Die Ich-Organisation in der Darstellung einzelner Kapitel

Inwiefern ist die Ich-Organisation Trägerin von Gesundheit, aber auch Ursache für jegliche Krankheit?

Wodurch beherrscht die Ich-Organisation die Erdenstoffe und Substanzen?

Wodurch werden Heilmittel zu Regulatoren und Unterstützern der Ich-Organisation?

Ich-Organisation als Verursacherin von Gesundheit und Krankheit

Die Ich-Organisation wird im Gang durch die Kapitel von „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“1 als das Kraftsystem geschildert, das für die Erhaltung der Gesundheit und für den Erfolg von Heilungsvorgängen den Ausschlag gibt. Daher steht sie im Zusammenwirken mit der ätherischen Organisation als Trägerin der Regenerations- und Selbstheilungskräfte im Fokus jeder therapeutischen Intervention.

Andererseits ist eben diese Ich-Organisation – zusammen mit dem Astralleib als außerkörperlich aktive ‚Geist- und Seelenfähigkeit‘ – zugleich Ursache und Grundlage dafür, dass wir krank werden und sterben können.

Zum Wirken der Ich-Organisation

Im Folgenden eine kurze Rekapitulation dessen, was in den einzelnen Kapiteln zur Wirkung der Ich-Organisation und den Substanzen in ihrem Dienst ausgeführt wird.

  • Kapitel I – Der Substanzstrom fügt sich dem Ich = Gesundheit

In Kapitel I heißt es in Bezug auf alle Substanzen: „Die Wesenheit, welche diese Stofflichkeit als ‚Ich-Organisation‘ annimmt, ist zunächst die Form des Erdenstoffes, in der sich dieser am meisten seiner irdisch-physischen Art entfremdet.“2 Das bedeutet, dass sich der Substanzstrom nach seinem Durchgang durch die Bereiche der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte auf der vierten Verwandlungsstufe dem „Weben und Wesen des ‚Ich‘“ in der Form einfügt, dass er ‚Geist tragend‘ wird (vgl. Natur und Kosmos: Substanzverständnis der Anthroposophie).3

Kann dieser Verwandlungsprozess ungestört stattfinden, ist Gesundheit die Folge.

  • Kapitel II – Ich-bedingte Störungen im Ätherischen

In Kapitel II werden Störungsmöglichkeiten aufgezeigt, indem zwei Formen des Krankseins geschildert werden, die jeweils durch ein zu starkes oder zu schwaches Untertauchen von Ich-Organisation und Astralleib in die physisch-ätherische Konstitution entstehen.

Jetzt bedarf es der Regulation durch Arzneimittel, die auf die eine oder andere Weise die ätherische Organisation in ihrer Regenerations- und Selbstheilungsfähigkeit unterstützen.

  • Kapitel III und IV – Über das Pflanzen- und Tierreich

In den Kapiteln III und IV wird die Ich-Organisation nicht erwähnt – hier stehen die ätherische und astralische Organisation und das durch sie mögliche Pflanzen- und Tierreich im Zentrum.

Deren gesundes Zusammenleben und -wirken ist im Haushalt der Natur im Sinne des ökologischen Gleichgewichts reguliert.

  • Kapitel V – Menschengestalt dank des Wirkens der Ich-Organisation

In Kapitel V wird die Ich-Organisation neu eingeführt als das Kraftsystem, welches in der Lage ist, die verschiedenen Kräftebereiche – den physischen, den ätherisch-pflanzlichen sowie den astralisch-tierischen – ‚im Fluss zu halten‘. Das bedeutet, die menschliche Konstitution vor jeglicher Spezialisierung und Einseitigkeit zu bewahren (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Die menschliche Konstitution). Dadurch verwandeln sich die Substanzströme im Bereich der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte nochmals: Es entsteht ein dreifacher Substanzstrom, aus dem heraus sich die innere und äußere menschliche Gestalt bildet. Dadurch wird sie zum Träger des selbstbewussten Geisteslebens .

„Bis in die kleinsten Teile seiner Substanz hinein ist der Mensch in seiner Gestaltung ein Ergebnis dieser Ich-Organisation.“4

  • Kapitel VI – Einfluss der Ich-Organisation auf Blut, Skelett und Gehirn

In Kapitel VI wird dies weiter erläutert, indem die gesamte Blutbildung bis hin zur Wirkung der Verdauungsenzyme als unter dem Einfluss der Ich-Organisation stehend geschildert wird (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Wärme, Blut und Ich-Organisation).

Und in der Bildung des Skeletts geht das Wesen der Ich-Organisation so vollständig auf (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Knochenbildung unter der Führung der Ich-Organisation), dass dieses als ihr physisches Abbild gesehen werden kann.

Im Gehirn dagegen ist das Ich als geistige Wesenheit tätig. Seine formbildende, ins Physische hineinwirkende Kraft wird dort aber ganz vom Ätherischen sowie von den Eigenkräften des Physischen überwältigt. Dem Gehirn liegt die organisierende Kraft des Ich also nur leise zugrunde, da sie im Wirken des Lebendigen und in den physischen Eigenwirkungen untergeht.

Das ist auch der Grund, warum das Gehirn zum Träger der geistigen Ich-Wirkung wird: Gerade weil die Ich-Organisation im Gehirn nicht organisch-physisch in Anspruch genommen wird, sind ihre Kräfte als solche völlig frei, sich geistig zu betätigen.5

  • Kapitel VII – Ich-Organisation, Eisen und Selbstheilungskräfte

In Kapitel VII wird die Ich-Organisation als maßgeblich für die körpereigenen Selbstheilungskräfte eingeführt. Diese beruhen darauf, dass die Ich-Organisation in der Lage ist, das im Sinne der äußeren Natur noch kristallisationsfähige Eisen in ihre Gestaltungskräfte hinein zu ‚zwingen‘ (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Das Blut als Instrument des Ich).

