Physische Aspekte der Macht
Inwiefern ist jeder Mensch ein machtbegabtes Wesen?
Warum fühlen sich viele trotzdem so ohnmächtig?
Inwiefern üben wir von Geburt an Macht übereinander aus?
Die Macht, Gegebenheiten zu schaffen
Macht- und Führungsfragen sind Dauerthemen im privaten und beruflichen Leben der meisten Menschen der Gegenwart. Dabei spielt die Macht, die wir übereinander haben, gegen- oder füreinander ausüben, eine zentrale Rolle.
Die Fähigkeit, etwas zu tun und damit in irgendeiner Form Macht auszuüben, ist eine naturgegebene Veranlagung des Menschen, ähnlich der Möglichkeit zur Sinneswahrnehmung, zum Mitempfinden, zur Gedankenbildung und zur Ideenentwicklung. Stärke, Schönheit und Weisheit nannte man diese menschlichen Grundveranlagungen in den alten Kulturen.1
Wo immer der Mensch etwas unternimmt, verändert er die Welt und greift damit in Lebensbedingungen und Handlungsabläufe anderer Menschen, und oft auch der Erde, ein. Er kann gar nicht handeln, ohne zu verändern, zu beeinflussen, d.h. ohne „Macht“ auszuüben. Alles Gegebene, also alles, was bereits vorhanden ist, ist etwas, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Und deswegen ist eine Form der Machtausübung, dass man Fakten schafft, mit denen sich dann andere auseinandersetzen müssen.
Macht und Ohnmacht
Selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, so sind wir doch machtvolle Wesen, selbst wenn wir uns ohnmächtig fühlen und aus diesem Gefühl heraus meinen, nichts verändern und bewirken zu können. Auch über das Nicht-Tun haben wir von unserer Macht Gebrauch gemacht und Einfluss auf den weiteren Verlauf der Geschichte ausgeübt. Jeder beeinflusst jeden, und wir alle haben Einfluss auf das Ganze. Jeder Mensch verfügt über Macht, jeder schafft Fakten und Reibungsflächen für andere.
Sich ohnmächtig zu fühlen ist eine problematische Illusion. Denn gerade auch über das Gefühl der Ohnmacht kann man sehr viel Macht ausüben – ohne sich dessen jedoch bewusst zu sein. Klassische Konstellationen, bei denen Reibungsflächen durch „Ohnmacht“ entstehen, sind Säuglinge und Menschen im hohen Alter und ihre Betreuungspersonen. Beide sind hilfe- und pflegebedürftig, beide brauchen Zuwendung und Unterstützung und halten damit andere auf Trab. Dazu ein Beispiel: Schon nachdem er geboren ist, hat ein Säugling unglaubliche Macht über seine Mutter durch die Art, wie er reagiert: ob er schreit oder lächelt, ob er ruhig schläft usw. Seine Befindlichkeit beeinflusst das Handeln der Mutter manchmal mehr als die Wünsche des Partners oder ihre eigenen Bedürfnisse.
So hat jedes Lebensalter ganz spezifische Macht- und Konfliktmöglichkeiten. Macht beruht auf einer sozialen Gegebenheit, von der niemand ausgenommen ist: Jeder übt Macht über jeden aus. Die Frage ist nur, wie bewusst, weisheitsvoll und konstruktiv es geschieht.
Machausübung erfordert Kompetenz
Menschliche Beziehungen leben im Spannungsfeld von persönlichen Erwartungen und Ansprüchen einerseits und von sozialer Rücksichtnahme und der vom Leben und der Arbeit geforderten Sachkompetenz andererseits. Der Umgang mit der Macht erfordert demnach die Ausbildung von Fähigkeiten auf drei Gebieten:
Selbsterkenntnis und Selbsterziehung, d.h. Machtausübung über sich selbst in Form der Selbstbeherrschung.
Soziale Rücksichtnahme im Umgang mit den Bedürfnissen und Intentionen der Mitmenschen.
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Berufliche Qualifikation im Hinblick auf eine sachbezogene Lebensaufgabe, Hingabe an die „Macht einer Aufgabe“, der man sich widmen möchte.
Vgl. Vortrag „Macht und Freiheit“ an der Waldorfschule Heidenheim 2011
- Man denke in diesem Zusammenhang an die Leistungen der alten Griechen auf den Gebieten der Philosophie (Weisheit), der Plastik (Schönheit) und an die Wettkämpfe im Rahmen der Olympischen Spiele (Stärke).

