Vielseitige Wirkungen von Antimon-Verbindungen
Inwiefern ist Antimon ein typisches Heilmittel?
Wie lässt sich die vielseitige Verwendung von Antimon in der Medizin erklären?
Wie wirkt Antimon im menschlichen Organismus?
Antimon unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet
- Antimon in der Darstellung von Kapitel XVI
In Kapitel XVI von „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“1wird Antimon/Stibium beispielhaft angeführt, wie man zur „Heilmittel-Erkenntnis“ kommen kann (vgl. Anthroposophische Heilmittel: Anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis am Beispiel von Antimon). Über 60 Krankengeschichten sind dokumentiert, in denen Rudolf Steiner das Stibium zur Behandlung empfiehlt:
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in Form von äußerer Salbenanwendung
oder Sitzbädern,
innerlich als potenziertes Präparat aus Antimonspiegel, Stibium metallicum praep. (Antimonit)
sowie als Tartarus stibiatus, dem sogenannten Brechweinstein, einem schon von alters her bekannten Heilmittel. 1
In diesem Kapitel wird das Antimon zudem dargestellt, wie es sich im Spannungsfeld der von der Erde ausstrahlenden physisch orientierten Gravitationskräfte und den auf die Erde ein- strahlenden Ätherkräften orientiert, und eine starke Neigung hat, sich den einstrahlenden Kräften zu fügen.
- Antimon in der Darstellung von Kapitel XX
In Kapitel XX wird der Charakter des Antimons als typisches Heilmittel beschrieben. Es kann überall da Anwendung finden, wo ein Ungleichgewicht entsteht zwischen den flüssig-weichen eiweißbildenden Kräften und den strukturierenden, gerinnungsfördernden Kräften im Blut. Hier wird seine besondere Beziehung zum Astralleib des Menschen geschildert. Diese Beziehung macht das Antimon zum typischen Heilmittel und erklärt nicht nur seine unterstützende Wirkung für die gesunde Gerinnungsfähigkeit des Blutes, sondern vor allem auch seine strukturierende und klärende Einwirkung auf die seelische Befindlichkeit.
Antimon erweist sich nicht nur als ein Mittel, das so wirkt „wie die Ich-Organisation“,3deren Organ das Blut ist. Seine Wirkung erstreckt sich analog der Wirkung der Ich-Organisation durch alle Wesensglieder hindurch bis hin zur physischen Organisation.
„Man hat nun im Blute gewissermaßen den Gleichgewichtszustand zwischen formbildenden formauflösenden Kräften. Das Antimon kann wegen seiner beschriebenen Eigenschaften die formbildenden Kräfte des menschlichen Organismus in das Blut überführen, wenn dazu der Weg durch die Verbindung mit dem Schwefel gebahnt wird. Daher sind die Kräfte des Antimons diejenigen, welche in der Gerinnung des Blutes wirken. Geisteswissenschaftlich stellt sich die Sache so heraus, dass der astralische Leib in denjenigen Kräften, die zur Gerinnung des Blutes führen, verstärkt wird. Man muss im astralischen Leibe in den Antimonkräften ähnliche Kräfte sehen, die im Organismus von innen nach außen zentrifugal wirken. Diesen antimonisierenden Kräften wirken entgegen die von außen nach innen gerichteten Kräfte, die das Blut verflüssigen und verflüssigtes Blut plastisch in den Dienst der Körperbildung stellen.“4
Antimon als Heilmittel bei Typhus
Die in den Kriegs- und Krisenjahren im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts weitverbreitete Typhus/Paratyphuserkrankung gehörte zu den typischen Krankheitserscheinungen in dieser Zeit. Die Empfänglichkeit dafür, abgesehen von den prädisponierenden unhygienischen Lebensumständen, wird als Ungleichgewicht zwischen der strukturierenden Tätigkeit der Ich-Organisation und der bildenden und lösenden Tätigkeit der ätherischen Organisation angesehen, die durch die astralische Organisation vermittelt werden muss. Denn so wie den physischen, von der Erde ausstrahlenden Kräften die ätherischen, auf die Erde einstrahlenden gegenüberstehen, sind die astralischen Kräfte in sich polar in der Beziehung zwischen innen und außen wirksam, d.h. zwischen der seelischen Innenwelt und der Wahrnehmungswelt draußen, zwischen dem sich in Sympathie Öffnen und in der Antipathie Abgrenzen.
„Man wird immer bemerken, dass die Antimonaufnahme Gedächtnisverstärkung, Hebung der schöpferischen Kräfte der Seele, innere Geschlossenheit der Seelenverfassung hervorrufen. Der Organismus wird von der verstärkten Seele aus regeneriert. Das fühlte man in der älteren Medizin. Ihr war daher das Antimon ein Universalmittel. Wenn wir auch nicht auf diesem extremen Standpunkte stehen, so müssen wir doch, wie aus dem Obigen hervorgeht, in dem Antimon ein vielseitiges Heilmittel suchen.“ 5, 6
Vgl. Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 20257
- Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.
- Es ist dies Kaliumantimonyltartrat, das durch Sättigung von gereinigtem Weinstein mit Antimonoxid entsteht, farblos-durchsichtige Kristalle bildet und insbesondere bei Lungen- und Magen-Darm-Erkrankungen Anwendung fand (Vgl. Krüger 1995).
- Siehe FN 1, S. 79.
- Siehe FN 1, S. 119f.
- Ebenda, S. 120f.
- Vgl. auch Engel (2019), 111–122; Jachens (2014), 256–264; Rißmann (2010), 123–127; Cloos (2001), 374–378; Bavastro (1990), 239–244; Weckenmann (1985), 208–220; Baerens (1983), 209–210; Berthold (1954), 85–114.
- In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.

