Die fünf Ebenen des Menschseins

Was ist mit den fünf Ebenen des Menschseins gemeint?

Was meint Rudolf Steiner mit der Metamorphose der Wesensglieder?

Wo befindet sich die Austrittspforte für das Ätherische?

In der Waldorfpädagogik wird menschenkundlich mit den fünf Ebenen des Menschseins gearbeitet (vgl. Erziehung: Erziehung mit Bezug auf die Wesensglieder):

  1. Physische Ebene
  2. Ätherische Ebene
  3. Astralische Ebene
  4. Ich-Organisations-Ebene
  5. „Quinta essentia“

Die Metamorphose der Wesensglieder

In der ersten Lebensphase wird der physische Leib durch das Zusammenwirken der höheren Wesensglieder gebildet:

  • Der Ätherleib ermöglicht Wachstum und regt alle Bildeprozesse an.

  • Der Astralleib ist zuständig für alle Differenzierungsprozesse von der notwendigen Zelldifferenzierung bis hin zur Differenzierung der Geschlechter.

  • Die Ich-Organisation ist unsere integrierende Kompetenz und sorgt für eine einheitliche Gesamtgestalt, aber auch die Abstimmung aller Organ-Funktionen untereinander.

Im Zuge der körperlichen Reifung haben die bildenden, differenzierenden und integrierenden Kräfte nach und nach ihr Werk getan. Sukzessive verlassen sie Tag für Tag und Jahr für Jahr den im Wandel begriffenen Körper und metamorphosieren sich in die leibfreien, rein seelisch-geistigen Kräfte unserer Aura, die unser leibfreies Denken, Fühlen und Wollen ermöglichen (vgl. Wesensglieder: Die Metamorphose der Wesensglieder in leibfreies Denken, Fühlen Und Wollen). So verdanken wir:

  • unser Denken dem Ätherleib, den formgebenden Wachstumskräften, die im Laufe des Lebens und Alterns immer weniger im Körper gebraucht werden und so zunehmend als leibfreie Denktätigkeit zur Verfügung stehen,

  • unser Fühlen dem Astralleib, weil auch die differenzierenden und polarisierenden Kräfte den Körper sukzessive verlassen, um frei zu werden für das „Mit“- und „Selbst“-Gefühl.

  • unser (leib-)freies Wollen den integrierenden Kräften der Ich-Organisation, die sich ebenfalls sukzessive aus dem Körper herauslösen, wenn ihre Arbeit am Körper getan ist.

Nach Paracelsus ist die quinta essentia das Prinzip der rein spirituellen „leibfreien“ Wesensglieder-Tätigkeit des Denkens (leibfreier Aetherleib), des Fühlens (leibfreier Astralleib) und Wollens (leibfreie Ich-Organisation).

Das Herz als Schwelle und Pforte

Wir kennen dank der Ausführungen Rudolf Steiners über die Ätherisation des Blutes auch den Ort, an dem diese Wesensglieder-Kräfte den Leib verlassen: unser Herz. Im Herzen steht das Blut am Ende jeder Diastole für Sekundenbruchteile still, bevor das einströmende Blut sich wieder anschickt, den Rückweg aus dem Herzen in den Lungen- und Körperkreislauf anzutreten. Bevor das geschieht, sind Muskulatur und Herzklappen um den für Bruchteile von Sekunden stillstehenden Blutinhalt des Herzens geschlossen und angespannt. Dieser Moment des vorübergehenden Stillstands – für Sekundenbruchteile! – wird in der Physiologie Diastase genannt und ist die Voraussetzung dafür, dass das Ätherische sich aus dem Blut lösen kann (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Die Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte). Die Kräfte von Astralleib und Ich verlassen den Körper ebenfalls auf diesem Weg, durch die Pforte des Herzens, „auf den Bahnen des Ätherischen“, wie Rudolf Steiner es ausdrückt.

Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012