Frieden durch Schicksalsverständnis
Wie kommt die Schicksalsfrage in Beziehungen zum Tragen?
Warum ist Selbstschulung ein Weg zum Frieden?
Inwiefern kann Schicksalsverständnis Frieden stiften?
Bewusstsein und Verständnis durch Fehler
Die Beziehungsfrage ist immer auch eine Schicksalsfrage. Da lernt jeder von jedem, dabei machen wir Fehler und sind ständig in Gefahr, aneinander schuldig zu werden und uns von Schuld freisprechen zu wollen. Wir sollten nicht bedauern, dass das so ist, sondern sollten uns dem bewusst aussetzen, weil wir durch unsere Fehler Einsicht und Authentizität entwickeln.
Vieles von dem, was wir richtig machen, verdanken wir, wenn wir ehrlich sind, unserer Konditionierung und den Regeln, die wir einfach nachspielen. Unser Handeln entspricht oft gar nicht dem, was wir selbst wirklich können und wollen. Indem wir Fehler machen und Regeln verletzen, stellen wir uns plötzlich die Frage:
Will ich das, was ich da wie automatisch befolge, auch wirklich selbst?
Wir werden uns unserer selbst und unseres Denkens, Fühlens und Wollen tiefer bewusst. Dadurch entsteht ein völlig neuer menschlicher Boden, aus dem echtes Verständnis für andere und die Fähigkeit zu verzeihen erwachsen können. Man ist dann in der Lage, jedem auch seine Fehler zuzugestehen und nicht nur von seinen Stärken zu träumen. Nur so wird die Beziehungsfrage konkret, nur so bilden wir eine Schicksalsgemeinschaft, in der wir voneinander lernen.
Schicksalsverständnis schafft Frieden
Nur so werden wir das nötige Schicksalsverständnis in Bezug auf das eigene Leben erwerben, durch das alle Hindernisse überwunden werden können. Ein solches Schicksalsverständnis bildet die notwendige Vorstufe, um sich in bewusster Weise mit dem Menschheitsganzen zu verbinden.
Ein Weg ist das stufenweise Hineinwachsen in einen Schulungszusammenhang, einen sozialen Zusammenhang, wie er uns mit der Begründung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft (vgl. Freie Hochschule für Geisteswissenschaft: Arbeitsanliegen der Hochschule)und der Möglichkeit, in der Anthroposophischen Gesellschaft (vgl. Anthroposophie: Die Berechtigung der allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft im 21. Jahrhundert) tätig zu werden, geschenkt wurde.
Diese Arbeitsweise, die von Rudolf Steiner initiiert wurde, kann jederzeit und an jedem Ort von Menschen, die sich aus Liebe zur Anthroposophie in diesen großen Zusammenhang hineinstellen wollen, wieder aufgriffen werden.
Persönliche Schulung als Notwendigkeit
Was unsere gegenwärtige Zeit dringend braucht, ist eine Schulung darüber, wie im Sozialen Frieden möglich wird. Sie muss uns dazu befähigen, immer mehr Menschenverständnis, Menschenkenntnis und Schicksalsverständnis zu entwickeln.
Das nötige Schicksalsverständnis können wir aber nur entwickeln, wenn wir unser eigenes Seelen- und Geistesleben zu verstehen beginnen auf dem Wege der persönlichen Schulung: Ohne dass jede/r ihr/sein eigenes Schicksal bearbeitet und versteht, wird er oder sie nie Verständnis entwickeln für fremdes Schicksal (vgl. Schicksal und Karma: Schicksalserleben – persönlich, beruflich-sozial und zeitgeschichtlich). Und ohne dass wir fremdes Schicksal verstehen, werden wir nie einen Friedensbeitrag in schwierigen Verhältnissen leisten können.
Alle Heilung und jede Lösung erwachsen aus einer wesentlichen Voraussetzung: verstehen zu können, wie alles so kommen konnte und musste.
Vgl. Vortrag „Aufgaben und Ziele heutiger Zweigarbeit“, Farrach, 25.08.1993

