Engel und das Wirken von Gedanken, Worten und Taten

Gedanken und Worte haben eine Wirkung. Jedes Wort trägt das Potential einer Tat in sich. Gedanken- und Wortmeditationen sind also immer willensstärkende Meditationen (vgl. Meditation auf anthroposophischer Grundlage: Allgemeines über meditatives Üben). Wenn ich z.B. lese – „Das Schöne bewundern“1 –, bin ich bereit zur Tat, fühle ich mich ermutigt, Schönes um mich zu entdecken. Bei der anthroposophischen Meditation geht es immer um das Tun: in Gedanken, im Fühlen, durch Handlungen. Es geht um Eigenaktivität im Geist.

Wir müssen uns klar darüber sein, dass wir bereits ein Leben außerhalb des Körpers führen, dass wir bereits unbewusst die Schwelle zur geistigen Welt überschritten haben, dass wir je nach unserem Denken bereits eingeweiht sind:

Jeder ist in diesem Sinne eingeweiht, aber nicht jeder weiß, durch wen, noch ist man sich bewusst, wie sich diese Einweihung auswirkt. Wir Menschen müssen uns oft erst dafür sensibilisieren, dass es nicht egal ist, was wir denken, fühlen und tun.

  • Gedanken sind Schwellen zu geistigen Wesen.
  • Gefühle sind Schwellen, diese Wesen zu erfahren.
  • Unsere Handlungen dienen diesen Wesen.

Jedes Leben dient einer Sache, führt zu Erfahrungen und wird von Gedanken motiviert. Es ist wichtig, das zu wissen.

1. In Gedanken mit den Engeln leben

Rudolf Steiner sagt, dass wir in Gedanken mit der Engelwelt und den Verstorbenen leben (vgl. Umgang mit Verstorbenen: Besondere Verbindung zu Verstorbenen). Die ätherische Welt ist der Begegnungsraum zwischen unserem Schutzengel und uns – während des Lebens, aber auch nach dem Tod. Wenn wir Engelabbildungen betrachten, sehen wir, dass man ihnen die Qualitäten von Gedanken zuschreibt: Beide sind schwerelos, haben Flügel, sind durchsichtig-leuchtend, farbig, mächtig und schön. Engelbilder sind farbige Abbilder von Gedanken mit bestimmten Qualitäten. Doch besonders die Qualität des Erhoben-Seins bis zu den Wolken, des Aufsteigens oder Absteigens gibt Aufschluss über unser geistiges Leben: Es hat kein Gewicht, beansprucht keinen Raum, geht durch alles hindurch. Das Einzige, was wir brauchen für unsere Erdenerfahrung, ist Zeit.

2. In Gefühlen mit den Erzengeln leben

Rudolf Steiner sagt auch, dass wir in unseren Gefühlen mit den Erzengeln leben. Sie haben weitere Schwingen als die Engel und sind für viele Menschen zuständig: für ein ganzes Volk. Sie wirken über die Sprache, das Volkstum, das Blut, Territorium und Nationales: „Viva patria!“ Das Thema Heimat und Heimweh ist nichts Persönliches, es hat mit den Erzengeln zu tun.

Wenn ich als Deutsche in Südamerika in einem Restaurant neben Deutschen sitze, fühle ich mich zuhause. Doch wenn sie sich schlecht benehmen, wenn sie viel Bier trinken und laut singen, schäme ich mich, weil ich im Fühlen mit ihnen verbunden bin. Ich schäme mich für mein Volk. Ich bin sicher, Ihnen hier in England geht es ebenso: Sie freuen sich, wenn England sich Ehre macht. Als Papst Benedikt Papst wurde, freute ich mich. Jetzt ist ein Argentinier Papst und die Argentinier freuen sich, dass es einer von ihnen ist. Das ist etwas nur halb Bewusstes, Emotionales!

Wir müssen lernen, eine bewusste Beziehung zu den Erzengeln aufzubauen – wie ich das in Bezug auf Engel und Gedanken bereits ausgeführt haben. Folgende Fragen sind hilfreich, wenn man bewusster mit diesem Thema umgehen möchte:

Welchen Kräften folgen meine Gefühle?

Möchte ich diese Gefühle wirklich haben?

Wie geht man damit um, wenn man erkennt, dass man ein eingeschworener Nationalist ist oder ein fanatischer Katholik?

Wenn jemand so empfindet – will er das wirklich?

Christliche und dämonische Engel und Erzengel

Wer sich darüber Rechenschaft ablegt, beginnt bewusst mit der Welt der Erzengel zu arbeiten. Man bemerkt auf der Gedankenebene wie auch auf der Gefühlsebene, dass die christlichen Engel und Erzengel den Frieden achten. Die nicht christianisierten, dämonischen, gefallenen, dunklen Erzengel fördern dagegen Nationalismus, Chauvinismus und Fanatismus.

Wir haben mit alledem zu tun und müssen damit umgehen in unserem Gefühlsleben. Es liegt an uns, christliche Erzengel herbeizurufen, die Frieden ermöglichen in Gruppen und Gemeinschaften, sodass wir uns nicht bekriegen, sondern voneinander lernen, indem wir uns mit vielen Sprachen und unterschiedlichen Kulturen und Gruppenmissionen befassen und sie schätzen lernen.

Steiners Worte – „O Mensch, erkenne dich selbst!“ – sollte heute in Bezug auf die Volksseelen angewandt werden: O Mensch, erkenne dich selbst als jemand, der einer bestimmten Volksseele angehört. Erkenne, welche Aufgabe dahintersteckt, warum du diese Eigenschaften hast und keine anderen. Lerne, diese Qualitäten wie ein Werkzeug zu handhaben: Sie sollen nichts sein, was dich treibt.

3. In Taten mit den Archai leben

Die Archai sind die Zeitgeister. Der christliche Zeitgeist kann nur mit uns arbeiten, wenn wir ihn herbeirufen. Wenn wir das nicht tun, kommen dämonische Zeitgeister zum Zug.

Wie können wir uns mit ihnen verbinden?

Sie arbeiten mit dem Wollen, dem leibgebunden Wollen, aber auch dem Wollen, das wir in unser Fühlen und Denken legen. Jede Tat im Physischen ist von den Archai inspiriert – von den dunklen oder von denjenigen, die wir herbeigerufen haben. Wir müssen uns selbst in Christi Namen fragen:

Die Archai sind die Zeitgeister. Der christliche Zeitgeist kann nur mit uns arbeiten, wenn wir ihn herbeirufen. Wenn wir das nicht tun, kommen dämonische Zeitgeister zum Zug.

Wem will ich dienen?

Welchem Archai überlasse ich die Lenkung meiner Biographie?

Wir müssen uns entscheiden, wem wir dienen wollen in unserer Zeit und in der Zukunft

Rudolf Steiner sagt, wenn wir uns in unserem Denken um Wahrheit bemühen, in unserem Fühlen um Liebe und in unserem Tun um Freiheit und Autonomie, wenn wir also diese drei christlichen Ideale im Alltag umzusetzen versuchen, werden die Engel der 3. Hierarche uns Tag für Tag zur Seite stehen. Denn Ideale sind Brücken zur geistigen Welt, über die unser Schutzengel jeden Morgen zu uns gelangen kann.

Vgl. Vortrag an der Tagung „International Conference Biographywork", England 2013

  1. In: Rudolf Steiner, Wahrspruchworte, GA 40, S. 84 (Ausgabe 1991, die auch der Online-GA zugrundeliegt).