Frieden durch Schicksalsverständnis

Was sind die Voraussetzungen, dass der Mensch Frieden stiften kann?

Wir haben erlebt, dass es dem Menschen ohne das Ringen um ein Schwellenbewusstsein (vgl. Schwellenerfahrung: Schwellenbewusstsein im sozialen Leben)überhaupt nicht möglich ist, das nötige Schicksalsverständnis in Bezug auf das eigene Leben zu erwerben, durch das er alle Hindernisse überwinden kann. Schicksalsverständnis wiederum bildet die notwendige Vorstufe, um sich in bewusster Weise mit dem Menschheitsganzen zu verbinden. Es ist ein stufenweises Hereinwachsen in einen Schulungszusammenhang, einen sozialen Zusammenhang, der uns mit der Begründung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft (vgl. Freie Hochschule für Geisteswissenschaft: Leitmotive der Hochschule) und der Möglichkeit, in der Anthroposophischen Gesellschaft zu arbeiten, geschenkt wurde.

Diese Arbeitsweise kann jederzeit und an jedem Ort von Menschen, die sich aus Liebe zur Anthroposophie in diesen großen Zusammenhang hineinstellen wollen, wieder aufgriffen werden, weil sie von Rudolf Steiner damals initiiert wurde.

Was unsere gegenwärtige Zeit am Jahrtausendende braucht, ist eine Schulung darüber, wie im Sozialen Frieden möglich wird. Sie muss uns dazu befähigen, immer mehr Menschenverständnis, Menschenkenntnis und Schicksalsverständnis zu entwickeln. Das nötige Schicksalsverständnis können wir aber nur entwickeln, wenn wir unser eigenes Seelen- und Geistesleben zu verstehen beginnen auf dem Wege der persönlichen Schulung: Ohne dass ich mein eigenes Schicksal bearbeite und verstehe, werden mir nie die Verständnisorgane wachsen für fremdes Schicksal (vgl. Schicksal und Karma: Schicksalserleben – persönlich, beruflich-sozial und zeitgeschichtlich). Und ohne dass ich fremdes Schicksal verstehe, werde ich nie einen Friedensbeitrag in schwierigen Verhältnissen leisten können.

Alle Heilung und jede Lösung erwächst aus einer wesentlichen Voraussetzung: verstehen zu können, wie alles so kommen konnte und musste.

Vgl. Vortrag „Aufgaben und Ziele heutiger Zweigarbeit“, Farrach, 25.08.1993