Wärme und Seinsebenen

Wie wirkt Wärme auf die unterschiedlichen Seinsebenen von Mensch und Erde?

Wärme spielt in allen Bereichen der menschlichen bzw. irdischen Existenz eine zentrale Rolle:

• Wärme und Geist (Ich)

Geistig gesehen ist Wärme ein rein spirituelles Entwicklungspotenzial, ist reine Geistoffenheit, eine meditative Kraft: Wenn ich meditiere (vgl. Meditation auf anthroposophischer Grundlage: Allgemeines über meditatives Üben), mobilisiere ich geistige Wärme, erlebe Liebe zum Geist, Sehnsucht nach geistiger Verbindung und der Vereinigung mit allem, was unserer Sinneswelt zugrunde liegt. In der Geisteswärme suchen wir das Innere, das Wesen, das Wesentliche. Alles Wesenhafte offenbart sich in Wärmezuständen.

• Wärme und Seele (Astralisches)

Wärme regt aber auch das Seelenleben an (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Begabungen des Astralleibes). Wenn wir uns liebevoll begegnen, können menschliche Beziehungen enorm viel Belebendes und Anregendes haben. Wärme regt den Luftorganismus an und macht ihn beweglicher. Wenn Gas erwärmt wird, dehnt es sich aus. Wenn Luft abkühlt, zieht sie sich zusammen. Wärme ist der Magier, der Ballons zum Fliegen bringt.

• Wärme und Leben (Ätherisches)

Wärme ist aber auch die Ätherkraft, die Pflanzen wachsen lässt.

Warum wächst im Winter nichts?

Weil es zu kalt ist. Wenn wir einen milden Winter haben, blühen die Rosen zu Weihnachten noch. Das ist gar kein Problem. Wenn genug Wärme vorhanden ist, können Pflanzen sich auch in dieser Jahreszeit entwickeln. Wärme ist das tragende Element im Leben. Ohne Wärme gibt es kein Leben. Wasser allein genügt nicht, das Wasser muss die richtige Temperatur haben. Dann haben wir den Pflanzensegen, der der Erde entkeimt.

• Wärme und Physisches

Was bewirkt Wärme nun im Physischen?

Im Physischen schenkt sie Verwandlung, was anhand einer Betrachtung der Aggregatzustände sofort einleuchtet.

Ich habe mir diese Zusammenhänge deutlich gemacht, als ich im Rahmen einer Ärzteausbildung versuchte, dem Denken der Mediziner das Wesentliche dieser vier Aggregatzustände unseres Körpers nahe zu bringen, das in einem engen Zusammenhang steht zu den einzelnen Wesensgliedern – fest, flüssig, gasförmig und den rein thermodynamischen Wärmezustand (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Begabungen der Ich-Organisation). Um zu verdeutlichen, wie magisch Wärme wirkt, sagte ich, dass, wenn ich meinen Ehering auf 3500° erhitzte, würde er zuerst flüssig und schließlich gasförmig – dann wäre er unsichtbar, wir würden ihn alle ein- und ausatmen, er wäre weg. Um ihn wiederzugewinnen, müsste ich Massen an Luft kondensieren und abkühlen und durch hydrolytische bzw. elektrochemische Verfahren das Gold wieder herausdestillieren.

Alle Erscheinungsformen in der Natur, so wie sie uns erscheinen, die ganze Sinneswelt, ist ein Ergebnis spezifischer Wärmezustände. Deswegen ist die verwandelnde Kraft der Wärme im Physischen gar nicht zu überschätzen.

Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012