gescheiterten Partnerschaft oder Ehe wieder neu mit einem anderen Menschen verbunden haben, sagen sehr oft, wie viel sie aus der alten Beziehung für die neue gelernt haben. Durch die scheinbare Katastrophe haben sie die Kraft erworben für eine neue, oft viel bewusstere und tragfähigere Verbindung.

Damit soll natürlich keine Lanze gebrochen werden für die Ehescheidung – ich möchte damit nur deutlich machen, dass dieses Zerbrechen von Lebensformen und Gemeinschaften auch etwas Positives hat, das im Sinne der christlichen Werteentwicklung und Ziele der Menschheit liegt.

Vgl. Kapiteln „Die alleinerziehende Mutter“ und „Vom Umgang mit sozialen Problemen“, aus „Elternfragen heute“, Verlag Urachhaus, Stuttgart**