Sozialfähigkeit durch soziales Umfeld

Inwiefern sind größere und kleinere soziale Gemeinschaften richtungweisend für die eigene Biografie?

Was verdanken wir als Individuen dem sozialen Umfeld?

Was alles gehört zu diesem bunten Strauß an Impulsgebern?

Soziale Gemeinschaften im Laufe des Lebens

Im Laufe des Lebens durchläuft jeder Mensch sehr verschiedene soziale Gemeinschaften und macht mit ihnen seine Erfahrungen. Zuerst findet er die individuell geformte und zusammengesetzte Familiengemeinschaft vor, dann meist die Kindergarten- und Schulgemeinschaft. Es folgt die Berufsausbildung und Arbeit, wo wiederum viele soziale Erfahrungen gemacht werden können. Dann kommen oft Heirat und Familiengründung, womit sich der Kreis zu schließen beginnt. Denn jetzt wird die Gemeinschaft wieder kleiner, vor allem für die, die überwiegend zu Hause sind: Hausfrau oder Hausmann.

So ist die menschliche Biographie durch den Wechsel von mannigfaltigen sozialen Zusammenhängen gekennzeichnet, in die wir uns hineinbegeben, einmal eng und klein, dann aber auch wieder größer, weiter gespannt.1

Hinzu kommen die Medien und allen voran das Internet, das uns an die globale Gemeinschaft anschließt. Immer wieder aber gibt es – freiwillige oder erzwungene – Phasen der Einsamkeit, in denen wir uns nicht in einer Gemeinschaft erleben, die für unsere Entwicklung Bedeutung hat oder um derentwillen wir uns entwickeln.

Zwischen Punkt und Umkreis

Was sich um eine Persönlichkeit als soziales Umfeld gliedert, kann ganz unterschiedliche Dimensionen annehmen. Es kann sich ausdehnen und zusammenziehen, ja sogar zu einem realen Punkt schrumpfen, dass man sich von allem abgeschnitten fühlt. Oder aber man erlebt das große Ganze darin, wie sich in einem einzigen Wassertropfen das Weltall spiegelt. So besteht dauerhaft eine oszillierende Spannung zwischen dem Kreismittelpunkt – der Individualität – und der Umgebung.

Entwicklung ist ohne Gemeinschaft, ohne soziales Umfeld nicht möglich. Denn alles, was man kann oder in sich trägt, verdankt man Erlebnissen in der jeweiligen Umgebung, die einen für dieses oder jenes wach gemacht bzw. angeregt haben.

  • Zu diesen Impulsgebern gehören Menschen des persönlichen Schicksalsumkreises

  • wie auch natürliche Gegebenheiten wie Farben, Formen, Licht, Luft, Pflanzen, Tiere, Himmel, Wolken und Sterne.

  • Dazu gehört auch die vom Menschen geschaffene Umwelt: Geräusche, Gerüche, Geschmack, Autos, Bilder, Geschäfte – auch hier ist eine größtmögliche Vielfalt gegeben.

Aus dieser Fülle an Lebenseindrücken heraus speist sich das seelische Innenleben des einzelnen.

Vgl. „Macht in der zwischenmenschlichen Beziehung“, 9. Kapitel, Verlag Johannes M. Mayer, Stuttgart – Berlin 1997

  1. Vgl. Diether Lauenstein, Der Lebenslauf und seine Gesetze; Gisela O'Neil, Der Lebenslauf; Rudolf Steiner, Vom Lebenslauf des Menschen.