Dreifacher Tod – Auflösung von Körper, Ätherleib und Astralleib

Was geschieht im Todesaugenblick?

Warum spricht man von einem dreifachen Tod?

1. Physischer Tod

Mit Eintreten des physischen Todes werden die astralisch-ätherischen Reifungskräfte vollkommen leibfrei – sie werden zu geistigen Kräften.

2. Ätherischer Tod

Nun folgt der ätherische Tod, auch Gedankentod genannt (vgl. Sterben und Tod: Auflösung des ätherischen Organismus): Drei Tage lang zieht alles Erlebte noch einmal in Gedanken- und Erinnerungsbildern als wundervolles Lebenspanorama an uns vorbei, bevor es sich langsam auflöst (vgl. Ethische Fragen: An der Todesschwelle). Wir behalten nur das als ätherische Kompetenz, womit wir uns während des Erdenlebens ganz und gar identifiziert haben, was wir mit Willens- und Gefühlskräften durchdrungen und uns so erarbeitet und uns zu eigen gemacht haben. Alles andere löst sich auf: So wie die Stoffe des Körpers sich wieder mit der Erde verbinden, so verbinden sich die Ätherkräfte, die wir uns nicht angeeignet haben, wieder mit dem Weltenäther.

3. Tod des Astralleibes

Dem folgt eine nachtodliche Phase, die etwa ein Drittel der Lebenszeit andauert, in der wir mit unserem Astralleib und unserer Ich-Organisation alle unsere Erfahrungen bewusst noch einmal erleben, diesmal aber aus der Perspektive der anderen (vgl. Sterben und Tod: Auflösung des astralischen Organismus). Diese Phase der „Wahrheit des anderen“ erlebt unsere Seele als eine Läuterungszeit, in der wir für das nächste Erdenleben Impulse bekommen, wie wir einen Ausgleich schaffen können für die Vergehen an unseren Mitmenschen. Aber auch das Umgekehrte hat Auswirkungen – wenn wir jemanden beglückt haben: Beides greifen wir auf. Nach dieser Läuterungsphase stirbt auch der Astralleib.

Wir behalten nur das als ewige Seele und Astralität zurück, womit wir uns ganz und gar haben verbinden können, wozu wir ganz und gar stehen: Menschen, Dinge, Prozesse, Inhalte, Wesenhaftes, Wesentliches. Alles andere geht.

Eintritt in die Welt der Hierarchien

Erst nach diesem Lebensdrittel kommt der Eintritt in die geistige Welt der Hierarchien zur weiteren Planung: Da stehen sich dann wieder Gottvater und Mensch gegenüber und beraten, wie es jetzt weitergehen soll.

Rudolf Steiner sprach mit Menschen immer wieder über ein besonderes nachtodliches Erlebnismoment: Wenn ein Mensch stirbt, hat er neben dem Eintreten in die Lichtwelt auch das Erlebnis, dass sein abgelebter und zerfallender Leib ein Ort der Leere ist. Ein Ort im Weltall, den der Betreffende selbst ausgefüllt hatte, als er auf der Erde weilte und der jetzt leer ist. Dieses Gefühl, dass in dieser Welt ein Raum ist, ein Ort, den man wieder füllen muss, an den man berufen ist, um weiterzuarbeiten und mitzuhelfen in der großen Kultur- und Menschheitsentwicklung, dieses Bewusstsein ist eine starke Kraft, die den Menschen im nachtodlichen Leben begleitet. Sie trägt mit dazu bei, dass die Seele in der Mitte zwischen dem nachtodlichen und vorgeburtlichen Leben das Bedürfnis entwickelt, diesen Platz wieder einzunehmen, der ohne sie leer bliebe. Das hilft ihr, sich zu einer neuen Inkarnation zu entschließen.

Eigenes Schicksal als Ausgleich für frühere Leben begreifen

Von dieser Warte aus können wir uns auch fragen:

Was ist eigentlich mein Schicksal als Arzt, als Pflegender?

Wie muss ich wohl in einem früheren Leben gelebt haben, dass ich jetzt ein ganzes Leben lang anderen helfen will?

Ich beantwortet mir diese Fragen damit, dass meine Berufswahl sicherlich nicht nur Belohnung für gutes Benehmen ist, sondern ein Impuls, einmal die andere Seite, die soziale Seite, gründlich zu studieren als Ausgleich für eine mehr auf die Entwicklung von Individualkompetenzen ausgerichtete Inkarnation (vgl. Schicksal und Karma: Ich-Erleben und Schicksalsgestaltung). Um diese Entwicklungs- und Sterbezusammenhänge zu wissen, kann uns helfen, Demenzkranke und Sterbende würdig zu begleiten, gleichsam ihre geistige Würde wieder herzustellen – einfach dadurch, dass wir wissen, was geschieht.

Vgl. Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“, Dornach, 09.05.2008