Entsprechungen zwischen Denkweisen und Körperfunktionen

Welche Entsprechungen gibt es zwischen unterschiedlichen Denkweisen und Körperfunktionen?

Welche Rückschlüsse ergeben sich daraus?

Wie lassen sich Besonderheiten aus der Embryologie dadurch erklären?

Alles hängt mit allem zusammen

Wer sein eigenes Denken beobachtet, kann feststellen, wie im Denken alles mit allem zusammenhängt – genauso wie das in jedem lebendigen Organismus der Fall ist (vgl. Denken: Entwicklung der Organsysteme und Denken):

  • So entspricht analytisches Denken den analytischen Verdauungsprozessen

  • Synthetisches Denken korreliert mit den Syntheseprozessen im Organismus.

  • Die Aggregatzustände: fest, flüssig, gasförmig finden sich in der Funktionsdynamik des Denkens wieder als ‚feste’ Vorstellungen, bewegliche, zu definierende Begriffe und spontan – wie eingeblasen – auftretende ‚Einfälle’ (vgl. Denken: Die vier Qualitäten von Denken und Leben).

  • Die Gesetzmäßigkeiten der Wärme hingegen, die die Aggregatzustände beherrschen, finden sich im Denken wieder als die beherrschenden und ‚begeisternden’ Wertvorstellungen und Lebensideale, die das Denken immer wieder neu anspornen, beleben und verwandeln (vgl. Wärme: Wärme und Seinsebenen).

Worauf die Bezüge aus dem Sprachgebrauch deuten

Auch im Sprachgebrauch finden sich klare Bezüge zu dieser Tatsache:

  • wenn z.B. von ‚geistiger Nahrung‘ gesprochen wird

  • oder man eine ‚schwer verdauliche Nachricht‘ bekommt, die erst noch verarbeitet werden muss;

  • oder aber wenn ein ehrlicher Mensch als ‚vertikal’ bezeichnet wird,

  • wenn gesagt wird, jemand stünde ‚auf eigenen Füßen’,

  • hätte den ‚Kopf oben’, ein ‚ungebrochenes Rückgrat’ und vieles mehr.

All das deutet darauf hin, dass dieselbe weisheitsvolle Gesetzlichkeit der Schöpfung, die den Leib gebildet hat und ihm sichtbar-materiellen Ausdruck gibt, in der Denkbetätigung dem Menschen als freies, leibunabhängiges schöpferisches Vermögen zur Verfügung steht. Hier unterliegt es keiner naturgesetzlich vorgegebenen Steuerung, keiner biologischen Notwendigkeit – vielmehr bedarf es der Selbstlenkung, der autonomen Gedankenführung durch den individuellen Menschen.

Diesbezügliche Besonderheiten in der Embryologie

So betrachtet ist das Gehirn ein Reflexionsorgan real vorhandenen Gedankenlebens – nicht jedoch ein hypothetisch angenommenes Gedanken-Produktionsorgan (vgl. Gedankenkraft: Sinnliches Gehirn und übersinnliche Gedanken).1 Auch lassen sich Besonderheiten in der Embryologie besser verstehen, wenn wir sie unter dem Gesichtspunkt der Entsprechung von Körperleben und Gedankenleben näher hinterfragen:

Warum ‚leistet’ es sich jeder menschliche Embryo in den ersten 5–6 Wochen, sowohl das männliche wie auch das weibliche Geschlecht organisch zu veranlagen?

Denn ab da baut der männliche Embryo die weibliche Fortpflanzungsanlage wieder ab und umgekehrt der weibliche die männliche.

Wozu also dieser Umstand?

Interessanterweise bleiben aber kleine Rudimente vom entgegengesetzten Geschlecht zeit-lebens als kleine organische Anhängsel der Keimdrüsen bestehen.

Warum werden sie bis ins hohe Alter erhalten und nicht abgebaut?

Erst unter dem Aspekt der Doppelfunktion leibbezogener und außerkörperlicher Tätigkeiten der Ätherkräfte können diese Phänomene wirklich verstanden werden.

  • Denn durch die Aufrechterhaltung dieser entwicklungsgeschichtlichen Rudimente bleiben die ätherischen Kräfte des entgegengesetzten Geschlechts dem physisch-organischen Lebenszusammenhang verbunden, obwohl sie dort keine somatische Funktion haben. Das ist das eine.

  • Durch ihre Rückentwicklung können zum anderen die freigewordenen Wachstumskräfte vollumfänglich für die außerkörperliche, geistig-schöpferische Gedankentätigkeit zur Verfügung stehen.

Männliches und weibliches Denken und körperliche Konstitution im Vergleich

Wenn man nun typisch männliches und weibliches Denken vergleicht, lassen sich die Unterschiede in der jeweiligen Funktionsdynamik der Denktätigkeit mit der unterschiedlichen Funktionsdynamik der Fortpflanzungsorgane erklären (vgl. Männliche und weibliche Konstitution: Männliches und weibliches Denken). Auch wenn man durch gedankliche Lernprozesse und Disziplinierung lernen kann, diese Unterschiede weitgehend auszugleichen, so bleibt die Verschiedenheit der Grundbegabung männlichen und weiblichen Denkens dennoch bestehen:

  • Das männliche Denken ist abstrakt und systematisch,
  • wohingegen das weibliche Denken beweglicher und spontaner agiert.

Rudolf Steiner spricht daher wiederholt in seinem Vortragswerk davon, dass der Mann einen weiblichen Ätherleib habe und die Frau einen männlichen.2 Selbstverständlich hat der Mann bezogen auf seinen physischen Leib einen männlichen Ätherleib und die Frau einen weiblichen. In der leibfreien Gedankenaura kommt jedoch der entscheidende Unterschied zum Tragen:

  • in der weiblichen Konstitution die Prägung der gedanklichen Produktivität durch die physisch nicht realisierte Lebenstätigkeit der männlichen Fortpflanzungsorgane

  • und im männlichen Denkvermögen durch die bei ihm physisch nicht realisierten weiblichen Reproduktionsorgane.3

Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 20254

  1. Siehe auch Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, Kapitel 6.
  2. Vgl. z. B. GA 93a, S. 74.
  3. Vgl. Glöckler (2023a), S. 193–197.
  4. In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.