  • Kapitel VIII – Glukosestoffwechsel und Ich-Organisation

Im Kapitel VIII wird der gesamte Glukosestoffwechsel als Instrument der Ich-Organisation dargestellt (vgl. Ernährung und Verdauung: Zuckerstoffwechsel und Diabetes mellitus aus Sicht der AM):

„Wo Zucker ist, da ist Ich-Organisation; wo Zucker entsteht, da tritt die Ich-Organisation auf, um die untermenschliche (vegetative, animalische) Körperlichkeit zum Menschlichen hin zu orientieren.“6

  • Kapitel IX – Ich-Organisation als Beherrscherin des Unorganischen

Kapitel IX schildert die Eigenschaft der Ich-Organisation, sich bis in die Kräfte des unorganisch Toten hinein als beherrschend zu zeigen:

„Alles, was in den Bereich der Ich-Organisation kommt, erstirbt. Daher gliedert sich die Ich-Organisation im physischen Leib rein unorganische Substanzen ein. Diese wirken im menschlichen physischen Organismus nicht so wie in der leblosen Natur außerhalb des Menschen; aber sie wirken doch eben unorganisch, d.h. ertötend.“7 (vgl. Natur und Kosmos: Wirken der Substanzströme in Pflanze Tier und Mensch)

  • Kapitel X – Erdenstoffe als Wärmelieferanten für die Ich-Organisation

In Kapitel X wird deutlich gemacht, was mit der Formulierung, dass sich alle Erdenstoffe dem „Weben und Wesen des ‚Ich‘ einfügen“, gemeint ist. Denn von jeder im menschlichen Körper befindlichen Substanz kommt für die Ich-Organisation nur so viel in Betracht, als bei deren Wirksamkeit Wärmeentfaltung stattfindet.

Entzieht sich ein Wärmebezirk der Herrschaft der Ich-Organisation, so markiert dies den Beginn pathologischer Prozesse.

  • Kapitel XI – Ich-Organisation und Harnsäureverteilung

In Kapitel XI heißt es: In der richtig verteilten Harnsäureablagerung „kommt zum Ausdrucke, ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“8 (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Bedeutung von Harnsäure in Blut und Gehirn)

  • Kapitel XII – Ich-Organisation und Ausscheidungstätigkeit

Kapitel XII beschreibt das Wesen der Ich-Organisation als reine Wärmeaktivität – sowohl bei der Organbildung durch Erhöhung oder Verminderung der Wärmezustände, als auch in den Tätigkeiten, die nach innen oder nach außen zu Ausscheidungen führen.

Insofern in diesen Ausscheidungen Stoffe eingelagert sind, „die bis zum Unorganischen getrieben sind, dann lebt in diesen auch die Ich-Organisation“9

  • Kapitel XIII – Ich-Organisation und Phosphor

In Kapitel XIII wird der Phosphor als das Element geschildert, welches eine besondere Beziehung zur Ich-Organisation hat: Phosphor findet sich im menschlichen Organismus als Phosphorsäure und phosphorsaure Salze im Eiweiß, im Faserstoff [das Blutgerinnungssystem, MG], im Gehirn, in den Knochen. Er drängt zu den unorganischen Substanzen hin, die in dem Bereich der Ich-Organisation ihre Bedeutung haben.

Er regt die bewusste Tätigkeit des Menschen an.10

  • Kapitel XIV – Ich-Organisation und Kieselsäure

Kapitel XIV ist der Kieselsäure als der „physischen Grundlage der Ich-Organisation“ gewidmet, welche die Aufgabe hat, als regulierende und Gleichgewicht schaffende Instanz zu wirken. Die Gestaltung des Körpers und der einzelnen Organe ist aber nur möglich mithilfe einer Substanz, die einerseits in der ganzen Gestaltungsfülle der Lebenswelt beherrschend auftritt und die andererseits eine größtmögliche Oberflächensensibilität und Resonanzfähigkeit besitzt. (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Silizium und Wahrnehmungsfähigkeit).

Das ermöglicht ein sensibles und selbstbewusstes Leben in der Sinneswelt.

  • Kapitel XV – Heilmittel für altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus

In Kapitel XV werden Heilmittelwirkungen geschildert, die altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus regulieren können: „Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“11

  • Kapitel XVI – Parallelen von Antimonprozessen und Ich-Organisation

Kapitel XVI schließlich zeigt auf, dass Antimonprozesse so wirken, „wie die Ich-Organisation“.12 Das wird am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie am Prozess der Austernschalenbildung.

Für alle drei Substanzen, von denen hier die Rede ist, gilt, dass, wenn man sich näher mit ihnen befasst, dies das Verständnis der von Rudolf Steiner und Ita Wegman charakterisierten Wirkungsweisen untermauert. Denn es komme darauf an, „die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen“.13

Vgl. Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 202514

  1. Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.
  2. Siehe FN 1, S. 9.
  3. Ebenda.
  4. Siehe FN 1, S. 29.
  5. Siehe FN 1, S. 36.
  6. Siehe FN 1, S. 44.
  7. Siehe FN 1, S. 48.
  8. Siehe FN 1, S. 57.
  9. Siehe FN 1, S. 63.
  10. Siehe FN 1, S. 67.
  11. Siehe FN 1, S. 74.
  12. Siehe FN 1, S. 79.
  13. Siehe FN 1, S. 77.
  14. In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.