Stoffwechsel und Denken

Inwiefern ist die offene Lemniskate Symbol für den Menschen?

Worauf beruht der unmittelbare Zusammenhang von Stoffwechsel und Denken?

Offene Lemniskate als Symbol der menschlichen Konstitution

Der Merkurstab der Mediziner ist eine offene Lemniskate (vgl. Krankheit: Das Geheimnis des Merkurstabs). Kein Symbol kann die polare Funktionsdynamik des Ätherischen besser zum Ausdruck bringen als die offene Lemniskate. Sie bildet als stehende, nach oben hin offene Acht die menschliche Grundkonstitution ab, die der Natur des Menschen zugrunde liegt. Die körperbezogene Wirkung der ätherischen Organisation und die dem Gedankenleben dienende Wirkung haben eine entsprechend entgegengesetzte Orientierung (vgl. Doppelnatur des Ätherischen: Gegenseitige Beeinflussung von Gedanken- und Körperleben).

Der unmittelbare Zusammenhang zwischen gesundem und krankem Denken und Stoffwechsel lässt sich anhand davon gut verdeutlichen, da beide Prozesse ätherischer und damit lemniskatisch-polarer Natur sind, die einander bedingen:

Alle destruktiven Neigungen entspringen also einerseits unserem Stoffwechsel, andererseits negativen Wahrnehmungsinhalten über die Sinne sowie egoistischem Denken. Auch die egoistisch ausgelebte Sexualität gehört dazu: Destruktivität und Sexualität sind dann unlöslich miteinander verbunden. Das wird verstärkt von den Bildern, die besonders diese Bereiche ansprechen, wie es in der heutigen Sex- und Spaßindustrie geschieht. Diese von oben und unten kommenden, fehlgeleiteten Kräfte regen das destruktive Potential im Menschen an und wirken sich auch kränkend auf das Seelische aus. Wenn wir diese Zusammenhänge begreifen, können wir verstehen, warum so viele böse Neigungen und so viel Egoismus in die Seele einstrahlen (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Physiologie des Egoismus).

Wechselwirkung von Denken und Verdauung

Das hat Konsequenzen, die einem ätherischen Gesetz folgen, auf dem das spirituelle Krankheitsverständnis der Anthroposophischen Medizin gründet: Was sich in der einen Hälfte der Lemniskate nach innen richtet, wechselt im Kreuzungspunkt die Richtung und geht nach außen – und umgekehrt (vgl. Krankheit: Das Geheimnis des Merkurstabs). Der unmittelbare Zusammenhang zwischen gesundem und krankem Denken und Stoffwechsel lässt sich anhand davon gut verdeutlichen als ätherische Prozesse, die einander bedingen:

Wenn es uns beim Denken, repräsentiert vom oberen Teil der Lemniskate, überhaupt nicht um Erkenntnis von Wahrheit geht, sondern wenn alle Gedanken nur um uns selbst kreisen bzw. es uns nur um die Ansammlung von Informationen geht, um möglichst viel Input und Wissen, wenn wir uns quasi gedanklich „zumüllen“ und nicht gewillt sind, selber zu denken und zu urteilen, indem wir uns der Welt öffnen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die Verdauung (vgl. Denken: Wahrheit als Grundlage für Körperaufbau und Denken). Denn dann werden die Stoffwechselprozesse unseres Köpers aufgrund der polar arbeitenden Natur des Ätherleibes ebenfalls in entgegengesetzter Weise aktiv werden: Wir werden für Krankheitserreger offen sein und so eine Immunschwäche entwickeln.

Umgekehrt haben unsere Ernährung und unsere Lebensgewohnheiten auch immense Auswirkungen darauf, ob unser Gedankenleben sich über das rein Materielle aufzuschwingen in der Lage ist.

Frieden schaffen durch Selbstüberwindung

Um dem vorzubeugen, dass etwas Gutes am falschen Platz geschieht und dadurch „böse“ wird und schädigende Auswirkungen hat, müssen wir im Laufe unserer menschlichen Entwicklung lernen, diese drei Bereiche vom Ich aus in der richtigen Art zu beherrschen und zu kultivieren und so für Gleichgewicht und Frieden sorgen (vgl. Anthroposophische Menschenkunde: Zwischen Tier und Mensch unterscheiden).

  • Die Zerstörungskräfte im Darm befrieden

Nehmen wir das Beispiel der Verdauung: Im unbewussten Stoffwechselleben gelingt uns das weitgehend durch eine gesunde rhythmische Art, mit den Lebensvorgängen, mit unseren Ess- und Schlafgewohnheiten sowie der Fortpflanzungsmöglichkeit umzugehen. Die Stoffwechselprozesse dienen dazu, unseren Leib gesund zu erhalten. Dazu gehören Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie die Atmung. Alle Nahrung wird im Verdauungstrakt komplett zerstört, damit der Mensch sie verdauen und daraus menschliche Substanz aufbauen kann. Solange diese Zerstörungskräfte sich auf die Verdauungsarbeit beschränken, haben wir keine Probleme: Denn die Natur muss in uns Mensch werden (= verdauen), damit wir einen gesunden Körper, ein starkes biologisches Ego, aufbauen können.

  • Die Zerstörungskräfte im Gehirn befrieden

Das Gedankenleben kann als eine Art umgekehrter Ernährungs- oder Verdauungsprozess angesehen werden. Denn wenn wir im Denken aktiv und geistig beweglich sind, wollen wir die Zusammenhänge der Welt wirklich verstehen. Dazu müssen wir aus uns herausgehen und zum anderen hingehen, müssen wir uns der Wahrheit der Dinge annähern, müssen sie uns zu eigen machen, uns ganz mit ihr verbinden. Erkennen ist so gesehen spirituelle Empathie, geistige Kommunion: Man identifiziert sich mit dem, was man verstehen will. Wenn ich z.B. denke 2 + 2 = 4, muss ich diesen Prozess mit- und nachvollziehen, sonst verstehe ich ihn nicht. Das bedeutet: Der Mensch muss im Denken zur Welt werden (= erkennen), wenn er zu wahrheitsgemäßen Erkenntnissen kommen will.

Auf diese Weise müssen wir fortwährend die destruktiven Einstrahlungen in unser Denken und Fühlen durch innere geistige Arbeit ausgleichen und befrieden, indem wir uns bis ins Gefühl hinein mit der Wahrheitswelt verbinden. (vgl. Erzengel Raphael: Raphael als Quelle alles Heilenden). Wer sich mit edlen, guten, sinnvollen Zielen emotional verbindet, kann seinen Egoismus in den Dienst des Guten stellen. Rudolf Steiner formuliert es sinngemäß so: Der sich befreiende, auf sich selbst gestellte, autonome Mensch, der nicht ständig etwas für sich braucht, kann zur Verfügung stehen, kann seinen ganz individuellen Kulturbeitrag durch die Überwindung des Bösen in sich leisten (vgl. Angst: Wurzeln und Aufgabe der Existenzangst).

Man erkennt den Freiheitsgrad von Menschen an ihrer Verfügbarkeit – das ist ein spirituelles Gesetz: Je freier ich bin, desto souveräner kann ich meine individuellen Fähigkeiten, anstatt sie auf Selbstoptimierung auszurichten, instrumentalisieren und für die Dinge einsetzen, die mir wesentlich sind. Ich entscheide dann selbst, wofür ich mich engagieren will und wo nicht.

Vgl. „Ich im Netz. Was geschieht mit uns im Internet?“, Amthor Verlag, Heidenheim 2015