Entwicklung von Zukunftsperspektive

Welche Entwicklungsbedingungen braucht der Sinn für Gerechtigkeit?

Unter welchen Bedingungen gedeiht der Sinn für Freiheit?

Wie entwickeln wir Geschwisterlichkeit?

Was lässt den Menschen Zukunft wollen?

Ideale der Französischen Revolution

Im Sinne einer lebenswerten Zukunft ist es wichtig, die Ideale der Französischen Revolution zu kennen, ergänzt und aktualisiert durch Rudolf Steiners Anthroposophie, die besagen:

  • dass Kultur und Bildung Freiheit des Geistes und Gedankenfreiheit erfordern,
  • dass die Ökonomie die Mitmenschlichkeit als Ideal braucht,
  • und dass das Rechtsleben dem Grundsatz der Gleichheit folgen muss.

Nur auf der Grundlage dieser Prinzipien kann in Zukunft Gerechtigkeit im Sozialen herrschen. Doch braucht es auch das Interesse für die Menschheitsvergangenheit, um in der Gegenwart den eigenen Handlungsspielraum zu erkennen und das Gefühl der Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens zu vertiefen.

Entwicklung braucht Ziel und Zukunft

Die Frage nach der „Zukunftsfähigkeit“ der Menschen hat mich als Kinderärztin immer wieder eingeholt, weil gerade Jugendliche und jüngere Erwachsene oft von enormen Sorgen und Ängsten erfüllt sind und bei ihnen gegenüber der Zukunft die Empfindung vorherrscht, nicht gebraucht zu werden oder den Anforderungen nicht gewachsen zu sein.

Ich habe mich gefragt, woher diese Empfindungen kommen – bis mir eines klar wurde: Menschen, die für sich keine Zukunft sehen, haben im Laufe ihrer Schulzeit und Ausbildung, vielleicht sogar im Laufe ihres bisherigen Lebens, nicht lernen dürfen bzw. können, ihre eigene Entwicklung ernst zu nehmen, sie selbst in die Hand zu nehmen. Menschen, die keine Zukunft sehen, haben für sich selbst keine Entwicklungsziele gesteckt. Ohne sich ein Ziel zu setzen, entwickelt man kein Gefühl für Zukunft.

Meine Zukunft als Individuum nimmt nicht automatisch Gestalt an. Vielmehr entwickle ich Zukunftsperspektiven, indem ich erstrebenswerte Ziele formuliere, um derentwillen ich noch eine Wegstrecke leben möchte. Dadurch werde ich zukunftsfähig und zukunftswillig. Das Zeitgefühl für Zukunft, wie auch für Vergangenheit, muss sich erst bilden. Indem ich mir Ziele stecke, entwickelt sich ein Zeitgefühl für das, was ich Zukunft nenne. Ich werde mit Hoffnung und Spannung erfüllt, wenn ich mich mit einer Vision verbinde, die mir eine Perspektive schenkt.

Vgl. Vortrag „Zukunft wollen – Gegenwart gestalten“, Stuttgart, 14.10.2006