Was das Wesen Anthroposophia von uns braucht
Was waren die Aufgaben und Errungenschaften der ersten Mitglieder der „Anthroposophischen Gesellschaft“?
Was sind die Aufgaben und Herausforderungen für die heutigen Mitglieder?
Inwiefern muss und kann Anthroposophie als ein Wesen aufgefasst werden, das unsere Unterstützung braucht?
Heutige Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft
Eine der vorrangigsten Aufgaben der „Anthroposophischen Gesellschaft“ heute wäre aus meiner Sicht das Bemühen, das höhere Selbst zu wecken und zu verstärken, indem man voneinander lernt, sich über Wesentliches unterhält und sich füreinander interessiert. Steiner nannte dies „das Erwachen am Seelisch-Geistigen des Anderen“. Um das damit verbundene Wecken moralischer Kräfte geht es auch heute mehr denn je. Die heutige „Anthroposophische Gesellschaft“ lebt deshalb mit der Herausforderung, immer wieder neue die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass eine solche Erweckung bzw. Stärkung von ihren Mitgliedern erlebt werden kann (vgl. Anthroposophie: Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft).
Nach der Weihnachtstagung hat Rudolf Steiner den Mitgliedern der „Anthroposophischen Gesellschaft“ vieles über ihr Karma enthüllt und ihre Kulturaufgabe beschrieben.1 Er erläuterte die karmischen Zusammenhänge und benannte die menschheitlichen Kulturströmungen, die sich zu Trägern der anthroposophischen Impulse machen konnten – gerade auch wegen ihrer Verschiedenheiten und karmischen Differenzen.
Anthroposophen damals und heute
Anthroposophen damals und heute
Diese karmischen Betrachtungen Rudolf Steiners in Bezug auf die ersten Mitglieder und seine Aussagen in Bezug auf die Kulmination der Anthroposophischen Bewegung am Ende des letzten Jahrtausends sind insofern gewinnbringend, als sie uns dadurch zweierlei karmische Gegebenheiten klar unterscheiden lassen (vgl. Anthroposophie: Kulmination der anthroposophischen Bewegung) insofern gewinnbringend, als sie uns dadurch zweierlei karmische Gegebenheiten klar unterscheiden lassen.
- 1. Gründungsimpuls und erste Anthroposophen
Der Gründungsimpuls der ersten „Anthroposophischen Gesellschaft“ hängt mit den damaligen sowie den am Ende des 20. Jahrhunderts wiederverkörperten Anthroposophen und ihren Lehrern zusammen. Durch diese Menschen wurde unter der Führung von Rudolf Steiner die „Anthroposophischen Gesellschaft“ und Bewegung nicht nur gegründet (vgl. Anthroposophie: Die Statuten der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft), sondern am Ende des 20. Jahrhunderts auch zu einer Kulmination, quasi zum Erblühen, gebracht.
- 2. Weiterführung des Impulses durch die heutigen Mitglieder
Heute aber geht es darum, diesen Impuls aufzugreifen, das heißt, ihn nicht nur am Leben zu erhalten, sondern ihn weltweit fortzusetzen. Das ist unter den heutigen Zivilisationsbedingungen viel schwieriger als zur Zeit der Kulmination, also zwischen 1975 und 1997. Dazu braucht es vor allem eine viel größere Anzahl an Menschen als nur diejenigen, die diese Gründung und deren Kulmination als eine Art Pioniertat mit andere zusammen ermöglicht haben.
Notwendigkeit starker Menschengemeinschaften
Die Anthroposophie, also die Quelle aller dieser anthroposophischen Initiativen auf allen Lebensfeldern, ist eben keine „Lehre“, ebenso wenig, wie das Christentum eine „Lehre“ ist. Sie ist vielmehr eine Wesenheit, ein Lebensimpuls, etwas, das wie das Christentum gelebt werden will, das unter Menschen leben will und muss, damit es existieren kann.
Rudolf Steiner nennt das Wesen der Anthroposophie deshalb während der Weihnachtstagung auch „Anthroposophia“. Dieses Wesen inspiriert die anthroposophische Geisteswissenschaft, birgt in sich das Menschenziel und begleitet die Menschheitsentwicklung (vgl. Menschheitsentwicklung: Die sieben Kulturepochen). Gleichzeitig steht es im Zusammenhang mit der ganzen Fülle der geistigen Wesen und ihren Welten.
Die Anthroposophia als Wesenheit kann ihre Menschheitsaufgabe jedoch nur erfüllen, wenn sich Menschengemeinschaften bilden, die über längere Zeiträume hinweg bereit sind, diesem Wesen eine irdische Hülle zu geben und die es in seiner irdischen Wirksamkeit unterstützen wollen (vgl. Menschheitsentwicklung: Der göttliche Weltenplan). So gesehen ist die „Anthroposophische Gesellschaft“ – wie Rudolf Steiner sie auch einmal genannt hat – „eine Versuchsgesellschaft des Allgemeinmenschlichen“.
Gegenüber den die gegenwärtige Menschheit in hohem Maße beherrschenden ahrimanischen Gewalten braucht es gerade heute starke Menschengemeinschaften, die sich dem geistig entgegenstellen, indem sie Zukunftskeime des Menschlichen der Menschheit unter sich aufleben lassen und weiterentwickeln.
Vgl. „Die Aufgabe der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft im 21. Jahrhundert“, Sept. 2023, Akanthos Akademie Edition Zeitfragen
- Rudolf Steiner, Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge. Vierter Band. Das geistige Leben der Gegenwart im Zusammenhang mit der anthroposophischen Bewegung, Vortrag am 5. September 1924, GA 238, S.11 ff.

