Der astralische Leib als Quelle von Mut

Inwiefern ist unser Astralleib Quelle von Mut?

Dem Astralleib verdanken wir unser Gefühlsleben. Und so, wie unserem Gedankenleben ein geistiger Gedankenorganismus zugrunde liegt, entspringt auch unser Gefühlsleben einem in sich zusammenhängenden Seelenorganismus. Rudolf Steiner nannte den astralischen Organismus einen Weisheitsorganismus.1 Das Gefühl ist weltumspannend und unendlich weise. Jemand, der eine brenzlige Situation spontan richtig erfasst und sich entsprechend verhält, hatte das „im Gefühl“, und braucht u.U. Jahre, um gedanklich nachzuvollziehen, warum die Auffassung der Situation und die damit verbundenen Entscheidungen damals richtig waren.

Der Gefühlsorganismus ist gänzlich anders gebaut als der Gedankenorganismus. Er lebt von der großen Polarität von Sympathie und Antipathie (vgl. Liebe: Liebe als Entwicklungsmotiv). Er ist ein System von Spannung und Entspannung.

  • Die Sympathie kann sich auf alles Mögliche erstrecken und sich bis zu den Sternen hin ausdehnen.

  • Entsprechend können wir uns mit Hilfe der Antipathie von allem und jedem distanzieren – auch von uns selbst, z.B. in Augenblicken, in denen wir uns nicht leiden können oder gar verabscheuen.

Zwischen diesen beiden Grundhaltungen, zwischen uns und der Welt, bewegt sich unser Gefühlsleben in weisheitsvollem Pendelschlag. Künstlerisch gesehen sind es die Gesetze der Musik, die hier wirksam sind, d.h. die Gesetze der zahlenmäßig erfassbaren Diskontinuität, der Spannungsverhältnisse einer Saite. Im Gegensatz dazu haben die Bildekräfte des ätherischen Organismus unmittelbaren Bezug zur plastischen Kunst, zum bildenden Gestalten 2. Und so wie der ätherische Organismus mit einem großen Teil seiner Kräfte den physischen Leib und seine Stoffe mit Leben durchzieht und am Leben erhält, so durchdringen die Gesetzmäßigkeiten des astralischen Organismus seinerseits den physischen und den Ätherleib (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Begabungen des Astralleibes): Dadurch werden alle Vorgänge nach bestimmten Proportionen und Zahlenverhältnissen geordnet und gegliedert 3 (vgl. Gefühle und Fühlen: Atmung, Kreislauf - Gefühlsleben und Kunst).

Schon während der Embryonalentwicklung kann man das Zusammenwirken von ätherischen und astralischen Kräften beobachten: Schübe von Proliferation, plastischem Wachstums (ätherisch), wechseln phasenweise mit Schüben von Differenzierung und Gliederung (astralisch), bei denen sich sogar manches wieder zurückbildet. So haben wir alle z.B. anfangs „Schwimmhäute“ zwischen Fingern und Zehen, die sich dann in der fortschreitenden Embryonalentwicklung wieder zurückbilden, sodass schließlich die frei beweglichen Finger entstehen. Und wie sich die ätherischen Kräfte im Laufe der Entwicklung – in dem Maß, in dem sie nicht mehr als Wachstumskräfte gebraucht werden – für die gedankliche Tätigkeit metamorphosieren (vgl. Wesensglieder: Die Metamorphose der Wesensglieder in leibfreies Denken, Fühlen Und Wollen), geschieht das entsprechend auch mit den astralischen Kräften: Sie stehen in dem Maß für das Gefühlsleben zur Verfügung, in dem sie von der physisch-ätherischen Konstitution in Wachstum und Entwicklung nicht mehr benötigt werden.

Zusammenklang der Welterscheinungen

Die Sterne am Himmel folgen bestimmten Bewegungs- und Zahlenverhältnissen – entsprechend regelt der astralische Organismus (aster, astrum = Stern) die Zahlenverhältnisse und Proportionen des Leibes und ordnet die Spannungsverhältnisse der Gefühle. Die umfassende Weisheit, die dem Weltzusammenhang und -zusammenklang zugrunde liegt, können wir z.B. unmittelbar erleben, wenn wir Musikwerke hören wie Symphonien von Beethoven oder Bruckner. Wir tragen diese Weisheit der Welt, diesen Zusammenklang der Erscheinungen in unserem Gefühlsleben.

Das Vertrauen in diesen Zusammenklang der Welterscheinungen, das Gefühl des Eingebettet-Seins in den Bestand der Welt, die nach Gesetzen geordnet ist, die sich sowohl im Makrokosmos der Welt wie auch im Mikrokosmos des einzelnen Menschen wiederfinden, wird zur Quelle von Mut: Es geht um die Besinnung auf das Vertrauen als eine Kraft, die auch in Zeiten der Angst und des Zweifels durchtragen kann.

Was wären wir, ohne den unbesiegbaren Glauben (Vertrauen) in diesen geordneten Ur-Grund der eigenen Existenz und der Welt?

Ohne das Vertrauen, das nicht nur Berge versetzen, sondern auch die Abgründe und Dissonanzen des Lebens überbrücken kann?

Glaube und Vertrauen werden im Vorschulalter am stärksten durch das entsprechende Vorbild gefördert. Diese beiden Fähigkeiten wirken selbst unter Erwachsenen vorbildhaft und haben eine starke Ausstrahlung. Gerade in der heutigen Zeit, in der so viel Unsicherheit und Mangel an Vertrauen herrscht, wirkt es erweckend, wenn wir beherzten, vertrauensvollen Menschen begegnen.

Vgl. „Macht in der zwischenmenschlichen Beziehung“, 5. Kapitel, Verlag Johannes M. Mayer, Stuttgart – Berlin 1997.**

  1. Vgl. Steiner, R., Die Geheimwissenschaft im Umriss.
  2. Vgl. Huseman, A.: Der musikalische Bau des Menschen. Stuttgart, 4. Aufl. 2003.
  3. Vgl. Steiner, R.: Die Geheimwissenschaft im Umriss.