Lernen als Wiederentdeckung begreifen

Welche Fragestellung behandelt Mario Livio in seinem Buch?

Welche pädagogische Konsequenz müsste die Aussage von Platon und Rudolf Steiner haben, dass jede Erkenntnis ein Wiedererkennen, ein Heraufholen aus der eigenen Seele sei?

Inwiefern revolutioniert es das Verständnis von Lernen und Lehren?

Wissen in den Untergründen der menschlichen Seele

Es gibt ein wunderbares Buch von Mario Livio mit dem Titel: „Ist Gott ein Mathematiker?“.1 Der Autor geht die ganze Geschichte der Mathematik durch und die tiefste Frage ist: „Ist Mathematik eine Entdeckung oder eine Erfindung des Menschen?“

Entdecken kann man nur etwas, das es schon gibt. Die großen Weisen sind sich natürlich einig, dass Mathematik eine Entdeckung ist. Die materialistischen Weisen möchten dieses geistige Gebiet als Erfindung des Menschen verkaufen – als etwas, das er aus Zufall, aus der Materie heraus selbst erfunden hat. Es soll nur nicht als etwas begriffen werden, das es schon gibt und das man nur mit größtem Erstaunen und in tiefster Bewunderung, „dass es tatsächlich so ist, wie es ist“, entdecken kann.

Bereits Platon sagte, alles Denken sei ein Wiedererkennen bzw. Wiedererinnern von etwas, was man unbewusst schon wusste.

Wahres Lehren und Lernen

Dazu ein Zitat von Rudolf Steiner:

„Was hier in Betracht kommt, wird richtig nur derjenige anschauen, der bedenkt, wie alles Wissen von seelischen und geistigen Welten in den Untergründen der menschlichen Seele ruht. Man kann es durch den Erkenntnispfad heraufholen. ‚Einsehen‘ kann man nicht nur das, was man selbst, sondern auch, was ein anderer aus den Seelengründen heraufgeholt hat. Selbst dann, wenn man selbst noch gar keine Veranstaltungen zum Betreten des Erkenntnispfades gemacht hat. Eine richtige geistige Einsicht erweckt in dem nicht durch Vorurteile getrübten Gemüt die Kraft des Verständnisses. Das unbewusste Wissen schlägt der von andern gefundenen geistigen Tatsache entgegen. Und dieses Entgegenschlagen ist nicht blinder Glaube, sondern rechtes Wirken des gesunden Menschenverstandes.“2

Lehren im optimalen Sinn bedeutet demnach, Bedingungen zu schaffen, damit Kinder selbst wiederentdecken können, was sie im Grunde schon wissen. Unpädagogische Vorgehensweisen seitens der Lehrer sorgen dagegen für Lernblockaden. Kein Lehrer kann einem Kind irgendetwas beibringen! Das zu glauben, ist eine riesige Illusion.

Vgl. Vortrag „Das eigene Menschsein entwickeln“, gehalten im Rudolf-Steiner-Haus, September 2024

  1. Mario Livio, Ist Gott ein Mathematiker? Warum das Buch der Natur in der Sprache der Mathematik geschrieben ist, C.H. Beck-Verlag.
  2. Rudolf Steiner, Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, Kap. Der Pfad der Erkenntnis, GA 9.

Videos:

Vortrag in Salzburg, „Den Waldorfimpuls erneuern und vertiefen“,

Allianz ELIANT-Webinar, Waldorfpädagogik - Zeitgemäße Erziehungskunst, November 2024

Waldorf - A Modern Art of Education, Alliance ELIANT Live-Webinar, Nov.2024

Wie spiegelt sich die Entwicklung seelischer Gesundheit im Lehrplan? Ein Beitrag zur Schulärztekonferenz der Medizinischen Sektion am Goetheanum im Oktober 2025

Kurzvideos:

Belebung des Waldorfimpulses

Eine kindgerechte Lernumgebung

Sensomotorische Integration und Bewegung

Meilensteine der kognitiven Entwicklung

Meilensteine der emotionalen Entwicklung

Die Begegnung formt das Individuum

Shorts:

Waldorflehrplan als Denkschule