Bildeimpulse der Wesensglieder für die Embryonalentwicklung

Welche Impulse geben welche Wesensglieder für die Embryonalentwicklung?

Welche Organbildungen verdanken wir den drei Keimblättern?

Inwiefern drückt sich die Ich-Organisation auf dreifache Weise im Gesamtorganismus aus?

Prägung der drei Keimblätter

Die Absätze 5–8 von Kapitel VI aus „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“1 sind dem Zusammenwirken der dem Blut und den Nerven zugrunde liegenden Bildeimpulse gewidmet. Aus dem Zusammenwirken von Blut und Nerv ergeben sich – so die Autoren – alle Bildeimpulse für die Embryonalentwicklung.

Durch die dreifach unterschiedliche Art des Zusammenwirkens entstehen drei verschiedene Gebiete, von denen die Bildeimpulse für den Gesamtorganismus ausgehen. Diese drei verschiedenen Gebiete sind die Prägeorte für die Bildung der aus der Embryologie bekannten drei Keimblätter:

  • Ektoderm (äußeres Keimblatt) – oberes Gebiet,
  • Mesoderm (mittleres Keimblatt) – mittleres Gebiet,
  • Entoderm (inneres Keimblatt) – unteres Gebiet.

@ Vom Entoderm ausgehende Organbildungen – Verdauung und Atmung

Im Verdauungsgebiet arbeiten vorzugsweise die ätherisch organisierten Nerven mit der Blutsubstanz zusammen, deren Tätigkeit der Ich-Organisation unterliegt. Diese Art des Zusammenwirkens bildet während der Embryonalentwicklung den Ausgangspunkt für die Organbildungen, die vom Entoderm ausgehen:

  • Epithel- und Drüsen des Magen-Darm-Traktes,
  • Leber,
  • Pankreas,
  • Harnblase
  • Epithel und Drüsen der Trachea, Bronchien und Lungen.

@ Vom Mesoderm ausgehende Organbildungen – Organe der Beweglichkeit

Vom mittleren Keimblatt gehen die Organbildungen aus, bei denen die Nervenorgane, die von der astralischen Organisation beeinflusst sind, zusammenwirken mit Blutvorgängen, die ebenfalls von dieser astralischen Organisation und in ihrem oberen Teil von der ätherischen abhängig sind:

  • Skelettmuskulatur,
  • Bindegewebe
  • Knochen (mit Ausnahme des Schädels),
  • sowie das Urogenitalsystem samt Niere.

Es sind die Organe, „welche die äussere und innere Beweglichkeit vermitteln“.2

@ Vom Ektoderm ausgehende Organbildungen – Stützorgane

Im oberen – ektodermalen – Gebiet liegen die Ausgangspunkte für die Knochenbildung und für alles andere, „das dem menschlichen Körper als Stützorgane dient“.3 Hier wirken die unter dem innerlich organisierenden Ich stehenden Nerven zusammen mit den Blutvorgängen, die eine starke Neigung haben, ins leblos Mineralische überzugehen:

  • Haut, Haare, Nägel,
  • Zahnschmelz,
  • Innenohr,
  • Augenlinse
  • Hirnnerven und das Zentralnervensystem mit Epiphyse und Hypophysenhinterlappen,
  • die Knochen des Kopfes,
  • deren Muskeln
  • und zugehöriges Bindegewebe.4

Räumliche und funktionelle Dreigliederung

Dass es sich dabei nicht nur in räumlicher Hinsicht um drei Gebiete handelt, sondern auch um eine funktionelle Dreigliederung (unter der Regie der Ich-Organisation), geht aus Abs. 6 hervor:

  • Der mineralische Anteil der Knochen wird dem obersten Gebiet (Ektoderm) zugehörig betrachtet,

  • wohingegen die organischen Knochenstrukturen den Impulsen des mittleren Gebietes (Mesoderm) unterstellt sind.

Die Ich-Organisation prägt in der Skelettbildung ihre Signatur der Gesamtgestalt auf – das Skelett ist ihr Abbild. Träger der geistigen Ich-Tätigkeit ist hingegen das Gehirn, dem „die organisierende Kraft des Ich nur leise zugrunde liegt“5, weswegen sie sich überwiegend leibfrei ‚von außen‘ betätigen kann.

  • Während die Ich-Organisation sich durch die Knochenbildung im Skelett ein Abbild im Physischen schafft,

  • kann sie sich dank der Gehirnphysiologie rein geistig betätigen.

  • In der Blutsubstanz und in allem, was durch sie bewirkt wird, ist sie unmittelbar substanzbildend und regulierend tätig.

Es war Rudolf Steiners Entdeckung, dass der embryonale Kreislauf einer der besten Beweise für die autonome Bewegung des Blutes ist, was inzwischen durch die embryologische Forschung mit hochauflösender Videomikroskopie bestätigt werden konnte.7

Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 20258

  1. Für dieses Kapitel verdanke ich Branko Furst – Associate Professor, Department of Anaestesiology, Albany Medical College, Albany/USA – wertvolle Hinweise (vgl. Furst [2014]).
  2. Rudolf Steiner und Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.
  3. Vgl. FN 2, S. 33 u. 35: „Indem die Blutbildung in der Fortgestaltung der aufgenommenen Nahrungsstoffe erfolgt, steht der ganze Blutbildungsvorgang unter dem Einfluss der Ich-Organisation.“
  4. Vgl. Heldt und Piechulla (2014).
  5. Siehe FN 2, S. 34.
  6. Vgl. Antonovsky (1997); Wydler u. a. (2000).
  7. Vgl. Dobos (2019).
  8. Ebenda.
  9. In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.