Wie wir Verstorbenen Wärme spenden können
Wie können wir Lebenden unseren Verstorbenen Wärme spenden? Warum ist das so wichtig für sie? Inwiefern bilden das Herz und die Herzenswärme eine Brücke zu den Verstorbenen?
Warum ist das so wichtig für sie?
Inwiefern bilden das Herz und die Herzenswärme eine Brücke zu den Verstorbenen?
Das Herz als Wärmefühlorgan
Schon zu Lebzeiten fühlen wir uns schlecht, wenn wir frieren. Wir erkälten uns dann in der Regel meist auch. Der Körper kämpft darum, die Wärme durch eine Sollwertverstellung – das Fieber – hochzutreiben und die Erkältung durch diese temporäre Überwärmung auszugleichen. Anschließend pendelt sich die Körpertemperatur wieder bei siebenunddreißig Grad ein.
Das Herz ist bei diesem Prozess ein wichtiges Wärmefühlorgan. Im Herzen fühlen wir an zentraler Stelle, ob der Gesamtorganismus zu kalt geworden ist. Das Herz meldet, wenn es gefährlich wird. Das tun nicht die Füße und Hände. Mal vorübergehend kalte Hände zu haben, ist überhaupt kein Problem. Das gleicht der Körper Leicht aus. Aber wenn wir uns erkälten, ragt die Kälte bereits bis zum Herzen – das ist kurz bevor man anfängt am ganzen Körper zu zittern. Jetzt geht die Warnung vom Herzen aus.
Wärmeverlust nach dem Tod ausgleichen helfen
Das herausforderndste Erlebnis nach dem Tode ist der Verlust der gleichbleibenden Wärme, die unseren Körper durch das Blut und die Herztätigkeit zu Lebzeiten erfüllt. Das bedenkt man meist nicht, wenn man sich den nachtodlichen Bereich vorstellt.
Wenn wir sterben und unser Herz aufhört zu schlagen, legen wir den physischen Leib ja buchstäblich ab: Unser Ätherleib, Astralleib und Ich treten aus ihm heraus, verlassen ihn. Der Ätherleib dehnt sich aus, bildet dabei ein wunderbares Bilderpanorama und ermöglicht dem wegstrebenden Ich so eine Art Rückschau auf das eigene Leben. Dieses Panorama hält zusammen, solange das Ich über den Wärmeäther es noch umfasst und rückblickend aktiv damit beschäftigt ist.
Deswegen ist es so wichtig, dass man in der Panorama-Zeit, wenn er diesem Kälteschock ausgesetzt ist, bei dem Toten sitzt und ihm durch gute Worte, gute Gedanken, Gefühle, Tränen, Freude, Besinnung, Erinnerungen Wärme zukommen lässt, weil sich dadurch übersinnlich eine neue Wärmehülle bildet. In fast allen Totensprüchen von Rudolf Steiner heißt es sinngemäß ja auch: „Meine Liebe lindre deine Kälte...”
Hitze- und Kälteerleben in der Kamalokazeit lindern
Das bedeutet, dass die Hinterbliebenen lindernd einwirken können auf die Kälte- und Hitzeerlebnisse, die ihre Verstorbenen direkt nach dem Tode und daran anschließend beim ausführlichen Lebensrückblick während der Kamaloka-Zeit haben. In dieser Phase arbeiten sie zu Lebzeiten Gefühltes wie Hass, aber auch zu starke Sympathie oder Begierde in der Form auf, dass sie seelisch selbst erleben, was sie anderen zugefügt haben. Insofern wird auch das nachtodliche Erleben zu einer Sache des Herzens, das jetzt intensiv die Wärme und Kälte wahrnimmt, die von der Seele erlebt wird.
Wir Lebenden spielen dabei eine große Rolle. Denn das Herz ist die Brücke zwischen den Lebenden und Toten. Mit unserem Herzen können wir den Verstorbenen am innigsten fühlen und denken und so die Verbindung zu ihm halten. Selbst wenn wir jemanden im Bild vor uns haben, es ist letztlich das Herz, das Gefühl, das den Bezug zu diesem Bild herstellt und die innige Verbindung spürbar macht. Das wird allen Verstorbenen, mit denen wir uns auf diese Weise beschäftigen, aber auch uns selbst, auf tröstliche Weise guttun.1
Vgl. Vortrag „Das Herz als zentrales Organ“, 2014 in Dornach gehalten
- Mehr dazu in: Michaela Glöckler, Rolf Heine, Handeln im Umkreis des Todes. Praktische Hinweise für die Pflege des Körpers, die Aufbahrung, die spirituelle Begleitung des Verstorbenen, Persephone, Medizinische Sektion am Goetheanum.

