Schicksalserleben – persönlich, beruflich-sozial und zeitgeschichtlich

Welche Bereiche des Schicksalserlebens gibt es?

Wie erleben wir sie?

1. Persönliches Schicksal

Persönliches Schicksal erleben wir als uns „geschickt“ – es ist das „Gegebene“. Unser Lebensglück hängt von der Art und Weise ab, wie wir damit zurechtkommen, wie wir uns unter diesen ganz individuellen Schicksalsbedingungen entwickeln. Schicksal und Entwicklung gehören zusammen – wir entscheiden selbst, wie wir handeln oder reagieren, wie wir das Leben nehmen.

2. Beruflich-soziales Schicksal

Jeder Mensch ist in seinem So-Sein nicht nur Ergebnis des eigenen Tuns und Lassens. Er ist auch das Ergebnis all der Menschenbegegnungen, die er hatte und noch weiter haben wird. Es treten immer wieder andere Menschen in unseren Lebensumkreis, die uns dabei helfen, dass wir auch neue Seiten an uns entdecken und entwickeln, gute und defizitäre Eigenschaften bemerken. So gesehen verdankt man den Menschen viel, durch die man sich all die Fähigkeiten erwerben konnte, die man jetzt sein eigen nennt.

3. Menschheits- und Zeitschicksal

Wenn wir wirklich Zeitgenossen und Zeitzeugen sind, werden wir uns bewusst, dass wir Teil eines großen Ganzen sind, ja, dass wir dank der Menschheitsentwicklung erst die/der geworden sind, die/der wir sind. Unter diesem Aspekt wird der Schicksals-, aber auch der Krankheitsbegriff ein christlicher. Denn hier lautet die Frage nicht – Was gewinne ich oder mein Schicksalsumkreis durch die Krankheit? –, sondern:

Was kann ich für die Menschheit dadurch tun, dass ich durch meine Krankheit Anteil nehme an ihrem Leiden und an dessen Überwindung? (vgl. Krankheit: Krankheit, Heilung und die Frage nach dem Sinn)

Für diese Anteilnahme am Menschheitsschicksal steht Christus mit seinem Leiden, das er in Stellvertretung – frei von jeder Schuld – auf sich nahm. Unter Krebs- und AIDS-Kranken kann man gerade diese dritte Form des Schicksalserlebens häufig antreffen: Es sind Menschen, die deutlich empfinden, dass sie nicht – zumindest nicht nur – um ihrer selbst willen leiden; sie sind sich bewusst, dass sie etwas helfend ausgleichen im Menschheitsganzen dadurch, dass sie Leid wie stellvertretend auf sich nehmen. Auf ihrem Leidensweg bewahren sie ihre Menschlichkeit durch alles hindurch. Sie tragen als „Unschuldige“ das mit, was die Menschheit an Schuld auf sich lud dadurch, dass das Böse mit all seinen Verführungen und Herausforderungen in der Menschheitsgeschichte wirksam werden musste (vgl. Krankheit: Hiob – Schuld und Krankheit).

Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 10. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004**