Die fünf Ebenen des Menschseins im medizinischen System

Welche Ebenen des Menschseins gibt es?

Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?

Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können (vgl. Waldorfpädagogik: Die fünf Ebenen des Menschseins). Jedes medizinische System setzt einer oder mehrerer dieser Ebenen an. Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen (vgl. Anthroposophische Medizin: Fünf Quellen für Kränkung und Heilung):

  1. Physische Ebene
  2. Ätherische Ebene
  3. Astrale Ebene
  4. Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene
  5. Geistige Orientierung, Weltanschauung

1. Physische Ebene und Medizin

Die Schulmedizin baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.

2. Ätherische Ebene und Medizin

In Homöopathie1 und Spagyrik2 z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und –rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken (vgl. Lebensrhythmen: Kraftquelle Rhythmus für Erwachsene).

3. Astrale Ebene und Medizin

Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele. Hier setzen die Psychosomatik3 und alle Psychotherapieverfahren4 sowie auch diverse Körpertherapien5 an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:

Wie verschaffen wir einem Menschen, der leidet, der körperlich krank ist, im Seelischen das Wohlgefühl, dass er nicht herausgefallen ist aus dieser Schöpfung, dass er sich immer noch angeschlossen fühlen darf?

Hier setzen die gesamten Körpertherapien5 an. Denn manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt, dass man es nicht mehr erreichen kann über Worte oder über ein Medikament. Wenn man so jemanden dann in ein warmes Bad legt – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz und die Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände auch schön gefärbt sind, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. Die Gefühlswelt darf also nicht unterschätzt werden.

4. Identität und Medizin

Das gilt auch für das Identitätserleben: Dass der Patient sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlen kann, hängt mit der Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie auf seine Bedürfnisse zusammen.

5. Weltanschauung und Medizin

Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauung, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.

Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet (vgl. Anthroposophische Medizin: Parameter der Wesensgliederdiagnostik). Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt (vgl. Entwicklung: Entwicklungsgedanke und Wiederverkörperung).

Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012

  1. Die Homöopathie ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlich-keitsprinzip: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur). Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia)./li>
  2. Unter Spagyrik (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.
  3. Mit Psychosomatik wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).
  4. Psychotherapie wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psy-chologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).
  5. Mit Körpertherapie werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).