Arzneimittel aus der Natur und Wesensglieder
Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?
Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?
Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?
Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern
In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern (vgl. Anthroposophische Medizin: Arzneimittel-Substanzgruppen und Wesensglieder):1
So haben Mineralien eine unmittelbare Beziehung zur Ich-Organisation: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.
Heilmittel aus dem Pflanzenreich auf die astralische Organisation: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.
Organpräparate und tierische Arzneimittel auf die ätherische Organisation: Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.
Menschliche Substanz (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den physischen Leib, sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.
Was Muttermilch vermag
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:
die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;
Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;
gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;
ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;
Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;
die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;
die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.
Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.2
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.
Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch
Nach der physischen Abnabelung vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.
Dann folgt die langsame ätherische Abnabelung und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.
Die seelisch-astralische Abnabelung findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art geistige Abnabelung dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.
Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.3
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.
Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 20254
- Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.
- Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.
- Rudolf Steiner, Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik, GA 293, Vortrag 2. September 1919.
- In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.

