Führung in selbstverwalteten Betrieben

Welche Gesichtspunkte gilt es im Hinblick auf Führungsfragen in selbstverwalteten Betrieben zu beachten?

Warum braucht es klare Zuständigkeiten?

Inwiefern werden hierarchische und demokratische Systeme dem nicht gerecht?

Wichtige Aspekte zu Führungsaufgaben

Es ist deutlich, dass es heutzutage mehr denn je befriedigende Führungsstrukturen und -stile für Einrichtungen und Betriebe im Sinne der Gemeingesellschaft braucht. Das gilt auch für solche, die – wie zum Beispiel die Waldorfschulen – konsequente Selbstverwaltung betreiben. Das heißt, alle Einrichtungen brauchen soziale Formen, die es ihnen

  • einerseits möglich machen, dass die Initiativkraft jedes einzelnen sich weitestgehend für die Aufgabe der Gemeinschaft entfalten kann.

  • Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass im Interesse der gemeinsamen Aufgabe diejenigen mit leitenden Aufgaben betraut werden, die es am besten können.

Es wird häufig gesagt, dass die wesentlichen Führungsaufgaben heute in kollegialer Verwaltung geleistet werden können. In der Praxis kommt jedoch früher oder später die Zeit, wo alle aufgrund der Menge an notwendigen Sitzungen und des damit verbundenen enormen Zeitaufwandes überfordert sind und Gefahr laufen, die eigene Arbeit zu vernachlässigen. So notwendig Kollegien und Beraterkreise für die verschiedenen Funktionsfelder auch sind, so können sie doch die Möglichkeiten nicht ersetzen, die ein einzelner im Dienst des Ganzen entfalten kann und muss, wenn es gilt, gute Arbeit zu leisten.

Notwendigkeit klarer Zuständigkeiten

So ist es beispielsweise in einer Schule oder einer sozialtherapeutischen Einrichtung notwendig, dass die Eltern klar definierte Ansprechpartner haben, die sie für bestimmte Entscheidungen oder Verhaltensweisen verantwortlich machen können. Klare Zuständigkeiten, die Möglichkeit, rasch und flexibel zu entscheiden und zu handeln, sind Qualitäten, die es erlauben, sorgfältig mit Zeit und Kraft der Mitarbeiter umzugehen. Es ist dadurch gewährleistet, dass

  • einerseits gemeinsam besprochen wird, was sinnvollerweise im Interesse der Arbeit getan werden sollte.

  • Andererseits hat der von der Gemeinschaft dann beauftragte Funktionsträger in dem abgesteckten Rahmen Entscheidungskompetenz, ohne jedes Mal längere Debatten und Sozialprozesse durchlaufen zu müssen.

Das bisher Aufgeführte zeigt: Will man effektiv arbeiten, braucht es eine klare Führung, eine Fähigkeiten-Hierarchie und Entscheidungskompetenz – das alles aber im Sinne der Gemeingesellschaft, die eine umgekehrte Pyramidalstruktur vorsieht.

Hierarchische und demokratische Systeme müssen demgegenüber immer wieder zu Konflikten führen, da ersteres den Mitarbeitern nicht gerecht wird und letzteres der Arbeit, die zu leisten ist, schadet.

Vgl. „Macht in der zwischenmenschlichen Beziehung“, 11. Kapitel, Verlag Johannes M. Mayer, Stuttgart – Berlin 1997