Konferenz über Rudolf Steiner und die westliche Spiritualität
Der Leiter des „Program for the Evolution of Spirituality” der Harvard Universität Dan McKanan, eröffnete und begleitete am 15. und 16. Dezember 2025 die „100 Jahre Rudolf Steiner Conference“ in der Harvard Divinity School.1
Die operative Vorbereitung lag in den Händen von Henry Holland (Schottland, Hamburg) und Aaron French (Dänemark), die beide auf dem Feld der westlichen Esoterikforschung tätig sind. 2027 soll ihr von der State University of New York Press in Auftrag gegebenes Werk über den jungen Rudolf Steiner und die Wiedergeburt der Außenseiterphilosophie erscheinen.
In dreifacher Hinsicht außergewöhnlich
- 1. Umfassende Würdigung des Lebenswerkes Rudolf Steiners
Erstmals wurde an einer amerikanischen Universität nicht nur das Lebenswerk Rudolf Steiners in seiner Vielfalt gewürdigt; es kamen Menschen vor Ort und online aus allen Erdteilen zusammen, um sich in 74 Podiumsbeiträgen und 3 Hauptvorträgen einen vertieften Einblick in die angewandte Anthroposophie zu verschaffen – wissenschaftlich, künstlerisch und auf den verschiedenen Praxisfeldern wie der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, der Waldorfpädagogik und Sozialtherapie, der Kunst und Architektur, der sozialen Dreigliederung, der Medizin und der religiösen Erneuerungsbewegung die Christengemeinschaft.
- 2. Ausgewogenes Bild von der Rezeption Rudolf Steiners
Es entstand ein ausgewogenes und realistisches Bild von der gegenwärtigen Rezeption Rudolf Steiners, in dem kritische Beiträge zu seinem Lebenswerk ebenso ihren Platz fanden wie äußerst berührende Schilderungen über die Fruchtbarkeit der Anthroposophischen Initiativen. Unter den Teilnehmern herrschte eine wohltuende Toleranz und Gesprächsbereitschaft.
- 3. Weiterführende Veröffentlichungen und Workshops
Alle Beiträge werden für die Veröffentlichung bearbeitet und über das Archiv der Harvard Divinity School weiterhin zugänglich sein. Auch sind Workshops geplant, um die Auseinandersetzung mit Steiners westlicher Esoterik fortzusetzen.
Herausragende Beiträge
- Vortrag von Boas Huss
Herausragend war für mich zum einen der Vortrag von Boas Huss von der Ben Gurion Universität dessen Forschungsschwerpunkt die Geschichte der Kabbala und der westlichen Esoterik ist. Er sprach über die jüdisch-israelische Rezeption der Anthroposophie. Trotz Steiners kritischer Äußerungen bezüglich der zionistischen Bewegung gibt es in keinem Land der Erde mehr Waldorfschulen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung wie in Israel, sogar eine Waldorf inspirierte Schule in einem jüdisch orthodoxen Viertel. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die anthroposophische Medizin, Heilpädagogik und Sozialtherapie, Eurythmie, Biografiearbeit – sie werden aufgrund ihrer tief menschlichen Ausrichtung und Ethik hochgeschätzt, auch wenn selbstverständlich der christliche Charakter der Anthroposophie zumeist nicht betont wird. In diesem Beitrag wurde auch deutlich, mit wie viel Menschen jüdischer Herkunft Rudolf Steiner befreundet war und wie breit die Rezeption der Anthroposophie gerade auch in jüdischen Kreisen gewesen ist, weswegen die Anthroposophie im Zuge der Auswanderungswelle und durch den Zuzug der Holocaust Überlebenden dort Wurzel schlagen konnte.
- Podiumsbeitrag von Ikechukwu Anthony Kanu
Der zweite für mich herausragende Podiumsbeitrag war von Ikechukwu Anthony Kanu, Professor für afrikanische Philosophie und religiöse Traditionen an der Veritas Universität Abuja, einer 2002 begründeten katholischen Universität in Nigeria. Er sprach über den Schnittpunkt von Esoterik und menschlicher Transformation in Rudolf Steiners Christologie. Dabei zeichnete er nicht nur die Entwicklung von Steiners Christologie in einer Weise nach, die es den Teilnehmern ermöglichte, Steiners Christus-Verständnis und seine Christus-Begegnung in der Lebensmitte in erstaunlicher Intensität mitzuempfinden. Er zeigte auch auf, welche inneren Bezüge zwischen der afrikanischen Spiritualität und einem überkonfessionellen Christentum bestehen können, wie es die Anthroposophie lehrt. Sein Anliegen war es, einen Beitrag zu leisten zu einem tieferen Verständnis von Rudolf Steiners Geisteswissenschaft und ihrer Bedeutung für die persönliche Transformation, für das innere geistige Wachstum und den esoterischen Erkenntnisreichtum.
Vgl. Kurzbericht über die „100 Jahre Rudolf Steiner Conference“ in der Harward Divinity School, am 15. und 16. Dezember 2025
- https://pes.hds.harvard.edu/steinerconference

