Pyrit, ein Mittel gegen Tracheitis und Bronchitis
Was verursacht Tracheitis und Bronchitis?
Inwiefern machen Eisen und Schwefel Pyrit zum idealen Heilmittel dafür?
Wieso macht es Sinn, heilend auf das Verhältnis von Puls und Atemfrequenz einzuwirken?
Ursprung von Tracheitis und Bronchitis
Die meist durch Viren verursachte Entzündung der Luftröhre (Tracheitis), meist auch verbunden mit Schnupfen und im Übergang zum Lungengewebe mit Bronchitis, ist weit verbreitet, insbesondere in der kalten Jahreszeit oder bei einer stärkeren Belastung der Luft z.B. mit Feinstaub. Dahinter verbirgt sich aber die Frage, wieso der eine Mensch anfällig dafür ist und ein anderer unter denselben Bedingungen lebt und keine Tracheitis oder Bronchitis bekommt.
In der anthroposophisch orientierten Diagnostik zeigt sich der Ursprung der Tracheitis und Bronchitis in einer rhythmischen Dysfunktionalität zwischen Blutzirkulation und Atmung. Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben es folgendermaßen: „Man müsste eigentlich nicht Pyrit sagen, sondern Pyritprozess. Dieser Prozess, der im Mineral Pyrit wie in Erstarrung festgehalten ist, entspricht dem, was aus dem Zusammenwirken des Eisenprozesses und des Schwefelprozesses entstehen kann. Das Eisen regt, wie schon in dem vorigen Abschnitte gezeigt ist, die Blutzirkulation an, der Schwefel vermittelt die Verbindung zwischen Blutzirkulation und Atmung. Gerade da, wo Blutzirkulation und Atmung in ein Verhältnis treten, liegt der Ursprung der Tracheitis und der Bronchitis, sowie auch gewisser Formen des Stotterns.“1
Schwefel als Vermittler
Um zu verstehen, wieso hier der Schwefel die Vermittlung herstellen kann zwischen der Blutzirkulation und der Atmung, wenn er sich mit dem Eisen verbindet, sind Ausführungen Rudolf Steiners hilfreich, die er am 1. April 1920 den Ärzten und am 11. Juni 1924 den Landwirten gegenüber bezüglich des Schwefels machte: „Sie wissen, daß im Sinne der gegenwärtigen Chemie die hauptsächlichsten Bestandteile des Eiweißes sind die vier wichtigsten Stoffe in der Natur: Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, und daß dazu kommt Sulfur oder Schwefel als, ich möchte sagen, durchhomöopathisierend dasjenige, was die anderen vier Stoffe tun.“2
„Denn der Schwefel ist gerade dasjenige innerhalb des Eiweißes, was den Vermittler darstellt zwischen dem überall in der Welt ausgebreiteten Geistigen, zwischen der Gestaltungskraft des Geistigen und dem Physischen. Und man kann schon sagen, wer eigentlich in der materiellen Welt die Spuren verfolgen will, die der Geist zieht, der muß die Tätigkeit des Schwefels verfolgen. Wenn auch diese Tätigkeit nicht so offen liegt wie diejenige anderer Stoffe, so ist sie darum doch gewiß von der allergrößten Bedeutung, weil auf dem Wege des Schwefels der Geist in das Physische der Natur hereinwirkt, Schwefel ist geradezu der Träger des Geistigen. Er hat seinen alten Namen Sulfur, der ja verwandt ist mit dem Namen Phosphor; er hat seinen alten Namen, weil man in älteren Zeiten in dem Licht, in dem sich ausbreitenden Licht, dem sonnenhaften Lichte sah auch das sich ausbreitende Geistige. Und man nannte deshalb diese Stoffe, die mit dem Hereinwirken des Lichts in die Materie zu tun haben, wie Schwefel und Phosphor, die Lichtträger.“3
Verhältnis von Pulsschlag und Atmung
Dieser Bezug des Schwefels zum Weltengeist, zum Welten-Ich – d.h. zu den Kräften im Weltenall, die an der Evolution Anteil haben, die zum Menschen hinführt, so dass dieser ein Ich-begabtes Wesen werden kann – dieser Bezug hat auch eine rhythmische Komponente, die unmittelbar mit der Atmung zusammenhängt. Der Schwefel entfaltet seine vermittelnde Funktion, indem er „den physischen Leib geneigt macht, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen“.4 Diese Belebung in Verbindung mit dem Eisenprozess im Blut stärkt die körpereigene Abwehr in dem Grenzgebiet zwischen Zirkulation und Atmung. Dabei ist interessant, dass im besten Erholungsschlaf auf einen Atemzug vier Pulsschläge kommen – oder seltener andere ganzzahlige Verhältnisse. Das Verhältnis 1 : 4 stellt den idealen Zusammenhang von Atem- und Pulsrhythmus dar, was auch für die Sprachtherapie von essentieller Bedeutung ist.5
Da bestimmte Formen des Stotterns damit zusammenhängen, dass die betreffenden Kinder oder Erwachsenen schneller denken als sie sprechen können und dadurch auch der Atemrhythmus gestört wird, kann ein funktionell beeinflussbares Stottern mit einer Pyrit-Therapie in Verbindung mit Sprachtherapie geheilt werden. Wobei sich in der unterstützenden Sprachtherapie der Hexameter-Rhythmus bewährt hat, dem das Verhältnis von 1 : 4 zugrunde liegt. Statistisch gesehen stellt sich dieser Rhythmus bei den meisten Menschen während der Nacht über eine gewisse Zeit ein.
Heart-Rate-Variability als Diagnose-Tool
Inzwischen gib es auch eine breite Forschung zur sogenannten Heart-Rate-Variability, die zeigt, dass je mehr der Puls-Atemquotient von ganzzahligen Verhältnissen abweicht, dies Hinweise gibt auf vegetative Störungen bis hin zu manifesten Organerkrankungen.6 Inwieweit sich dieses rhythmisch-musikalische Verhältnis 1 : 4 auch bis in die Bildung der Organe der rhythmischen Funktionsordnung von Herz-Kreislaufsystem und Atmung während der Embryonalentwicklung nachweisen lässt, ist empirisch noch nicht erforscht.
In „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“ heißt es zusammenfassend: „Dieser Prozess zwischen Blutzirkulation und Atmung, der zugleich der Prozess ist, aus dem die entsprechenden Organe im Embryonalleben gebildet werden und im weiteren Leben sich immer wieder erneuern, kann von der dem Körper zugeführten Eisenschwefelsubstanz übernommen werden, wenn er im Organismus nicht normal verläuft. […] Der Eisenprozess wird von dem Stoffwechsel bis in die Blutzirkulation geführt. Der Schwefelprozess tritt von der Blutzirkulation in den Atmungsvorgang über.“7
Vgl. Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 20258
- Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 118.
- Rudolf Steiner, Geisteswissenschaft und Medizin, GA 312, S. 222.
- Rudolf Steiner, Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus, GA 327, 52.
- Vgl. auch Glöckler (2016a), 16–18.
- Vgl. von Bonin u. a. (2020).
- Vgl. Moser u. a. (2017) und (1994); Cysarz (2018).
- Siehe FN 1.
- In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.

