Beziehung als Raum von Machtausübung
Wie kommt Macht in Beziehungen zum Tragen?
Welchen Einfluss haben wir auf diesen Machtbereich?
Was macht einen Mächtigen erst zum Herrscher?
Beziehung als Machtbereich
Beziehungen stehen im Zentrum jedes Menschenlebens. Sie bereichern das Leben und sind die Grundlage für beglückende Formen des Zusammenwirkens. Sie können aber auch das Gegenteil bewirken, können Lähmung verursachen, Verwirrung stiften oder Hass und Kälte ausstrahlen. Probleme und Konflikte im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen können das Leben der Betroffenen so sehr belasten, dass das zu Krankheit und Tod führen kann.
Man kann sagen, Beziehungen sind der Raum, in dem die Wirkung unserer Taten, Gefühle und Gedanken aufeinander zum Tragen kommt, wo jede Form der Machtausübung eine unmittelbare Wirkung auf den anderen hat. Wie wir diese Wirkungen gestalten, prägt die Beziehung unmittelbar:
Ob das, was wir in diesem Beziehungskontext denken, fühlen, erleben und tun negative oder positive Auswirkungen hat;
ob wir und/oder der andere uns gefangen und ohnmächtig oder frei und verantwortlich fühlen;
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ob etwas bei uns Neid erregt oder Freude bzw. sogar Dankbarkeit.
Je besser man mit den Willensäußerungen des anderen umgehen kann, je weniger einen die Wirkungen seines Tuns stören, desto harmonischer wird die Beziehung verlaufen.
Umgang mit Konflikten
Das gilt auch für alle Konfliktsituationen, denn es gehören immer zwei zu einem Konflikt. Träte der eine beiseite und kämpfte nicht mehr mit, wäre jeder Streit beendet. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine problematische Beziehung dadurch automatisch „gerettet“ wäre.
Bei jedem Konflikt hat man zwei Möglichkeiten:
Ich beschließe, mich zu ändern, unterziehe mich einer Schulung. Das macht immer Sinn. So gesehen kann ein Übungsgewinn im Aushalten gewisser „unerträglicher“ Situationen liegen. Allein dieser Blickwinkel verändert die Situation manchmal schon.
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Oder ich entscheide mich zu gehen, die Beziehungssituation zu verlassen. Als Rudolf Steiner einmal gefragt wurde, ob es Gründe gäbe, eine Ehe zu trennen, antwortete er sinngemäß: „Ja, wenn sonst ein Partner in seiner Entwicklung behindert würde“. Solch eine Entscheidung für oder gegen eine Beziehung verlangt Mut und Ehrlichkeit sich selbst und dem anderen gegenüber.
Gründe für und Umgang mit Machtausübung
Jeder besitzt, je nach Willensvermögen und Motivationen, besondere Möglichkeiten zu handeln und damit auch, Macht über Vorgänge, Situationen und andere auszuüben. Das Spannende ist, dass es oft erst diese Gegebenheiten und Menschen sind, die zu derlei Macht-Handlungen motivieren. Schon in der Antike wusste man, dass ein Herrscher nur regieren kann, wenn Menschen da sind, die sich beherrschen lassen. Dasselbe gilt für jede noch so kleine Handlung:
Wären keine Gründe zu agieren gegeben, würde keine Handlung stattfinden. Sie liegen in den Menschen, deren Verhalten oder Bedürfnisse Anlass zum Handeln geben.
Würde niemand einen Handlungsbedarf sehen, würde es ebenfalls zu keiner Handlung kommen.
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Zudem braucht es eine Persönlichkeit, die bereit ist zu handeln, ihre Macht auszuüben.
Eben dieser Tatbestand zeigt, wie komplex und schwierig der bewusste Umgang mit der eigenen Macht bzw. mit der Macht, die andere über uns ausüben, sein kann. Lässt man sich jedoch darauf ein, kann man an Selbsterkenntnis und Weltverständnis gewinnen.
So besteht immer ein gewisser Spielraum, wie man sich zu Maßnahmen seitens Mächtigerer stellt, was man daraus für Konsequenzen zieht. Wir selbst entscheiden letztendlich darüber, ob wir in einer Situation äußerer Abhängigkeit auch innerlich unfrei werden, sodass wir tatsächlich „beherrscht“ werden. Denn selbst, wenn wir an den äußeren Machtverhältnissen und Verhaltensweisen von „Mächtigen“ nichts ändern können, so liegt es doch an uns, wie wir diesen Verhältnissen innerlich begegnen.
Vgl. Vortrag „Macht und Freiheit“ an der Waldorfschule Heidenheim 2011

