Gekränktes Selbstbewusstsein

Wie äußert sich ein geschwächtes Selbstbewusstsein?

Wir leben heute in einer Zeit – und das können wir gar nicht genug betonen – in der das Selbstbewusstsein der meisten Menschen gekränkt und geschwächt ist. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass jemand keine Kritik ertragen kann; er wehrt sich vehement gegen das, was er als einen Angriff gegen sich empfindet, und versucht mit allen Mitteln zu beweisen, wie gut er doch ist, wie sehr er im Recht ist. Ein Mensch mit einem gesunden Selbstbewusstsein kann sich Kritik mit gleichsam wissenschaftlichem Interesse anhören (vgl. Selbstbewusstsein: Widrigkeiten selbstbewusst begegnen). Er wird sich fragen, was daran berechtigt ist – dann wird er dafür dankbar sein – und was unberechtigt ist – dann lässt er sich nicht davon berühren und erkennt, dass das Problem offenbar nicht bei ihm, sondern bei seinem Kritiker liegt.

Ein weiteres Symptom für ein schwaches Selbstbewusstsein ist die Abhängigkeit von Anerkennung durch die Umwelt. Der Betreffende macht alle möglichen Anstalten, liebenswert zu erscheinen, niemanden zu verletzen, er ist immer auf der Hut. Geht jemand nicht darauf ein, ist sein Selbstwertgefühl empfindlich gestört.

Ich könnte nun so weitermachen und lange über die Symptomatik des schwachen Selbstwertgefühls und gekränkten Selbstbewusstseins sprechen. Die meisten unserer sozialen Probleme sind darauf zurückzuführen. Die Hauptursachen liegen in der frühen Kindheit (vgl. Konfliktfähigkeit: Erziehung zur Konfliktfähigkeit), in der Vorschulzeit. Denn was hier erlebt wird, geht sehr tief, wird sozusagen noch aufgenommen in die körperliche Grundreifung des Organismus. Oft braucht es dann viele Jahre der Therapie oder des konsequenten Selbstmanagement, um die aus dieser Zeit herrührenden Schädigungen zu lindern bzw. zu heilen und ein starkes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 1. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft**