Die der Therapiefindung gewidmeten Kapitel XIV bis XVIII
Welche Blickrichtungen werden in den jeweiligen Kapiteln skizziert?
Fünf therapeutische Perspektiven
In den genannten Kapiteln von „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“1 werden fünf therapeutisch-menschenkundliche Blickrichtungen geschildert, die es im Einzelfall gegeneinander abzuwägen oder zu kombinieren gilt.
- 1. Der therapeutische Aspekt des Siliziumprozesses
In Kapitel XIV wird der Silizium-Prozess zum Vorbild der therapeutischen Denkweise. Diese richtet ihr Augenmerk darauf, inwiefern Krankheitssymptome Ausdruck mangelnder oder überhöhter gegenseitiger Wahrnehmung bzw. Resonanz zwischen den Organsystemen und ihren Funktionen sind. Sie weisen auf die Notwendigkeit richtiger Balance zwischen notwendiger Abgrenzung und ebenso notwendiger Wahrnehmung der Belange des Gesamtorganismus.
- 2. Regulierungsmöglichkeiten bei schwacher Ich-Organisation
Im Kapitel XV werden verschiedene Regulierungsmöglichkeiten aufgezeigt, wenn die Ich-Organisation diese Aufgabe nicht mehr zureichend leisten kann. Wie in den Kapiteln I bis VII geschildert, zeigen Krankheitssymptome an, wie
- im physischen Leib die Mineralisierung,
- im ätherischen Leib die Wachstumsbereitschaft,
- sowie die vom Astralleib bewirkten Absonderungs- und Ablagerungsprozesse partiell überhandnehmen
wenn sich diese Wesensglieder der Integrationskraft der Ich-Organisation nicht (mehr) ausreichend fügen, weil diese an Kraft eingebüßt hat.
- 3. Heilmittelerkenntnis
In Kapitel XVI geht es um die Heilmittelerkenntnis, die man gewinnt, wenn man „durch der Natur Examen geht“2 und den Blick primär auf die Kräfte lenkt, die als Zentral- und Universalkräfte in der unbelebten und belebten Natur wirken.
- 4. Prozessorientierte Substanz-Erkenntnis
In Kapitel XVII liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, die Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner so formuliert hat: dass es die Aufgabe des Arztes sei, „die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.3 Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird in „Grundlegendes…“ anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.
- 4. Prozessorientierte Substanz-Erkenntnis
Kapitel XVIII enthält die fünfte therapeutische Blickrichtung: den regulierenden Einfluss von bewusst ausgeführten Bewegungsübungen auf die abbauenden und aufbauenden Stoffwechselprozesse.
Vgl. Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 20254
- Rudolf Steiner und Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.
- Ausspruch des Paracelsus, auf den auch Steiner sich im ersten Ärztekurs von 1920 bezieht.
- Rudolf Steiner, Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende, GA 316, 22.
- In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.

